„What does a scanner see? Into the head? Down into the heart? Does it see into me, into us? Clearly or darkly? I hope it sees clearly, because I can’t any longer see into myself. I see only murk. I hope for everyone’s sake the scanners do better. Because if the scanner sees only darkly, the way I do, then I‘m cursed and cursed again. I‘ll only wind up dead this way, knowing very little, and getting that little fragment wrong too.“
-A SCANNER DARKLY
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Ein kleines Essay-Projekt, das letztlich etwas ausartete. Natürlich war es nie die Aufgabe, alle Bildschirmmedien in allen zeitgenössischen Science-Fiction-Filmen zu untersuchen, wäre ja bescheuert, eigentlich wollte ich nur exemplarisch ein paar herausgreifen. Und da stand ich schon vor dem Problem: welche nehmen? Und die „Klassiker“? Die Eingrenzung auf „zeitgenössische“ Filme, so letzte zehn Jahre, war eine der selbstgestellten Grundvorgaben. Aber gerade bei spezifischen Filmuntersuchungen, die auf eine Entwicklungslinie, einen Paradigmenwechsel oder allgemein auf irgendeine Differenzierung hinauslaufen sollen, ist es schwierig (und eher dumm), die Traditionen außen vor zu lassen. Will sagen: Wer über die Rolle der staatlichen Propaganda in V For Vendetta oder Equilibrium schreibt, der muss auch über Propaganda in Nineteen Eighty-Four schreiben. Und wie kann man über Minority Report sprechen, ohne dabei an Total Recall zu denken? Man sieht, das kann man natürlich weiter spielen und irgendwann landet man bei Blade Runner, Star Wars, The Omega Man und was weiß ich, beim Siegeszug des Farbfilms.
(V For Vendetta / Bild von MovieGod.de)
Letztlich hat es sich ergeben, dass bei der Untersuchung der Funktionen von Bildschirmmedien in modernen Science-Fiction-Filmen sich insbesondere die Filme als geeignete Untersuchungsgegenstände erwiesen, deren Sujet oder zumindest deren Rahmenhandlung um das Thema der düsteren Zukunft kreist. Doch zeigte sich auch, dass selbst innerhalb dieser Grenzen genügend Raum für Abstufungen existiert. Zentrales Element pessimistischer Zukunftsvisionen ist oft eine Form der Gesellschafts- oder Systemkritik, die potenzielle Auswüchse schon in der (realen) Gegenwart bestehender gesellschaftlicher oder politischer Tendenzen aufgreift, um sie so zu kritisieren: autoritäre oder totalitäre Regime, der einhergehende Überwachungsstaat, die Rolle von Werbung und Propaganda, Elitenbildung und Diskriminierung von Minderheiten. Also praktisch alles, was sich in George Orwells „1984“ findet. Es schein entsprechend sinnvoll, genau diesen Stoff sozusagen als Prototyp und Ausgangsmaterial der Untersuchung der Rolle und Funktion von Bildschirmmedien zu verwenden. Beziehungsweise natürlich eine Verfilmung von Orwells Geschichte, wo sich eben jene von 1984 anbot: Michael Radfords Nineteen Eighty-Four, auch aufgrund der oft gelobten Buchtreue der Verfilmung.
