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Archive for April, 2009

I Am Legend oder die Feigheit Hollywoods

30. April 2009 | was über filme

Es fällt schwer, die ersten beiden Drittel von I Am Legend nicht zu mögen. Umso leichter fällt es aber, das letzte Drittel zu verdammen – und gut wie gerne für alles verantwortlich zu machen, was im modernen Hollywoodkino nicht stimmt. An dieser Stelle sei eine ausdrückliche Spoilerwarnung ausgesprochen – zur Kinofassung und zur alternativen Fassung.

I Am Legend / Bild von MovieGod.de
(I Am Legend / Bild von MovieGod.de)
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Essayreihe zum Blockbusterfilm ab heute im Celluloid-Filmmagazin!

29. April 2009 | was über filme

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Freude! Im heute erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der erste Teil meiner Textreihe zum modernen Blockbusterkino abgedruckt. Thema des Auftaktessays: Die filmische Attraktion als Erfolgsrezept im Blockbuster, von Traditionslinien und dem Geschäft mit dem Sehgenuß. Erste Station: Peter Jacksons King Kong-Remake von 2005.

Zu haben ist das neue Celluloid (Nr. 3/2009) ab 29. April im gut sortierten Zeitschriftenhandel (das wollte ich schon immer mal schreiben), in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos.

Jura Soyfer – Die Theaterstücke, erster Blick

29. April 2009 | notizen

Meine Damen und Herren! Wie aus einem Füllhorn – wie aus einem Füllhorn, oder um bildlich zu sprechen: Wie aus einem Füllhorn. Händeklatschen. Jawohl. Das astorische Füllhorn hat lauter getönt als das rohköstlerische Fagott. (Astoria)

Der typische Student der Wiener Theater-, Film- und Medienwissenschaft verbringt einen Großteil seines Studiums in nur zwei Hörsälen – einer davon ist der Jura-Soyfer-Saal in der Hofburg. Als mich Kollege Grundtner vor vier Jahren erkundungstechnisch durchs Institut führte, habe ich nur „Jura Säufer Saal“ verstanden und gelacht. Was weiß denn ich wer Jura Soyfer war? Und viel mehr als mal den Wikipedia-Artikel über Soyfer – wie auch über Joseph Schreyvogel, den Namenspatron des zweiten Institutshörsaals – durchzulesen, hab ich seitdem nicht fertig gebracht. Mit meinem Unwissen war und bin ich aber nicht allein, wie man so hört. Obwohl Soyfers Texte in zig Sprachen übersetzt wurden, ist er heute nicht unbedingt der allgemein-bekannteste Autor. Praktisch kennt ihn fast niemand. Mein komplettes Unwissen änderte sich dann mit diesem, meinem wohl letzten Semester. Wurde auch mal Zeit. Bildet überdies eine schöne thematische Klammer des Studiums, was man auch als Anekdote zum Beispiel in Blogeinträgen verwenden kann.

Denn, wie ich in der aktuellen Vorlesung/Übung über sein Leben und Werk gelernt habe: Jura Soyfer besitzt. Alles. Vier seiner fünf Theaterstücke – Der Weltuntergang, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, Astoria, Vineta (Die versunkene Stadt) - habe ich mittlerweile gelesen und weiß auch ungefähr, in welche Richtung sich mein für Juni geplanter Abschlussaufsatz entwickeln wird. Denn was mich so beeindruckt hat: Soyfer schreibt erstaunlich visuell, scheint stets darum bemüht, die Bühne und ihre (Un-)Möglichkeiten auszunutzen. Sei es die Rückreise in der Zeit im Lechner Edi oder die versunkene Stadt, in der die Zeit still steht in Vineta. Was mich mehr als einmal überrascht hat – sowohl sprachlich, als auch von der Geschichte insgesamt – das war der unglaublich direkte, unkomplizierte Humor. Der ergibt in Verbindung mit den teils ernsten Hintergründen von Soyfers Geschichten eine ganz eigene, unwirkliche Atmosphäre, die zum Ende hin immer in eine Tragödie oder eine Komödie kippen kann. Selten so gerne Theatertexte gelesen.
Soyfers Protagonisten sind immer auf der Reise und auf der Suche – meist nach einer Verbesserung ihrer oder allgmeiner Umstände. Sie betreten dabei immer ein Terrain, auf dem sie sich nicht auskennen und/oder mit ihren Wünschen gegen übergroße Wände laufen. Unverstandenheit ist ein ganz großes, wiederkehrendes Motiv innerhalb dieser Reisen – wie auch Krieg, Armut und Bürokratie. Ich finds erstaunlich, wie viele kleine und weniger kleine Ideen und Anspielungen Soyfer unterbringt und bei aller erzählerischer Vielfalt insgesamt nicht seine Richtung verliert. Letztlich ist es sein Stil, nicht nur der sprachliche, der mich so beeindruckt hat.

