RSS-Feed twitter facebook flickr xing

Archive for Mai, 2009

Eine Anspielung, die gar nicht da ist

27. Mai 2009 | notizen

Ich glaube, Chuck Klosterman zu lesen heißt, nie alles zu verstehen. Es ist unmöglich, dass alle diese Zitate, Anspielungen, Referrenzen und Huldigungen beim Lesenden ankommen, wenn der Autor der größte Nerd auf diesem Planeten ist. Klosterman zu lesen ist in etwa so, wie einen Tarantino-Film zu gucken. Kill Bill zum Beispiel, das ist immer auch ein bißchen mehr als nur Zitatesuchen.

Dazed And Confused - Criterion Collection / Chuck Klosterman - Downtown Owl / Foto: C.S.

Und wenn Klosterman in „Downtowl Owl“ schreibt, dass eine seiner Figuren die Band „The Death Leopards“ hört, dann bedeutet das etwas. Also mehr natürlich als die Tatsache, dass jene Figur diese Band hört – obwohl es prinzipiell natürlich immer wichtig ist, welche Figur welche Musik hört. Hier aber schreibt Klosterman aus der Perspektive von Mitch, einem der drei Hauptfiguren des Romans, und ein Freund von eben jenem hört die „Death Leopards“. Zumindest denkt Mitch, dass die Band so heißt. Mit ziemlicher Sicherheit aber hört sein Kumpel nicht „The Death Leopards“, sondern schlicht Def Leppard. Denn 1) ist das so offensichtlich, dass ich mich gerade ein bißchen schäme, das hier als große Enthüllung zu präsentieren und 2) spielt die Handlung in den 80ern, da wurde Def Leppard (zumindest laut Wikipedia) noch von irgendwem gehört. Jedenfalls, man kann davon ausgehen, dass Mitch die Lieblingsband seines Freundes nur vom Hörensagen kennt. Die Band trägt vordergründig zur Charakterisierung des besagten Freundes bei, im Grunde aber noch wesentlich gezielter zu der von Mitch. Aus der falschen Weitergabe des Bandnamens („The Death Leopards“) könnte man also schlussfolgern – zusammen mit einigen anderen Aussagen – dass Mitch sich praktisch nicht für Musik interessiert. Eine halbversteckte Aussage, die noch geradeso unter meine Musikkenntnisse fällt, praktisch aber schon Nerdwissen ist und der Roman ohnehin ein wenig Vorwissen verlangende Popliteratur. Zumindest was die Zitatesuche angeht, wie immer schon. Weiterlesen »

„Doch ich weiß tief in meinem Inneren, will ich auch gar nicht anders sein“

24. Mai 2009 | notizen

Es gibt neues aus dem NilsTrotzVogel-Kosmos! Genauer gesagt: Nils, ein Drittel unserer literarischen Rockband und der adrette junge Herr auf dem Foto oben, hat dieser Tage seine neue CD veröffentlicht: die wundervolle „Viel zu früh und immer wieder“ (FRW records).  Reinhören und weitersagen! Und wie es sich gehört in gepflegten Musikerkreisen, wurde vergangenen Freitag eine gediegene Release-Sause veranstaltet. Der Trotz und ich, verkleidet als Konzertfotografen, waren dabei: Unterwegs nach Mödling – Road Trip!

Die Epstein Fragmente #2

20. Mai 2009 | ausgedachtes

So ein Blödsinn, sagte er und meinte das eigentlich gar nicht so. Sie sagte, es ginge doch sowieso nur um Sex. Typisch Mann, sagte sie, von was anderem könnt und wollt ihr alle nicht schreiben.

