Filme von Michael Bay und Hip Hop von 50 Cent haben eine große Gemeinsamkeit: Es ist nahezu unmöglich, sie gegen die Kritik zu verteidigen. Doch was sich mit eingängigen Beats und netten Melodien, kurzweiliger Unterhaltung und Geschmacksfragen herbei argumentieren lässt, bekommt in Sachen Endprodukt jedoch ein echtes Problem, wenn die schönen Oberflächen rissig werden und keine Substanz da ist, um Vergeigtes abzupuffern. So geschehen bei 50 Cents letztem Album, so geschehen nun auch bei Michael Bays aktuellem Blockbuster Transformers – Revenge of the Fallen.

(Transformers – Die Rache / Bild von MovieGod.de)
Der zweite Transformers ist die klassische Fortsetzung, sprich: es gibt mehr von allem, was man für den Erfolg des ersten Teils verantwortlich hielt. Also mehr Roboteraction, mehr Gags, mehr Megan Fox. Wie wenig das Rezept jedoch diesmal aufgeht, lässt sich in den negativen Kritiken praktisch weltweit nachlesen. Doch warum das alles nicht (mehr) zusammenpasst – im Übrigen eine Frage, die auch Läscher Lorenzen und Flexo Dencker beschäftigt – liegt möglicherweise am furchtbar einseitgen Verhältnis von Attraktion und Narration. Hat der erste Teil schon wenig figuren- oder handlungsbezogene Substanz geboten – nicht zuletzt reden wir hier von einer Spielzeug-Verfilmung – lieferte der Film immer noch ein klares wie simples narratives Grundgerüst, das nur eine Aufgabe hatte: die Richtung vorgeben und dadurch die visuellen Attraktionen effektiv vorbereiten.
Und genau das passiert im zweiten Transformers nicht mehr. Zu konfus wirken die peinliche Alien-Mythologie und sämtliche der gezogenen Drehbuchregister, die in erster Linie von der Tatsache ablenken wollen, dass Transformers dieselbe Geschichte ein zweites Mal erzählt – inklusive dem einfallslosen MacGuffin. Letztlich versucht Bay erst gar nicht, über die Narration zur Attraktion zu finden, sondern kehrt das Prinzip um, will über die Attraktion eine (Quasi-)Narration entwerfen – was vorne wie hinten nicht funktioniert. Der neue Transformers ist pures Plastik, so fake und zurechtoperiert wie die stets in Zeitlupe präsentierten Schönheitsideale. Alles bleibt gehetzte Oberfläche, weshalb das Versäumte hier wesentlich negativer auffällt als noch im ersten Teil. Auch die Übersicht geht durch die nichtmal halb etablierten Situationen immer wieder verloren – da stößt irgendwann auch der Grundsatz „Die bunten Roboter sind die Guten“ an seine Grenzen.
Was dann die Art der Attraktionen selbst angeht, darüber wurde schon genügend geschrieben. Die immergleiche Action, die selten originellen Pointen, die an Diskriminierung grenzenden Rollenmodelle der Frauen und Afro-Amerikaner – das ist alles nicht das Blockbusterkino, das es 2009 noch geben sollte. Um an dieser Stelle den Kreis zu 50 Cent zu schließen, der nämlich hat die Essenz von Transformers schon vor Jahren auf den Punkt gebracht – Gunshots im Hintergrund dazugedacht: „I got no pick-up lines, I stay on the grind, I tell the hoes all the time: Bitch get in my car.“ (aus „Get In My Car“, 2005)
Tags: blockbuster







Und trotz allem bin ich nach wie vor geneigt mir dieses Stück Krawallkino zu Gemüte zu führen. Bin ich masochistisch veranlagt?
Nachvollziehbar – habs ja auch selbst rausfinden wollen und behaupte noch immer, was Blockbusterkino angeht recht schmerzfrei zu sein. Aber das da hat selbst bei niedrig angesetzten Erwartungen rein unterhaltungsmäßig nicht wirklich funktioniert.
Aber meine Erwartungen SIND niedrig! *heul*