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Archive for Juni, 2009

#2 – Ich sing dir ein Lied von Marilyn Monroe

29. Juni 2009 | notizen

„Jetzt klicken wir hier, dann kommen wir dort hin“, sagte der Herr Junior- professor so oder so ähnlich via Audiostream, welcher dankenswerterweise bereitgestellt wurde, um der Vorlesung auch bequem von der heimischen Couch beizuwohnen. Nur dass ich beim Besuch des dort besprochenen virtuellen Museums zwar den Anweisungen folgend immer „hier“ klickte, aber nie „dort“ landete, sondern immer bei einem Nacktfoto von Marilyn Monroe.

Bene. Mediale Desorientierung, aber nur kurzeitig. Es folgte der Abschluss einer hörenswerten Veranstaltung mit durchaus vorhandenen Showqualitäten, fehlte nur der Gesang. Heute morgen nun die Klausur, keine unwichtige noch dazu, denn letzte reguläre Prüfung und noch einmal mit Gefühl, man kennt das. Ein kleiner, feiner Moment der Freiheit, der nur dadurch etwas ausgebremst wird, dass der wirklichen Freiheit noch diese Kleinigkeit namens Diplomarbeit im Weg steht. Doch eins nach dem anderen, erst krabbeln, dann gehen, dann laufen. Mittendrein, und das muss auch mal sein, Zeit für Reflexion, die Füße hochlegen, Filme nur des Vergnügens wegen schauen und kurz urlauben. Als erste Amtshandlung der jüngst installierten Freizeitregierung (Wahlmotto: Spaß! Spaß! Spaß!) werde ich dieses wunderbare Browsergame in Angriff nehmen, wo man einen kleinen Affen spielt, der mit Dartpfeilen auf Luftballons schießt. Danach werde ich mir Marilyn Monroe anschauen, in der Rolle ihres Lebens als wegretuschierte Tätowierung auf dem Unterarm von Megan Fox in Transformers – Revenge of the Fallen.

Und in drei Wochen bin ich zurück in der heimatlichen Bierstadt, sitze am See oder am Schreibtisch, ordne die Texte zur Diplomarbeit, feiere freudiges Wiedersehen. Und die Frau und ich, wir werden abends auf Terassen sitzen, importiertes Ottakringer trinken und die Zukunft planen. Ottakringer nach Bitburg zu tragen ist zwar wie Holz in den Wald, natürlich, aber eines der Dinge, die ich gern behalten will. Life is good.

#1 – Ledertasche schreibt Diplomarbeit

26. Juni 2009 | notizen

Es begann alles damit, dass ich über Richard Linklater schreiben wollte.

So jedenfalls sollte diese Textreihe, die im Übrigen erst ab Juli geplant war, ursprünglich beginnen. Doch wie meine Diplomarbeit über Richard Linklater nie zu Stande kam, so kam es auch, dass ich heute stundenlang mit vom Juniregenscheißwetter nassen Socken an verschiedenen Wiener Institut(ion)en rumsaß, sprich: es kam anders als geplant. Weiterlesen »

2. Teil der Essayreihe zum Blockbusterkino im Celluloid-Filmmagazin!

22. Juni 2009 | was über filme

Celluloid Filmmagazin - Essayreihe zum Blockbusterkino

Es folgt bescheidene Eigenwerbung für glorreiche Erzeugnisse persönlicher Schreibarbeit! Im kürzlich erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der zweite Teil meiner Essayreihe „Neue Wege im Blockbusterkino“ abgedruckt. Nach dem einleitendem ersten Teil über Peter Jacksons King Kong ist das Thema diesmal: Megan Fox‘ Körper Michael Bays Transformers und die Rolle der Frau als filmische Attraktion. Freundlicherweise war man seitens Chefredaktion bereit, meine These mit entsprechendem Bildmaterial zu unterstützen.

Zu haben ist Celluloid Nr. 4/2009 ab sofort gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos. (Ich werde nicht müde, diese Formulierung cool zu finden)

Herr Klosterman, es tut mir leid. Über Chuck Klostermans „Downtown Owl“

20. Juni 2009 | notizen

Chuck Klosterman - Downtown Owl - Scribner 2008 / Foto: C.S.

