RSS-Feed twitter facebook flickr xing formspring

NilsTrotzVogel: Jubiläum! Videos! Hurra!

09. Januar 2010 | ausgedachtes

NilsTrotzVogel - Fast schon ein Bandfoto

Zeit für Nostalgie! Genau heute vor einem Jahr – es war ähnlich sibirisch draußen, doch es wurde sich alle Mühe gegeben, den gastgebenden Luxuskeller zu beheizen – da saßen drei junge Herren auf unbequemen Plastikstühlen. Und auf diesen sitzend, lasen sie überaus literarische Texte, spielten famoses Liedgut und redeten beizeiten wirres Zeug. Und sie waren sehr froh, dass nicht nur ihre neun MySpace-Freunde gekommen waren, um sich das anzusehen. Es war die rauschende Nacht der NilsTrotzVogel one night only Konzertlesung im wundervollen Brick5 in Wien, mit einem Programm, ganz passend betitelt „Gender und so“. Weiterlesen »

Die Epstein Fragmente #4

05. Januar 2010 | ausgedachtes

An einem Herbsttag, Blätter lagen verstreut. Im Kaffeehaus spielte ein Pianist, in einer Ecke an einem kleinen Tisch, darauf eine Tasse Kaffee und ein Wasser, saß Gilbert Epstein. Und er, bereits winterlich im Gemüt, blickte nicht zum ersten Mal auf die Uhr. Er las die Zeitung eher beiläufig, um etwas zu tun zu haben, schien aber wenig konzentriert auf die Nachrichten des Tages, deren Aufbereitung ihm ohnehin nicht zusagte. Die Zeitungen werden immer dünner, hatte er eben noch zum Kellner gesagt, der den Kaffee servierte und mit stoischer Miene nickte.

Epstein befand, er warte schon viel zu lange auf die angekündigte Gesellschaft. Dabei hatte sie ihn hierher bestellt, es sei eilig, meinte sie noch am Telefon, wir treffen uns am besten gleich. Doch Epstein befand auch, dass dieses Bild, er mit Anzug und Zeitung, den Hut lässig am Ständer nebenan, sehr stimmig sei und und so elegant wirkte, dass er es durchaus mit seinem Selbstbild in Einklang bringen konnte. Er, ein Wartender. In seinem Beruf, da sei das ganz normal.

Nur was fehlte, das war die Zigarette, natürlich filterlos, Epstein schätzte eine gute filterlose Zigarette, die für gewöhnlich im Aschenbecher vor sich hin qualmte und nicht notwendigerweise geraucht wurde und mehr nur ins Bild passte. Aber Rauchverbot. Der Kellner mit der stoischen Miene hatte wiederholt darauf hingewiesen, nicht mit dem Zeigefinger, doch mit erhobener Nase. Hier kein Rauchen mehr. Man wisse ja, die Nichtraucher, das neue Gesetz. Epstein hatte genickt und auf die Uhr gesehen. Jetzt wo man nicht mehr dürfe, wollte man erst so wirklich.


null

Bisherige Fragmente: #1 / #2 / #3

Von Notizbüchern, kein Jahresrückblick

31. Dezember 2009 | notizen

Jahresende, da wären wir nun. Ich sitze also da, ein paar Tage nach dem Weihnachtstrubel, der dann doch keiner war, und halte ein Buch in Händen, das von einem Post-It Lesezeichen und zusammen gehalten wird, dessen türkisgrüne Farbe erstaunlicherweise eben jenes Türkisgrün ist, das auf dem Buchcover als Sekundärfarbe den Titelschriftzug schön bunt macht. Das ist purer Zufall, aber es wirkt, als würden Buch und Lesezeichen zusammen gehören, als wären sie so auf die Welt gekommen, oder als hätte sich jemand die unsinnige Mühe gemacht, Cover und Lesezeichen farblich aufeinander abzustimmen. Weiterlesen »

In spaceships, they won’t understand

21. November 2009 | notizen

Jüngste Ereignisse machten eine Auseinandersetzung mit einer noch jugendbewegten Vergangenheit unausweichlich. Nostalgische Gefühle sind gleichermaßen Absicht wie schlimme Pose – aber dazu später mehr.

