13. April 2010 | was über filme
Um das Bisherige zusammenzufassen: Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob die Wiedergabe einer objektiven Wirklichkeit im Film möglich ist, oder ob alles auf der Leinwand gänzlich subjektiv zu interpretieren ist, wurden diverse Positionen früher Filmtheoretiker besprochen. Ausgehend vom Boris Ejchenbaums Konzept der „inneren Rede des Zuschauers“ wurde versucht, einen Bogen von dessen Idee des filmischen „Sehen und Enträtselns“ zu Béla Balász‘ „sichtbarem Menschen“, Jean Epsteins „Photogénie“ und zum „filmischen Gegenstand“ von Jurij Tynjanov zu spannen, im Hinblick auf die Konstruktion des sogenannten „Nicht-Bildes“ als eine dem Bild übergeordnete Idee mit subjektivem Wirklichkeitsbezug.
Von der Montage zum filmischen Leben
Dies scheint der richtige Zeitpunkt, um vom Bild weg zu gehen und über die Montage der Bilder zu sprechen, die insbesondere bei den russischen Filmtheoretikern als das eigentlich Künstlerische des Films gesehen wird, vor allem in Bezug auf die Nutzung der filmischen Möglichkeiten. Um aber nicht sämtliche Montagetheorien im Hinblick auf das Nicht-Bild zu untersuchen, sei nur kurz auf Wsewolod Pudowkins Idee der Montage als schöpferischem Moment aufgegriffen. Er schreibt: Weiterlesen »
09. April 2010 | was über filme
„Sehen heißt idealisieren, abstrahieren und extrahieren,
lesen und auswählen, transformieren.“
–Jean Epstein
…
Auf der letzten Seite der aktuellen Ausgabe von „ZEIT WISSEN“ stellt Schriftsteller Paul Auster in der Rubrik Das will ich wissen die Frage, was genau im Gehirn geschieht, wenn man einen Roman liest. Es antworten eine Neurobiologin, eine Psychologin und Austers Frau, ebenfalls Schriftstellerin. Das zeigt recht deutlich, welche (nicht nur) wissenschaftliche Disziplinen Austers Frage beschäftigt. Und es ist eine Frage, die ohne weiteres auch auf das Medium Film übertragen werden kann: Was passiert im Zuschauer, wenn er oder sie einen Film sieht? Vor einem Jahr besuchte ich ein Uni-Seminar, welches sich im Großen und Ganzen mit eben dieser Frage beschäftigte – allerdings aus philosophischem Betrachtungswinkel heraus.
In dem Seminar wurde – das verriet schon in etwa der Titel „Theorie des Nicht-Bildes: Schweigen, Abseits und bildliche Stille als ästhetische Kategorien im Film“ – ein sogenanntes „Nicht-Bild“ als Gegensatz zum „Bild“ etabliert und entsprechende philosophische Arbeitsdefinitionen entwickelt. Nach diesen war ein „Bild“ durch einen objektiven Wirklichkeitsbezug charakterisiert, das objektgerichtet ist und auf eine objektive Erkenntnis zielt. Ein „Nicht-Bild“ war dagegen durch einen subjektiven Wirklichkeitsbezug charakterisiert und zielte demnach nicht mehr auf ein Objekt, sondern als Ganzes auf eine übergeordnete Idee. Weiterlesen »
12. Oktober 2009 | was über filme
Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat – ich weiß, es klingt komisch – Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (Dawn of the Dead, 300, Watchmen) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor Zuschauermägen zeigen. Snyders Kamera schaut dort hin, wo andere wegschauen würden. Zombies, Streitäxte, Frittenfett: Snyder zeigt, und entspricht damit einer (seiner!) Generation junger Regisseure, denen allgemein wenig daran gelegen ist, filmische Grausamkeiten nur in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen. Zu diversen Streitfällen dieser neuen Mainstream-Brutalität wie Saw, Hostel und Co. war auch der Vorwurf nicht weit, hier würden lediglich Gewaltpornos fabriziert. Doch wie immer man zu Gewalt auf der Leinwand steht, Snyders Filmen kann man durchaus zugute halten: Visuell sind sie allererste Güte.