Neulich unterhielt ich mich mit dem Buchhändler meines Vertrauens. Wir sprachen über die Soyfer-Werkausgabe, die nun auch in vier Einzelbänden erhältlich ist. Die alte Ausgabe, sagte er, dieses riesige, unhandliche Ding sei ja eine haptische Katastrophe gewesen. Gut also die Aufteilung von 2002.
Dann fügte er hinzu: Auf der anderen Seite dürfe man eigentlich froh sein, dass heute überhaupt noch etwas von Soyfers Texten erhalten ist.
Soyfer starb 1939 im KZ Buchenwald, mit 26.

Der Sonntagnachmittagsfilm

26. April 2009 | was über filme

The World’s Fastest Indian (Roger Donaldson, 2005)

Ich dachte nur: Wieder so ein sentimaler Scheiß. Keine Ahnung warum ich die DVD überhaupt gekauft hatte, Ewigkeiten her, für kein Geld in England mitbestellt. In Vergessenheit geraten stand The World’s Fastest Indian seitdem in Folie geschweißt in den unteren Regalen rum.

Aber gut, dass es Sonntagnachmittage gibt.

The World's Fastest Indian / Bild von MovieGod.de
(The World’s Fastest Indian / Bild von MovieGod.de)

Die Geschichte natürlich, die kennt jeder 10-jährige schon zu Genüge. Der Sportfilm ist wohl das mit Abstand am wenigsten wandelbare Genre überhaupt. Immer und immer wieder geht es um das eine große (Lebens-)Ziel, das am Ende als Sieger oder, wenn nicht, zumindest als moralischer Sieger erreicht wird. Und hier ist es eben Anthony Hopkins als Burt Munro, der irre schnell Motorrad fahren will und dafür um die halbe Welt reist. Doch in genau diesem Satz finden sich schon die drei Gründe, die The World’s Fastest Indian sehenswert machen: Anthony Hopkins, Burt Munro, Reise um die halbe Welt.

Genau genommen ist der Film ein Road-Movie im Sportfilmkostüm, das seine kauzige Hauptfigur von Station zu Station führt, von Neuseeland nach Salt Lake City. Zahllose herrlich geschriebene Figuren bereiten letztlich einen Weg hinein ins amerikanische Sportlerherz – und auch das ist, wie alle anderen in diesem Film, ein gutes. Kein Kitsch, viel Herz. The World’s Fastest Indian ist ein Film über gute Seelen. Es gibt sie, zumindest im Sonntagnachmittagsfilm.

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (6) Fazit (überarbeitet)

