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Archive for April, 2009

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (2) Nineteen Eighty-Four

22. April 2009 | was über filme

(Ausdrückliche Spoilerwarnung!)

Wie im Open-Air-Kino sitzen die Arbeiter vor einem riesigen Bildschirm auf dem die Hetzreden übertragen werden: Propaganda für den Staat, Motivation der Massen durch ein gemeinsames, staatlich inszeniertes Feindbild. Bald schreien die Arbeiter den Bildschirm an, springen vor Empörung von ihren Sitzen, strecken demonstrativ das Handzeichen der Partei in die Luft: Massendynamik zwischen Hysterie und Organisation. Die Rolle der Bildschirme im Film wird gleich in dieser Auftaktszene festgelegt, und in Nineteen Eighty-Four (Michael Radford; 1984) gibt es von diesen Bildschirmen eine Unzahl. Weiterlesen »

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (1) (Überarbeitete) Einleitung

17. April 2009 | was über filme

„What does a scanner see? Into the head? Down into the heart? Does it see into me, into us? Clearly or darkly? I hope it sees clearly, because I can’t any longer see into myself. I see only murk. I hope for everyone’s sake the scanners do better. Because if the scanner sees only darkly, the way I do, then I‘m cursed and cursed again. I‘ll only wind up dead this way, knowing very little, and getting that little fragment wrong too.“

-A SCANNER DARKLY


Ein kleines Essay-Projekt, das letztlich etwas ausartete. Natürlich war es nie die Aufgabe, alle Bildschirmmedien in allen zeitgenössischen Science-Fiction-Filmen zu untersuchen, wäre ja bescheuert, eigentlich wollte ich nur exemplarisch ein paar herausgreifen. Und da stand ich schon vor dem Problem: welche nehmen? Und die „Klassiker“? Die Eingrenzung auf „zeitgenössische“ Filme, so letzte zehn Jahre, war eine der selbstgestellten Grundvorgaben. Aber gerade bei spezifischen Filmuntersuchungen, die auf eine Entwicklungslinie, einen Paradigmenwechsel oder allgemein auf irgendeine Differenzierung hinauslaufen sollen, ist es schwierig (und eher dumm), die Traditionen außen vor zu lassen. Will sagen: Wer über die Rolle der staatlichen Propaganda in V For Vendetta oder Equilibrium schreibt, der muss auch über Propaganda in Nineteen Eighty-Four schreiben. Und wie kann man über Minority Report sprechen, ohne dabei an Total Recall zu denken? Man sieht, das kann man natürlich weiter spielen und irgendwann landet man bei Blade Runner, Star Wars, The Omega Man und was weiß ich, beim Siegeszug des Farbfilms. Weiterlesen »

Wieder eine Nacht mit Lesen verbracht

15. April 2009 | notizen

Eine Inzestgeschichte! Jetzt mal ehrlich, da schippt der in seiner ellenlangen Erzählung Geheimnis auf Geheimnis und was ist am Ende der Schlüssel zu allem? Eine Inzestgeschichte. Das ist in etwa so originell wie ein Telefonstreich im Radio. Dabei hab ich das Buch, knapp sechshundert Seiten, von denen es ohne Probleme hundert weniger hätten sein können, nicht nur wirklich gern gelesen, ich hab diesen „wahren Schmöker“ nahezu „verschlungen“ – um vor der Buchrückensprache anno 2003 den Hut zu ziehen. Fraglos ein Roman, den ich auch gerne weiter empfehlen würde, wäre ich nicht sowieso schon der letzte, der ihn gelesen hätte. Die Geschichte aber ist großartig, wunderbar erzählt, viele Ebenen und am Ende doch erstaunlich wenig Redundantes für so viel Epos. Auch ist das alles nicht eindeutig zuzuordnen, genretechnisch, anfangs schon gar nicht, bewegt sich im guten Sinne zwischen allen Stühlen und ist obendrein gelungen geschrieben, sprachlich, ganz eigener Humor, auch die Informationsvergabe, das kann auch nicht jeder, nichts vergessen, alles fein. Kurz gesagt, der Roman hat alles. Und weil er eben alles hat, hat er auch eine Inzestgeschichte. Weiterlesen »

Die Windmühlen: Das hat gerade noch gefehlt

14. April 2009 | ausgedachtes

Betrachtet man die holde Frauenwelt vom durchaus sinnigen sexistischen Standpunkt, dass man sie eigentlich alle fein säuberlich in optische Qualitätskategorien von 1 bis 10 einsortieren kann, dann ist eines ganz und gar unwahrscheinlich: Die 10. Die Höchstnote in Sachen weiblicher Attraktivität, unmöglich zu erreichen, denn – schlicht und ergreifend – es gibt sie nicht. Kommt es aber vor, dass ein männliches Wesen auf ein weibliches trifft, das in dessen Verständnis der Welt, der Gerechtigkeit und allem anderen tatsächlich diesem utopischen Wert der 10 auch nur nahe kommt, dann sind vielerlei Wunder möglich. Ganze Räume, ja Turnhallen und Schwimmbäder, Horizonte und Parkanlagen beginnen hellauf zu leuchten. Und das nicht nur sprichwörtlich. Das männliche Wesen verliert jedwede Kontrolle über sich selbst, meist für ganze Sekunden scheint die Welt still zu stehen und alle Sorgen, Krisen und Konflikte verschwunden, keine Kriege mehr und keine schmelzenden Polkappen. Und wollte eben noch einer deprimiert vom Dach springen, so tut er dies nun mit Freude.

