„Und was bist du dann nach deinem Studium?“ ist so eine Frage, die ich prinzipiell nur noch mit „Raketenwissenschaftler“ beantworte. Oder richtiger: beantworten würde. Wenn ich denn cool wäre.
Stattdessen ringe ich. Studiert man Theater-, Film- und Medienwissenschaft, muss man vom ersten bis zum letzten Semester klarstellen, dass diese Ausbildung nichts mit Regieführen und Schauspielen zu tun hat – und man selbst in Zukunft entsprechend wenige bis garkeine Oscars gewinnen wird. Ich sage dann immer: Wir sind die Theoretiker, die Regisseure und Schauspieler und Kameraleute die Praktiker. Was jedoch nicht heißt, dass Theoretiker nicht auch Praktiker sein könnten oder Praktiker Theoretiker. Da wird’s dann kompliziert. Ich sag dann immer: Ich bin kein Regisseur. Auch wenn ich damals beim Berufsberatungs-Schnelltest in der Schule meine Interessen soweit zurechtgelogen habe, dass unter den Top 3 meiner zukünftigen, für mich idealen Berufsbilder tatsächlich „Filmregisseur“ auftauchte (wie im Übrigen auch „Fischer“ und „Opernkomponist“).
Die Frau sagt dann immer, ich soll nicht so hart sein mit den Leuten. Und sie hat ja recht. Kein Mensch weiß, was genau Filmwissenschaft ist, und den meisten Leuten ist das dann natürlich entsprechend gleich. Und es fehlt ja die klare Linie: Studiert man Medizin, wird man Arzt. Studiert man Jura, wird man Anwalt. Studiert man Pharmazie, wird man Geisteskrank. Aber was wird man, wenn man Filmwissenschaft studiert hat? Ganz klar kein Regisseur. Doch unfair, finde ich. Bei Germanisten zum Beispiel, da fragt ja nie einer. Da heißt’s dann, was man später mal werden will und wie man sich das alles so vorstellt. Das klingt dann wesentlich positiver als bei uns, den obsukuren Filmheinis. Bei Germanistik, da weiß jeder: den Guten stehen die Toren zur Welt offen und den Schlechten die zum Arbeitsamt. Bei uns ist das praktisch genauso, sag ich dann immer. Die Frau meint, ich soll nicht so gemein sein zu den Leuten, sie habe auch nie so genau gewusst, was ich hier eigentlich mache. Ich nehme es ihr nicht übel, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie sich weigert, mein Blog zu lesen. Doch vorm Schlafengehen denk ich dann manchmal, ich wäre wohl besser Fischer oder Opernkomponist geworden, statt Regisseur.