„Downtown Owl“ ist ein Roman. Dies scheint nicht unwichtig zu erwähnen, weder für diese Rezension, noch für Chuck Klosterman. Denn auf die Textgattung und ihren rein fiktionalen Charakter hinzuweisen – was auf den Roman-eröffnenden Seiten gleich mehrfach geschieht – ist zweifellos von Nöten, wenn der Autor bislang einzig durch die niedergeschriebene Inszenierung der eigenen Person in Erscheinung getreten ist. Klosterman, Journalist und Essayist und mein persönlicher Held, veröffentlichte bisher vorwiegend nichtfiktionale, meist autobiographische Textsammlungen („Sex, Drugs and Cocoa Puffs“) oder Memoiren („Fargo Rock City“), welche ihm den Ruf des ultimativen Nerds und Experten für US-Popkultur einbrachten. „Downtown Owl“ ist seine fünfte Buchveröffentlichung in acht Jahren und – wie mittlerweile klar sein sollte – sein erster Roman. Weiterlesen »

Die Epstein Fragmente #3

19. Juni 2009 | ausgedachtes

Blaue Haare. Epstein hatte nie verstanden, warum sich Menschen die Haare färben – erst recht in grellbunten Farben wie grün oder blau. Die dicke Kroatin allerdings, mit der er gerade im Fahrstuhl seines angestammten Wiener Kaffeehauses feststeckte, schien mit blauen Haaren geboren worden zu sein. Es passte zu ihr, diese Haare mussten einfach blau sein.
„Ihr Anzug ist zu klein“, sagte die dicke Kroatin.
„Ihre Haare sind zu blau“, sagte Epstein.
Vom ersten Augenblick an. Man kann nicht behaupten, sie hätten sich nicht gern gehabt.


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Bisherige Fragmente: #1 / #2

Das Soldatengrammofonbuch

05. Juni 2009 | notizen

Was er macht: Er erzählt von Kindheit. Er erzählt vom Krieg. Vom Krieg zu einer Zeit, als ich auch Kind war. Wenn auch ein paar Jahre jünger, aber gerade damals: was im Fernsehen ist, das ist weit weg. Selbst heute weiß ich fast gar nichts über diesen Krieg, diesen Fluss, diese Stadt, und ich frage mich warum. Ich kenne die Namen nicht. Ich kannte nichtmal diesen Roman. Er erzählt vom Erinnern, von den kleinen und den großen Geschichten. Ich ringe mit den ersten Seiten, wie ich immer mit ersten Seiten ringe, merke erst viel später, dass ich eigentlich schon lange drin bin, in der Geschichte, sie mitlenken will, aber erst ganz spät geht es dahin, wo man eigentlich hin wollte: von da weg und dorthin zurück. Und wieder geht es um Krieg, um Heimat, allen voran ums Erwachsenwerden. Und ums Zaubern. Jetzt ist das Buch gelesen und ich fange nochmal von vorne an. Und wenn es im Regal steht, dann weit vorne.

Der Autor ist Saša Stanišić, das Buch heißt „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ und ich bin mal wieder der letzte, der irgendwas mitkriegt. (Mit Dank an Lu für die Empfehlung!)

Lieben, hassen, einschlafen: Slacker

01. Juni 2009 | was über filme

Richard Linklater begann mit den Dreharbeiten zu Slacker im Jahr 1989, und es sollte gut zwei Jahre dauern bis der Film nach kleineren Festivalgastspielen veröffentlicht wurde. Vor Slacker hatte Linklater lediglich einen Kurzfilm über ein lokales Musikfestival in Austin gedreht (Woodshock, 1985), und 1988 quasi im Alleingang seinen ersten Film im Spielfilmlänge verwirklicht: It’s Impossible to Learn to Plow by Reading Books.


(Slacker / The Criterion Collection)

Slacker war Linklaters erste professionelle Filmproduktion – mit einem Budget von 23.000 US-Dollar und einer zehnköpfigen Crew am Set. Auch war Slacker Linklaters erste Zusammenarbeit mit Kameramann Lee Daniel, seinem WG-Mitbewohner und Kollegen der Austin Film Society. Weiterlesen »

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