Als wäre dies allein nicht schon schlimm genug, potenziert sich dieser einfache, aber effektive Sachverhalt natürlich, wenn gleich mehrere Personen betroffen sind. So kommt es beispielsweise vereinzelt zu dem sonderbaren Phänomen, dass ein ganzer Raum von der Schönheit besagter Bestnoten-Frau erfasst wird und – sollten nicht alle Anwesenden umgehend in eine wimmernde Fötushaltung übergehen und dort bis in alle Ewigkeit verharren – wird man Zeuge des wohl unwahrscheinlichsten aller Naturphänomene überhaupt: Der ganze Raum der Betroffenen realisiert, was gerade vor sich ging. Sie haben die Schönheit dieser Welt gesehen und sogar erkannt, sozusagen Status der Seligkeit. Dass dies dann rein gar nichts mehr mit sexueller Anziehung zu tun hat, versteht sich von selbst. Mit dem Bewusstsein des Erkenntnis von perfekter Schönheit geht ein Prozess einher, der über allem Fleischlichen steht: Niemand ist verknallt oder verliebt oder verschossen, im ganzen Raum kein einziger sabbernder Starrer. Nein, bei der Begegnung mit einer kurz-vor-utopisch schönen Frau setzt eine absolute Gewissheit im Unterbewusstsein des Betroffenen ein, und zwar eine Gewissheit, wie sie nur bei der Begegnung mit kurz-vor-utopisch schönen Frauen eintritt, die es ihm verbietet, dieser Perfektion zu verfallen. Dies, und das kann man guten Gewissens behaupten, ist die wohl intelligenteste Selbstschutzmaßnahme des menschlichen, hier männlichen Körpers. Würde das männliche Wesen dieser weiblichen Perfektion nämlich doch verfallen, dieser kurz-vor-10, nicht auszudenken. Apokalypse, Polkappen, das Ende der Welt und des Universums, all das und nochmal von vorn. Demzufolge fühlt sich der Betroffene nicht einmal ansatzweise zu diesem Wesen hingezogen, mit ihr reden möchte er schon gar nicht. Der Betroffene möchte nichts tun, was diese Perfektion auch nur im Ansatz gefährden könnte. Er möchte einfach nur einen Moment inne halten, Gott für diese Schönheit danken und noch einmal hinschauen.

Nun aber, man muss es leider sagen, kommt es manchmal vor, dass diese Selbstschutzautomatismen bei diversen Betroffenen gestört sind und aus irgendeinem Grund nicht oder nicht richtig funktionieren. Oder aber, diese Mechanismen werden bewusst ignoriert, weil was im Film funktioniert, das funktioniert auch im echten Leben. Aber dann natürlich Pustekuchen. So kommt es vereinzelt vor, dass sich ein Betroffener eben doch mal in die Schönheit verknallt, verliebt, mit Haut, Haaren und allem drum und dran, binnen Sekundenbruchteilen. Riskant, zweifellos, droht dem Betroffenen bei Nichterfüllung oder Nichterwiderung seiner jüngst geborenen Wünsche und Träume doch lebenslanges Unglück. Hölle auf Erden, lebenslange Verdammnis, ein Sommer ohne Erdbeereis. Qualen physischer aber vor allem psychischer Art, die Worte kaum zu beschreiben vermögen. Sollte dies einem Menschen passieren, so unwahrscheinlich es auch ist, dann kann man ihn gut und gerne einen Dummkopf nennen.

Und während sie so langfuhren, in dem uraltem Jaguar über die einsamen Straßen ländlicher Gegenden, von deren Ortschaften sie noch nie gehört hatten, wurde Herrn Vogel eines schmerzlich bewusst: Er selbst war ein solcher Dummkopf. Hans, ihr Chauffeur und ausgewiesener Frauenkenner, der hatte es kapiert, von Anfang an. In dem Moment, als die schwarzhaarige Schönheit ganz in rot ihnen beiden die Wohnungstür öffnete, hatte er Gott gedankt und stillschweigend dessen Präsenz genossen. Doch Herr Vogel hatte dies nicht zustande gebracht. Er war zu schwach, oder zu dumm. Er war das Opfer dieses seltenen Phänomens, dieses furchtbaren Umstandes, sich in die Perfektion verliebt zu haben. Sie hieß Anna. Und sie saß auf dem Rücksitz.

ding

Zum Auftakt des Ausgedachten ein Abschluss: was noch fehlte von den ersten Fassungen der Windmühlen. Damit wäre das Fragment dann vollständig.