24. April 2009 | was über filme

Im Vorwort dieses Essays schrieb ich, dass die Untersuchung letzten Endes ein wenig gescheitert ist. Wobei, gescheitert ist hierbei vielleicht der falsche Ausdruck, es kam einfach etwas anderes dabei heraus, als das, worauf ich anfangs hinaus wollte. Ich dachte, es ließen sich zwei Einsatzbereiche von Bildschirmmedien im zeitgenössischen Science-Fiction-Film unterscheiden: Einerseits die optische Funktion, das Zeigen einer Zukunftswelt, und andererseits die inhaltliche Funktion, die Bedeutung der Screens für die Handlung eines Films. Das hätte dann in einem schönen Fazit resultieren sollen, über den oberflächlichen Einsatz von Bildschirmen (zum Beispiel in Blockbusterfilmen) und einer tiefer gehenden Bedeutung (zum Beispiel in klaren Dystopien). Doch wie sich herausstellte, war das nicht so einfach – und letztlich nicht möglich. Vielmehr zeigte sich, dass Bildschirme in den untersuchten Science-Fiction-Filmen – von Nineteen Eighty-Four und dessen Klonen über die Philip-K.-Dick-Adaptionen bis hin zu Blockbusterproduktionen wie Michael Bays The Island oder Filmen wie Gattaca und Southland Tales – letztlich immer eine Mischform beider Einsatzbereiche findet. Der Einsatz der Screens variiert dabei von Film zu Film: Oftmals haben sie nicht nur eine vorwiegend ästhetische Aufgabe zu erfüllen, sie können auch entscheidend helfen, die Handlung voran zu treiben – Stichwort: MacGuffin-Funktion. So hat sich also herausgestellt, dass selbst in Filmen wie Minority Report – wo Bildschirme hauptsächlich zum Zwecke des Zeigens einer Zukunftswelt eingesetzt werden – Screens eine auch für die Handlung wichtige Rolle einnehmen können. Zwar mit individuellen Differenzierungen, die aber immer in einem Bedingungsverhältnis von Form und Inhalt stehen und sich einer klaren Einteilung entziehen.

Doch ausgehend davon fand sich etwas anderes, eine im Grunde wesentlich interessantere Beobachtung: Denn in allen in diesem Essay untersuchten Filmen geht es im Grunde um die Vortäuschung von Tatsachen, dem Propagieren einer Realität, oft und meist zur Sicherung eines portraitierten Staates oder eines anderen bestehenden Systems. Die Funktion der Bildschirme im Stadtbild der phantastischen Stadt ist meist festgeschrieben: Sie dienen der Werbung, der Propaganda, und tragen Sorge für eine flächendeckende Verbreitung der (propagandistischen) Nachrichten. Sie etablieren die von diversen Obrigkeiten inszenierte Realität und helfen, diese aufrecht zu erhalten. Aufgabe der Protagonisten fast aller Filme ist es meist, dieses auf den öffentlichen Screens gezeigte Bild zu hinterfragen und die Wahrheit hinter der propagierten Realität heraus zu finden. Nicht selten handelt es sich um Figuren des repressiven Systems selbst, die sich letztlich gegen das eigene System stellen.

Die öffentlichen Bildschirme halfen hier fast ausschließlich, diese im Film imaginäre Realitätseben zu erschaffen, sie zu definieren und zu verändern. Im Rahmen der filmischen Darstellung dieser Realitätsebene operieren Screens dann wiederum mit den ursprünglich untersuchten Funktionen: zwischen dem Zeigen der Zukunft und der Bedeutung für die Dramaturgie als den zwei Grundaufgaben.


ding

Übersicht:

„Bildschirmmedien im (ausgewählten) zeitgenössischen Science-Fiction-Film: Eine Untersuchung im Hinblick auf dramaturgische und stilistische Funktionen, sowie den Einsatz im Stadtbild“

(1) (Überarbeitete) Einleitung
(2) Big Brother always wins: Nineteen Eighty-Four
(3) Don’t let the man get you down: Equilibrium und V For Vendetta
(4) Philip K. Dick: Total Recall, Minority Report, A Scanner Darkly
(5) Overkill und Minimalismus: Southland Tales, Gattaca, The Island

Überarbeiteter Abschlussessay zur LV „Die phantastische Stadt. Elemente einer Geschichte des Phantastischen Films 1″ (Mag. Thomas Ballhausen), Uni Wien, Sommersemester 2008

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (5) Overkill und Minimalismus

24. April 2009 | was über filme

(Spoilerwarnung! Southland Tales, Gattaca, The Island!)

