Ich glaube, Chuck Klosterman zu lesen heißt, nie alles zu verstehen. Es ist unmöglich, dass alle diese Zitate, Anspielungen, Referrenzen und Huldigungen beim Lesenden ankommen, wenn der Autor der größte Nerd auf diesem Planeten ist. Klosterman zu lesen ist in etwa so, wie einen Tarantino-Film zu gucken. Kill Bill zum Beispiel, das ist immer auch ein bißchen mehr als nur Zitatesuchen.

Und wenn Klosterman in „Downtowl Owl“ schreibt, dass eine seiner Figuren die Band „The Death Leopards“ hört, dann bedeutet das etwas. Also mehr natürlich als die Tatsache, dass jene Figur diese Band hört – obwohl es prinzipiell natürlich immer wichtig ist, welche Figur welche Musik hört. Hier aber schreibt Klosterman aus der Perspektive von Mitch, einem der drei Hauptfiguren des Romans, und ein Freund von eben jenem hört die „Death Leopards“. Zumindest denkt Mitch, dass die Band so heißt. Mit ziemlicher Sicherheit aber hört sein Kumpel nicht „The Death Leopards“, sondern schlicht Def Leppard. Denn 1) ist das so offensichtlich, dass ich mich gerade ein bißchen schäme, das hier als große Enthüllung zu präsentieren und 2) spielt die Handlung in den 80ern, da wurde Def Leppard (zumindest laut Wikipedia) noch von irgendwem gehört. Jedenfalls, man kann davon ausgehen, dass Mitch die Lieblingsband seines Freundes nur vom Hörensagen kennt. Die Band trägt vordergründig zur Charakterisierung des besagten Freundes bei, im Grunde aber noch wesentlich gezielter zu der von Mitch. Aus der falschen Weitergabe des Bandnamens („The Death Leopards“) könnte man also schlussfolgern – zusammen mit einigen anderen Aussagen – dass Mitch sich praktisch nicht für Musik interessiert. Eine halbversteckte Aussage, die noch geradeso unter meine Musikkenntnisse fällt, praktisch aber schon Nerdwissen ist und der Roman ohnehin ein wenig Vorwissen verlangende Popliteratur. Zumindest was die Zitatesuche angeht, wie immer schon. Weiterlesen »