Er sagte, so stimme das ja auch wieder nicht und versuchte, ihr nicht allzu auffällig aufs Dekolleté zu schauen. Epstein fühlte sich ertappt von den Frauen und vom Frühling und verlor langsam den Glauben an seine selbstauferlegte Vorbestimmung, ein Autor zu werden. Im Grunde aber hörte er einfach nur auf, an rote Kleider zu glauben.


null

Bisherige Fragmente: #1

Das rote Kleid (Fragmente für die Welt! #1)

12. Mai 2009 | ausgedachtes

Ein Augenaufschlag genügte, um ihm das Gehirn gleich zwei Etagen tiefer zu legen. Anfangs fragte er sich gar nicht, warum sich diese Frau, ja, diese wahre Dame so kam sie ihm vor, in einem fast leeren Überlandbus ausgerechnet ihm gegenüber setzte, es wären ja genug andere Plätze frei gewesen. Mit dem Gehirn in der Hose aber, da hält auch er sich schonmal für einen kleinen Don Juan, einen Begehrten, der die Chance nur ahnen muss, um sie zu nutzen. Hätte er die Gedanken ein bißchen fokussieren und übereinandergeschlagene Beine ignorieren können, seien sie noch so makellos und schlank und eingerahmt von feinstem Stoff, dann wäre ihm vielleicht die Skepsis gekommen. Nicht nur, warum diese Dame sich ausgerechnet neben ihn setzte. Vielleicht wäre ihm die ganze Szene komisch vorgekommen, mit rotem Kleid im Bus für Weitgereiste. Denn Weitgereiste haben immer viel Gepäck, tragen alles mit sich rum, einen Koffer vielleicht, Rucksäcke und Taschen und die liegen dann im Bus neben einem und warten drauf, dass man sie nach der Busfahrt wieder durch die Gegend trägt. Die Dame in rot allerdings, die trug nur eine kleine Handtasche mit sich, daraufgestickt eine kleine Rose. Und die fiel ihm auch nur auf, weil die Dame aus dieser Tasche einen kleinen Spiegel zog, sich kurz darin betrachtete und den Spiegel mit gekonnten Handgriffen wieder zuklappte und in einer perfekt choreografierten Bewegung verstaute. Gekonnt, dachte er sich da, alles was sie tut, das wirkt gekonnt und so elegant und anmutig. Es passte ins Bild, im Kleinen machte es alles Sinn. Diese Frau, wie sie sich gab, das machte Sinn. Aber der große Kontext, dass ihr Erscheinen am Sitz gegenüber eben überhaupt nicht ins Bild passte, das sah er nicht. Wie denn auch, wenn sich die Gedanken über das Kleid eigentlich immer nur auf das Darunter konzentrieren.

In einer weiteren ihrer perfekten Bewegungen drehte die Dame dann den Kopf, wandte sich ihm zu und sagte Guten Morgen, als würden sie sich seit zehn Jahren kennen. Gegrüßt wie ein alter Bekannter wünschte er ebenfalls einen Guten Morgen und dachte sich, wie wundervoll die Dame diese schlankschönen, scheinbar niemals in Füße mündenden Beine vor diesem Bussitz unterbrachte. Jeder weiß ja wie eng solche Busse heutzutage sind, auch dazu hätte man sagen können: elegant verstaut. Und schon wieder begann er nachzudenken. Darüber, wie er dieses Guten Morgen gerade gesagt hatte, welchen Unterton er dem Gruß verpasst hatte und ob überhaupt. Er hoffte natürlich, es klang nach einem charmanten Nett, ihre Bekanntschaft zu machen meine Gnädigste. Weil in Österreich, das fand er so toll, da gibt es sie noch, die förmlichen respektvollen Anreden wie sonst nur in alten Filmen. Doch mit einer gewissen Berechtigung fürchtete er, sein Guten Morgen klang weniger nach Meine Gnädigste und mehr nach Zu mir oder zu Dir?

ding

Aus den unfertigen Abenteuern eines gewissen Herrn Epstein. Er trägt Hüte und zu kleine Anzüge, reist aber sehr gerne; um mal wieder das Ausgedachte zu bedienen.

Twitter-Updates:

Twitter Updates

    die epstein fragmente
    Stichworte:
    Manifestlich:
    I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.