Kurzer Zeitsprung, 2001 oder 2002. Ich bin siebzehn oder achtzehn Jahre alt, besuche äußerst erfolgreich die Oberstufe eines Gymnasiums und feiere gerade eine Freistunde in dieser gewissen, einer Kneipe nicht unähnlichen Lokalität gleich neben der Schule. Auf einmal tönen aus der überaus schäbigen Anlage zweieinhalb rotzig gespielte Akkorde in einem katastrophal beschissenen Sound, sind dabei aber so schwungvoll und so ansteckend, nicht nur fußwipptechnisch gesehen, dass ich nicht anders kann, als nie wieder den bisher so geliebten Punkrock zu hören. Wie sich rausstellte, war das „Last Nite“ von den Strokes. Und wie sich auch rausstellte, sahen diese fünf Typen aus wie ich. Durcheinander in den Haaren, allgemeine Verfassung blass bis irgendwie kränklich, und im Gesichtsausdruck eher gelangweilt. Klamottentechnisch hatten die Jungen aus New York mir natürlich einiges voraus, weil – auch das stellte sich heraus – die hatten ja alle so reiche Eltern. Aber das machte nichts, ich mochte sie trotzdem. Und alle anderen mochten sie auch. Und dann kamen ganz viele weitere Bands, die so waren die Strokes. Das war dann „Indie“, anfangs auch gern „Garagenrock“, weil die so klangen und weil das damals in Musikzeitschriften stand. Und wir, die nicht auf den Bühnen standen, wir trugen auch enge Jeans und dreckige weiße Turnschuhe. Das war wieder cool, wahrscheinlich zum ersten Mal seit den Ramones, die wir natürlich auch alle mochten. Weiterlesen »

#6 – Fünfzehn Seiten

16. November 2009 | notizen

Fünfzehn Seiten sind schon ganz in Ordnung, denk ich mir. Ich trage eine rote Weste, unter mir ein unbequemer Holzhocker, der diesen 400-Euro Brotjob nicht gerade erträglicher macht. Die letzte Stunde ist gerade angebrochen, also die, wo nie was los ist und ich im Durchzug sitzend Dinge lese, wie gerade die ersten Versuche der großen Arbeit.
Ich habe beschlossen, die Diplomarbeit nur noch „die große Arbeit“ zu nennen. Oder „die Arbeit“. Oder „Ich hasse dich und möchte, dass du endlich aus meinem Leben verschwindest“. Auf der anderen Seite rede ich mir ein, dass es Spaß macht, wieder tage- und nächtelang zu schreiben. Auch wenn es nicht dasselbe ist wie damals in der Wiener Küche. Dabei habe ich mir redlich Mühe gegeben, das Gefühl von damals zu imitieren. Habe Martenstein gelesen. Habe Ottakringer getrunken. War mal wieder ein bißchen besessen und auch besessen von dem Wunsch, etwas auf die Beine zu stellen. Doch dann besetzten die Wiener Studenten in der vertrauten Ferne ihre und auch meine Uni und es war ein bißchen wie damals, so vom Gefühl her, als ich das erste Konzert der Libertines ohne Pete Doherty gesehen habe: Man war dabei, bei der ganzen Sache, aber dann war’s doch nicht so ganz. Damals Pete Doherty, heute fehlte ich. Der eigene, gewollte Weg, nun, in seinem Fall, da gibt‘s die Babyshambles und in meinem Fall, da gibt‘s Freunde und Bekannte, die einen riesigen Hörsaal besetzen und diskutieren, was endlich besser gemacht werden muss. Doch ich sitze weit entfernt auf einem kaputten Hocker und diskutiere mit mir selbst, was nach der durchkämpften und verlassenen Wiener Uni diese unförmige Zukunft bitte Einträgliches bringen wird. Ich fühle mich als hätte ich alles und jeden verraten und verkauft. Verraten! Verkauft! Die bequemen, gelebten Posen flammen auf. Rebellentum, ich will das auch.