(Watchmen – Die Wächter / Bild von MovieGod.de)
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16. September 2009 | was über filme
Das Beeindruckende an den unterschiedlichen Fassungen von Francis Lawrence‘ I Am Legend ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige Dramaturgie betrachtet, funktionieren. So arbeiten beide Filme selbstverständlich mit denselben Fixpunkten der Handlung, doch haben sie eine jeweils andere Bedeutung. Weiterlesen »
04. September 2009 | was über filme
Freudige Ankündigung: Wo es einen ersten und einen zweiten Teil gibt, da folgt dieser Tage nun ein dritter. Aktuelles Thema meiner Serie/Essayreihe zum modernen Blockbusterkino sind 3D-Effekte im narrativen Spielfilm (Coraline, Ice Age 3, Avatar) und ihr möglicher Einfluss auf die Ästhetik des Kinos.
Zu haben ist Celluloid Nr. 5/2009 ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa- Shops und in ausgewählten Programmkinos. Weitere Informationen auch auf der Website zum Magazin.
Eine Übersicht der bisher erschienenen Teile und aller weiteren Veröffentlichungen finden sich hier.
02. Juli 2009 | was über filme
Filme von Michael Bay und Hip Hop von 50 Cent haben eine große Gemeinsamkeit: Es ist nahezu unmöglich, sie gegen die Kritik zu verteidigen. Doch was sich mit eingängigen Beats und netten Melodien, kurzweiliger Unterhaltung und Geschmacksfragen herbei argumentieren lässt, bekommt in Sachen Endprodukt jedoch ein echtes Problem, wenn die schönen Oberflächen rissig werden und keine Substanz da ist, um Vergeigtes abzupuffern. So geschehen bei 50 Cents letztem Album, so geschehen nun auch bei Michael Bays aktuellem Blockbuster Transformers – Revenge of the Fallen.

(Transformers – Die Rache / Bild von MovieGod.de)
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22. Juni 2009 | was über filme

Es folgt bescheidene Eigenwerbung für glorreiche Erzeugnisse persönlicher Schreibarbeit! Im kürzlich erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der zweite Teil meiner Essayreihe „Neue Wege im Blockbusterkino“ abgedruckt. Nach dem einleitendem ersten Teil über Peter Jacksons King Kong ist das Thema diesmal: Megan Fox‘ Körper Michael Bays Transformers und die Rolle der Frau als filmische Attraktion. Freundlicherweise war man seitens Chefredaktion bereit, meine These mit entsprechendem Bildmaterial zu unterstützen.
Zu haben ist Celluloid Nr. 4/2009 ab sofort gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos. (Ich werde nicht müde, diese Formulierung cool zu finden)
01. Juni 2009 | was über filme
Richard Linklater begann mit den Dreharbeiten zu Slacker im Jahr 1989, und es sollte gut zwei Jahre dauern bis der Film nach kleineren Festivalgastspielen veröffentlicht wurde. Vor Slacker hatte Linklater lediglich einen Kurzfilm über ein lokales Musikfestival in Austin gedreht (Woodshock, 1985), und 1988 quasi im Alleingang seinen ersten Film im Spielfilmlänge verwirklicht: It’s Impossible to Learn to Plow by Reading Books.

(Slacker / The Criterion Collection)
Slacker war Linklaters erste professionelle Filmproduktion – mit einem Budget von 23.000 US-Dollar und einer zehnköpfigen Crew am Set. Auch war Slacker Linklaters erste Zusammenarbeit mit Kameramann Lee Daniel, seinem WG-Mitbewohner und Kollegen der Austin Film Society. Weiterlesen »