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#1 – Ledertasche schreibt Diplomarbeit

26. Juni 2009

Es begann alles damit, dass ich über Richard Linklater schreiben wollte.

So jedenfalls sollte diese Textreihe, die im Übrigen erst ab Juli geplant war, ursprünglich beginnen. Doch wie meine Diplomarbeit über Richard Linklater nie zu Stande kam, so kam es auch, dass ich heute stundenlang mit vom Juniregenscheißwetter nassen Socken an verschiedenen Wiener Institut(ion)en rumsaß, sprich: es kam anders als geplant. Ein wenig ziellos wanderte ich vorher durch die mit Schirmträgern überfluteten Straßen und verdaute kleine, eingesteckte Niederlagen, die natürlich keine wirklichen Niederlagen waren, sondern nur hilfreiches Realtitätsdings, was meine subjektive Wahrnehmung aber (eh klar) als persönlichen Fehlschlag einstufte. Was selbstverständlich rein gar nichts besser macht. Dies gesagt, muss dieses Tagebuch auf andere Weise eröffnet werden. Nicht mit schönen Worten über die nie geschriebene Linklater-Arbeit oder mit Wissenswertem über mein tatsächliches, aktuelles Thema. Auch nicht über die Unibürokratien, denn so notwendig und kleinkariert diese sind, so langweilig und uninteressant ist das Schreiben darüber. Nein, dieses Tagebuch beginnt anders: und zwar mit der Selbstinszenierung eines persönlichen Fehlschlags, der dem Nassesockentag dann engültig den Rest gab. Denn während ich so mit der ersten Fuhre Diplomarbeitsliteratur unterm Arm an der Haltestelle stand, also fraglos intelligent aussah, da kam eine gutaussehende Frau auf mich zu, noch keine dreißig und mit rotbraunen Locken, und lächelt mich an. Innerlich bereite ich mich schon darauf vor, eine vielleicht nicht tages- aber zumindest egorettende Einladung zum KaffeeTeeGeschlechtsverkehr mit dem Hinweis auf den Ring an meinem Finger abzulehnen. Doch Nein, nicht notwendig, sie fragt mit interessiertem wie fachkundigen Blick, wo ich denn bitte – Achtung: Fehlschlag folgt! – diese schöne Ledertasche gekauft hätte, sie würde genau so eine schon überall suchen, aber nirgends finden.

Stille.

Ich also schulterte meine Frauentasche mit dem bißchen Stolz, der einem noch bleibt, nachdem man einer wildfremden Frau Auskunft über Taschen gab, und stieg in die Straßenbahn. Es begann also alles damit, dass ich zum vom Pferd geschossenen Indianer wurde und der Ouvertüre meines eigentlich erst für Juli geplanten Diplomarbeitstagebuchs einen Titel gab, auf den Karl May nie gekommen wäre.

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5 Responses to “#1 – Ledertasche schreibt Diplomarbeit”

  1. herr_guru sagt:

    Herrlich! =)

  2. Nils sagt:

    vermutlich glaubt man erst (wieder) an eine Einladung zum KaffeeTeeGeschlechtsverkehr wenn man angefangen hat diplomarbeit zu schreiben.

  3. vogel sagt:

    @Nils
    weil man dann endgültig anfängt, den Sinne für Realität zu verlieren? gut möglich!

    @guru
    wie hab ich irgendwo gelesen: Anfänge sind leicht!

    :-)
    -> Smilie für die Welt, weil heute Freitag ist.

  4. HerrDominik sagt:

    fehlt bei „rotbrauen Locken“ ein N oder is das so gewollt?

  5. vogel sagt:

    N ergänzt, bedankt.

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