Doch natürlich kam es anders. Und warum? Wegen einem Anruf. Ich friere. Kurz nach sieben ist es, viel zu früh am Morgen. Die Scheiben des alten VW Passat sind beschlagen, und seitdem der CD-Player kaputt ist, suche ich ständig einen Sender, der keine Radiocomedy bringt. Statt der roten Weste mit dem schiefen Namensschild trage ich heute Hemd, Schal, Sakko. Mein zweites Ich ist unterwegs, der Superheld. Ich wurde gerufen, den Notjob zu verlassen, um für kurze Zeit einen besseren anzunehmen. Ich wurde „Herr Simon“, der Aushilfslehrer, der eine Woche lang mit Zehntklässlern übers Geschichtenerzählen redet – über Kurzgeschichten und Popmusik und Filme und übers Selberschreiben. Zehntklässler sind so fünfzehn sechszehn und haben noch sowas wie Energie. Wir nennen es Medienpädagogik. Wir haben über Hemingway gesprochen, über Kanye West, Death Cab For Cutie, Almost Famous und über all das, was wichtig ist. Es wurde Theater gespielt, es wurde Lehrer gespielt. Und irgendwo in diesem Klassenzimmer ist auch ein bißchen was von mir selbst wieder aufgetaucht.
Am ersten Tag zurück in der toten Weste habe ich gekündigt. Ich trage die gute Laune in mir, nie wieder bunter Cowboy zu sein. Und eh ichs vergesse, die ersten fünfzehn Seiten, so schlecht sind die gar nicht.

Die Welt aus den Fugen: Die Titelsequenzen von Dawn of the Dead und Watchmen

12. Oktober 2009 | was über filme

Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat – ich weiß, es klingt komisch – Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (Dawn of the Dead, 300, Watchmen) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor Zuschauermägen zeigen. Snyders Kamera schaut dort hin, wo andere wegschauen würden. Zombies, Streitäxte, Frittenfett: Snyder zeigt, und entspricht damit einer (seiner!) Generation junger Regisseure, denen allgemein wenig daran gelegen ist, filmische Grausamkeiten nur in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen. Zu diversen Streitfällen dieser neuen Mainstream-Brutalität wie Saw, Hostel und Co. war auch der Vorwurf nicht weit, hier würden lediglich Gewaltpornos fabriziert. Doch wie immer man zu Gewalt auf der Leinwand steht, Snyders Filmen kann man durchaus zugute halten: Visuell sind sie allererste Güte.

Watchmen - Die Wächter / Bild von MovieGod.de
(Watchmen – Die Wächter / Bild von MovieGod.de)

Weiterlesen »

Ejchenbaum in Hollywood: Die Bedeutung der „Inneren Rede“

16. September 2009 | was über filme

Das Beeindruckende an den unterschiedlichen Fassungen von Francis Lawrence‘ I Am Legend ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige Dramaturgie betrachtet, funktionieren. So arbeiten beide Filme selbstverständlich mit denselben Fixpunkten der Handlung, doch haben sie eine jeweils andere Bedeutung. Weiterlesen »

„Neue Wege im Blockbusterkino“ – Celluloid Filmmagazin 5/2009 erschienen!

04. September 2009 | was über filme

celluloid_5-2009_cover-2Freudige Ankündigung: Wo es einen ersten und einen zweiten Teil gibt, da folgt dieser Tage nun ein dritter. Aktuelles Thema meiner Serie/Essayreihe zum modernen Blockbusterkino sind 3D-Effekte im narrativen Spielfilm (Coraline, Ice Age 3, Avatar) und ihr möglicher Einfluss auf die Ästhetik des Kinos.

Zu haben ist Celluloid Nr. 5/2009 ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa- Shops und in ausgewählten Programmkinos. Weitere Informationen auch auf der Website zum Magazin.

Eine Übersicht der bisher erschienenen Teile und aller weiteren Veröffentlichungen finden sich hier.

Twitter-Updates:

Twitter Updates

    Textarbeit: celluloid celluloid celluloid Blatt Vöslau
    Manifestlich:
    I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.