In Richard Linklaters A Scanner Darkly fällt rein optisch natürlich eines sofort auf: die Rotoskopie-Animation – per CGI überzeichnete Filmaufnahmen. Ob Mittel der Verfremdung, Blick durch den Scanner, Entfremdung von der Realität durch Drogenkonsum – die Deutungsmöglichkeiten sind vielfältig, und atmosphärisch gesehen fügen sich die Screens so stimmig ins Gesamtbild wie die verzerrenden Halbrund-Bildschirme in Terry Gilliams Brazil (1985). Der Blick durch den Scanner wird jedoch auch im Plot selbst gezeigt: Arctor sitzt vor mehreren Screens und betrachtet das Geschehen in seiner Wohnung, der Zuschauer verfolgt dies mit ihm – und das nicht über Split-Screens als Schnitt-Technik, sondern auf den tatsächlichen Bildschirmen auf Arctors Arbeitsplatz. Ähnliches findet man fast allen in diesem Text genannten Filmbeispielen – meist sitzen die Figuren am Arbeitsplatz (in Cubicals) vor ihrem Schirm und arbeiten – doch am deutlichsten, und in allen erdenklichen Auswüchsen, findet sich diese Betrachtungsweise in Richard Kellys Southland Tales (2006). Weiterlesen »

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (4) Philip K. Dick und die Zukunft

23. April 2009 | was über filme

(Spoilerwarnung! Total Recall, Minority Report, A Scanner Darkly!)

Was ein Arnold-Schwarzenegger-Actionfilm von Paul Verhoeven, ein Tom-Cruise-Blockbuster von Steven Spielberg und ein halber Indiestreifen von Richard Linklater gemeinsam haben? Sie basieren alle mehr oder weniger auf Geschichten von Philip K. Dick: Total Recall (1990), Minority Report (2002) und A Scanner Darkly (2006) sind darüber hinaus aber drei Filme, in denen die dargestellten Bildschirmmedien ähnliche Funktionen besitzen: Sie dienen vorwiegend zur Illustration der im Film gezeigten Zukunftswelt, wobei sie aber auch für die Handlung wichtige Funktionen begleiten. So ist ihre Bedeutung im Film nicht eine derart zentrale und allumfassende wie in Nineteen Eighty-Four oder Equilibrium. Ähnlich wie in V For Vendetta sind sie mehr Teil des Ganzen und innerhalb ihrer zugeteilten Rolle auch von Bedeutung für den Plot. Sie dienen als dramaturgisches Vehikel für die Mars-Reise in Total Recall, als wichtigstes Arbeitsinstrument des Pre-Crime-Departments in Minority Report und als polizeiliches Überwachungsinstrument in A Scanner Darkly. Und, man kann es fast als den „Philip K. Dick Twist“ der Geschichten bezeichnen, liefern die Screens immer auch Anhaltspunkte für philosophische Überlegungen und Fragestellungen innerhalb der Geschichten. Weiterlesen »

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (3) Equilibrium / V For Vendetta

22. April 2009 | was über filme

(Spoilerwarnung! Equilibrium, V For Vendetta, Nineteen Eighty-Four!)

Betrachtet man die lange Liste der literarischer Anleihen, die Autor und Regisseur Kurt Wimmer als Grundlage seiner Geschichte in Equilibrium (2002) nutzte, ist George Orwells „1984“ – neben Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ und Aldous Huxleys „Brave New World“ – die wohl offensichtlichste. Auf ästhetischer Ebene erinnert Equilibrium zwar eher an The Matrix (Andy und Larry Wachowski, 1999), thematisch wandelt der Film jedoch auf eingetretenen Dystopie-Pfaden. So ist es nur konsequent, dass sich Autor und Regisseur Wimmer auch beim Einsatz von Bildschirmen (im Stadtbild) ganz auf bekannte Vorbilder verlässt. Große Screens – an Gebäuden, an Zeppelinen oder auch als Public-Viewing-Anlagen oder in öffentlichen Gebäuden in der Stadt Libria, sowie als eine Art Bildungs-TV in den Privatwohnungen – die wie in Nineteen Eighty-Four belehrenden, propagandistischen Inhalt zeigen: Was dort die Goldstein-Thematik und Schuldbekenntnisse waren, sind hier Bilder von Hitler und der Atombombe, um derartiges unter Einnahme der Emotions-tötenden Pille „Prozium“ zu verhindern. Vordergründig sollen humanitäre Ideen unterstützt werden, die sich jedoch beim Blick hinter die Kulissen als Mittel der Kontrolle und Unterdrückung eines unmenschlichen, totalitären Staates herausstellen, und einzig der Sicherung des Status quo für die Regierung dienen. Weiterlesen »

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