Sozusagen ein filmwissenschaftliches Manifest

13. April 2009 | was über filme

„Filme sind zum Anschauen da und nicht zum Analysieren. Wären sie dazu gedacht, als Ausgangspunkt für theoretisches Geschwätz zu dienen, wären sie schließlich Bücher und keine Filme.“

Allein der Versuch einen Film zu analysieren, würde letztendlich nur zu Enttäuschungen führen. Man wäre gezwungen, den Film als solchen als Untersuchungsgegenstand zu betrachten, ihn entsprechend mit wissenschaftlichen Fragestellungen zu konfrontieren und ihn folglich systematisch zu untersuchen. Man müsste den Film womöglich einer anstrengenden Aufgliederung unterziehen, zwischen diversen Teilbereichen unterscheiden, diese dann strukturieren und getrennt von einander wie auch in Verbindung miteinander betrachten. Man müsste nahezu sezierend tätig werden und hiernach auswerten, gegebenenfalls Wertigkeiten finden und letztlich den Film in Kontexte setzen. Unter Umständen müsste man sogar erst Kontexte schaffen, in den man den Film betten könnte – schlimmstenfalls in Anlehnung an andere Disziplinen, deren Vergleich mit dem Film ihnen gänzlich unwürdig wäre. Man müsste Worte und Bezeichnungen aus der Luft greifen, letztlich eine eigene Sprache der Filmanalyse erdenken, manches übersetzen, was wohl unweigerlich zu unterschiedlichen Auffassungen führen und womöglich diesbezüglich geteilte Lager oder gar unterschiedliche Schulen vorbringen würde. Die bemühte Konsequenz einer analytischen Tätigkeit wie dieser wäre nicht mehr als eine instabile, überaus schwammige theoretische Grundlage; der Graus einer Filmtheorie.

Und bei dieser Filmtheorie, die natürlich keineswegs eine einheitliche wäre, würde das Dilemma erst beginnen. Man würde anhand genannter Analysepraxis – deren Methoden man ohnehin schon unpassenderweise fremder wissenschaftlicher Disziplinen entlehnt hätte – versuchen wollen, die Funktionsweisen eines Films nachzuvollziehen. Man würde glauben, ein Film müsse verstanden werden. Ausgehend von unterschiedlichen Blickwinkeln würde man auch den Versuch anstellen, Filme auf verschiedene Arten zu begreifen – und beruhend hierauf gar zu interpretieren. Früher oder später würde man dem Irrglauben erliegen, diverse Lesarten gefunden zu haben und einen Regisseur womöglich mit einem Autoren gleichsetzen. Letzten Endes würden diese und andere Anmaßungen nur in theoretischem Geschwätz resultieren, bildlich gesprochen schlicht dem Bau von Luftschlössern dienen. Schließlich würde jemand auf die Idee kommen, Film als Kunstform zu verstehen, entsprechend weiter zu deuten und gründend auf diesen Theorien auch noch glauben, dies alles hätte Einfluss auf die Produktion zukünftiger Filme und wäre womöglich sogar von historischer Bedeutung.

Es zeigt sich also: Wenn man Filme analysiert, dann baut man nicht nur Luftschlösser. Man beginnt obendrein, in diesen auch noch Gespenster zu sehen.

ding

Scheint mir ein guter Beitrag, dieses Blog und die Filmkategorie einzuweihen. Eine alte Hausübung für ein Seminar, an deren Ende auch der Satz stehen könnte: Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil.

Der erste Eintrag

13. April 2009 | notizen

Zum Auftakt ein wenig Pathos: zurück auf der Straße! Notizen, Literarisches, Texte über Filme – herrvogel.net ab sofort das neue Zuhause

Manchmal, wenn ich so allein unterwegs bin, zum Beispiel auf der kombinierten Auto-Flug-Busreise von Bitburg nach Wien, dann fallen mir immer so schöne Sätze ein. Beobachtungen und Ideen und ich denke: kleine Wahrheiten über mich selbst, und natürlich sind sie’s dann nicht. Aber von denen wünschte ich mir, sie wären Teil von was Größerem. Ein Buch vielleicht, weil ein Buch möchte ja jeder mal schreiben. Ein neues Blog vielleicht, weil man möchte den Ideen und Texten ein Zuhause geben und oft weiß man nicht, wo das sein soll. Und überhaupt, wenn ich so unterwegs bin, dann glaube ich, dass allein das schon was wert ist: unterwegs zu sein. Doch hier jedenfalls, dieses neue Blog, ist erstmal das neue Zuhause. Eine Sammlung unterschiedlicher Texte, in der auch verzeichnet werden soll, was nicht für’s Internet geschrieben wurde: filmwissenschaftliche Texte, journalistische und auch die aus der literarischen Ecke.

Und, wie es sich für einen ersten Beitrag gehört: ein herzliches Dankeschön an den Herrn Programmierer und WordPress-Magier erster Güte Ansgar Jonietz, der jede Kleinigkeit bezüglich Design, Layout und Software mit perfektionistischer Engelsgeduld in die webzwonullfähige Tat umsetzte. Dafür vielmals bedankt!

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