Aufgabenstellung
Ausgehend von Nineteen Eighty-Four sollten also Funktionen der Bildschirmmedien herausgegriffen werden, die im Verlauf mit (eher) zeitgenössischen Produktionen abgeglichen werden sollten. Alles vor 1984 wurde also gestrichen, der Fokus des Essays auf unterschiedliche Bereiche gelegt: Nineteen Eighty-Four und seine Klone, ausgewählte Philip-K.-Dick-Adaptionen und Auffälliges abseits untersuchter Konventionen. Auch sollte der moderne Blockbuster zur Sprache kommen. Betrachtet man zum Beispiel Luc Bessons The Fifth Element (1997), die Herangehensweise ist eine gänzlich andere als in Nineteen Eighty-Four: In einer Welt von fliegenden Autos und monströsen Wohnsiedlungen dreht sich das Futuristische hauptsächlich um das Zeigen: Wie sieht die Zukunft aus? Wie sehen die Autos aus und wie die Waffen und was können sie, was sie heute noch nicht können?1 Die Welt der Zukunft dient hier als Kulisse eines weitgehend unkritischen Blockbuster-Abenteuers. Dass Luc Bessons Film keine Dystopie in der Tradition von „1984“ ist, steht außer Frage. Für einen Vergleich im Sinne dieses Essays erweisen sich Filme wie The Fifth Element dennoch als brauchbar: Der Film bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Dystopie und Jules Verne, zwischen dem Zeigen der Zukunft und der inhaltlichen Bedeutung. Denn Kritik findet sich sehr wohl, wenn auch unterschwellig: Luc Besson entwarf eine schräge, durchgeknallte Zukunft, welche zwischen den Zeilen die Folgen von Medienwahn, Gesundheitswahn und Sicherheitswahn aufzeigt.2 Diese Kritik, mit Hilfe starker Übertreibung nahe der Parodie inszeniert, spielt jedoch keine nenneswerte Rolle in der Filmhandlung. The Fifth Element als grenzwertig-düstere Vision und Nineteen Eighty-Four als prototypische Dystopie sollten hier als exemplarische Fixpunkte dienen, zwischen denen die Filmbeispiele des vorliegenden Essays arbeiten: zwischen dem reinen Zeigen der Zukunft (dem optischen Aspekt) und der Bedeutung der gezeigten Zukunft für die Handlung (dem inhaltlichen Aspekt). Hiervon ausgehend sollte die Funktion von Bildschirmmedien untersucht werden, der ein simpler Fragenkatalog zu Grunde lag: Gibt es Bildschirme (Screens) im Film? Wofür werden sie verwendet? Von wem werden sie verwendet? Warum werden sie verwendet und was wird darauf gezeigt? Darauf aufbauend: Wie viele Bildschirme gibt es und wo befinden sie sich? Gerade die letzte Frage nach dem (Einsatz-)Ort scheint im Hinblick auf die Konstruktion des phantastischen Stadtbildes sehr interessant.
(Minority Report / Bild von MovieGod.de)
Zwei Angriffspunkte
Im Prinzip sollten die Filme auf zwei gegensätzliche Positionen hin untersucht werden:
- Bildschirme/Screens als Medium der Präsentation: Anhand der Screens und ihrer Platzierung im Film wird die Welt der Zukunft gezeigt, der technische Fortschritt im Vergleich zur Gegenwart veranschaulicht
- Bildschirme/Screens als (Teil-)Element der Handlung: die Screens und somit die Distributionsmedien besitzen eine wichtige Funktion der Dramaturgie des Films
Letztlich scheiterte die ursprüngliche Untersuchung – und vielleicht auch der Essay – doch an genau dieser Einteilung, die nicht so strikt vorgenommen werden konnte, bzw. sich im Laufe der Analyse als nicht haltbar erwies. Letztlich aber war das nichts Schlechtes und es entstand etwas Neues: Die Anwendung dieser Konventionen, verstanden als Bedingungsverhältnis zwischen Form und Inhalt. Wenn Screens im Film existieren, sind sie (und die daran gekoppelten Medien) immer auch Teil des Geschehens. Und am Ende klang das alles recht plausibel, letztlich also nur ein bißchen gescheitert.
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Teil 1 von 6 aus: „Bildschirmmedien im (ausgewählten) zeitgenössischen Science-Fiction-Film: Eine Untersuchung im Hinblick auf dramaturgische und stilistische Funktionen, sowie den Einsatz im Stadtbild“, Abschlussessay zur LV „Die phantastische Stadt. Elemente einer Geschichte des Phantastischen Films“ (Mag. Thomas Ballhausen), Uni Wien, Sommersemester 2008
- Kontext und Übersicht
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Anmerkungen:
Tags: 1984, essay, filmanalyse






