notizen
RSS-Feed twitter facebook flickr xing

#1 – Ledertasche schreibt Diplomarbeit

26. Juni 2009 | notizen

Es begann alles damit, dass ich über Richard Linklater schreiben wollte.

So jedenfalls sollte diese Textreihe, die im Übrigen erst ab Juli geplant war, ursprünglich beginnen. Doch wie meine Diplomarbeit über Richard Linklater nie zu Stande kam, so kam es auch, dass ich heute stundenlang mit vom Juniregenscheißwetter nassen Socken an verschiedenen Wiener Institut(ion)en rumsaß, sprich: es kam anders als geplant. Weiterlesen »

Herr Klosterman, es tut mir leid. Über Chuck Klostermans „Downtown Owl“

20. Juni 2009 | notizen

Chuck Klosterman - Downtown Owl - Scribner 2008 / Foto: C.S.

„Downtown Owl“ ist ein Roman. Dies scheint nicht unwichtig zu erwähnen, weder für diese Rezension, noch für Chuck Klosterman. Denn auf die Textgattung und ihren rein fiktionalen Charakter hinzuweisen – was auf den Roman-eröffnenden Seiten gleich mehrfach geschieht – ist zweifellos von Nöten, wenn der Autor bislang einzig durch die niedergeschriebene Inszenierung der eigenen Person in Erscheinung getreten ist. Klosterman, Journalist und Essayist und mein persönlicher Held, veröffentlichte bisher vorwiegend nichtfiktionale, meist autobiographische Textsammlungen („Sex, Drugs and Cocoa Puffs“) oder Memoiren („Fargo Rock City“), welche ihm den Ruf des ultimativen Nerds und Experten für US-Popkultur einbrachten. „Downtown Owl“ ist seine fünfte Buchveröffentlichung in acht Jahren und – wie mittlerweile klar sein sollte – sein erster Roman. Weiterlesen »

Das Soldatengrammofonbuch

05. Juni 2009 | notizen

Was er macht: Er erzählt von Kindheit. Er erzählt vom Krieg. Vom Krieg zu einer Zeit, als ich auch Kind war. Wenn auch ein paar Jahre jünger, aber gerade damals: was im Fernsehen ist, das ist weit weg. Selbst heute weiß ich fast gar nichts über diesen Krieg, diesen Fluss, diese Stadt, und ich frage mich warum. Ich kenne die Namen nicht. Ich kannte nichtmal diesen Roman. Er erzählt vom Erinnern, von den kleinen und den großen Geschichten. Ich ringe mit den ersten Seiten, wie ich immer mit ersten Seiten ringe, merke erst viel später, dass ich eigentlich schon lange drin bin, in der Geschichte, sie mitlenken will, aber erst ganz spät geht es dahin, wo man eigentlich hin wollte: von da weg und dorthin zurück. Und wieder geht es um Krieg, um Heimat, allen voran ums Erwachsenwerden. Und ums Zaubern. Jetzt ist das Buch gelesen und ich fange nochmal von vorne an. Und wenn es im Regal steht, dann weit vorne.

Der Autor ist Saša Stanišić, das Buch heißt „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ und ich bin mal wieder der letzte, der irgendwas mitkriegt. (Mit Dank an Lu für die Empfehlung!)

Eine Anspielung, die gar nicht da ist

27. Mai 2009 | notizen

Ich glaube, Chuck Klosterman zu lesen heißt, nie alles zu verstehen. Es ist unmöglich, dass alle diese Zitate, Anspielungen, Referrenzen und Huldigungen beim Lesenden ankommen, wenn der Autor der größte Nerd auf diesem Planeten ist. Klosterman zu lesen ist in etwa so, wie einen Tarantino-Film zu gucken. Kill Bill zum Beispiel, das ist immer auch ein bißchen mehr als nur Zitatesuchen.

Dazed And Confused - Criterion Collection / Chuck Klosterman - Downtown Owl / Foto: C.S.

Und wenn Klosterman in „Downtowl Owl“ schreibt, dass eine seiner Figuren die Band „The Death Leopards“ hört, dann bedeutet das etwas. Also mehr natürlich als die Tatsache, dass jene Figur diese Band hört – obwohl es prinzipiell natürlich immer wichtig ist, welche Figur welche Musik hört. Hier aber schreibt Klosterman aus der Perspektive von Mitch, einem der drei Hauptfiguren des Romans, und ein Freund von eben jenem hört die „Death Leopards“. Zumindest denkt Mitch, dass die Band so heißt. Mit ziemlicher Sicherheit aber hört sein Kumpel nicht „The Death Leopards“, sondern schlicht Def Leppard. Denn 1) ist das so offensichtlich, dass ich mich gerade ein bißchen schäme, das hier als große Enthüllung zu präsentieren und 2) spielt die Handlung in den 80ern, da wurde Def Leppard (zumindest laut Wikipedia) noch von irgendwem gehört. Jedenfalls, man kann davon ausgehen, dass Mitch die Lieblingsband seines Freundes nur vom Hörensagen kennt. Die Band trägt vordergründig zur Charakterisierung des besagten Freundes bei, im Grunde aber noch wesentlich gezielter zu der von Mitch. Aus der falschen Weitergabe des Bandnamens („The Death Leopards“) könnte man also schlussfolgern – zusammen mit einigen anderen Aussagen – dass Mitch sich praktisch nicht für Musik interessiert. Eine halbversteckte Aussage, die noch geradeso unter meine Musikkenntnisse fällt, praktisch aber schon Nerdwissen ist und der Roman ohnehin ein wenig Vorwissen verlangende Popliteratur. Zumindest was die Zitatesuche angeht, wie immer schon. Weiterlesen »

„Doch ich weiß tief in meinem Inneren, will ich auch gar nicht anders sein“

24. Mai 2009 | notizen

Es gibt neues aus dem NilsTrotzVogel-Kosmos! Genauer gesagt: Nils, ein Drittel unserer literarischen Rockband und der adrette junge Herr auf dem Foto oben, hat dieser Tage seine neue CD veröffentlicht: die wundervolle „Viel zu früh und immer wieder“ (FRW records).  Reinhören und weitersagen! Und wie es sich gehört in gepflegten Musikerkreisen, wurde vergangenen Freitag eine gediegene Release-Sause veranstaltet. Der Trotz und ich, verkleidet als Konzertfotografen, waren dabei: Unterwegs nach Mödling – Road Trip!

Jura Soyfer – Die Theaterstücke, erster Blick

29. April 2009 | notizen

Meine Damen und Herren! Wie aus einem Füllhorn – wie aus einem Füllhorn, oder um bildlich zu sprechen: Wie aus einem Füllhorn. Händeklatschen. Jawohl. Das astorische Füllhorn hat lauter getönt als das rohköstlerische Fagott. (Astoria)

Der typische Student der Wiener Theater-, Film- und Medienwissenschaft verbringt einen Großteil seines Studiums in nur zwei Hörsälen – einer davon ist der Jura-Soyfer-Saal in der Hofburg. Als mich Kollege Grundtner vor vier Jahren erkundungstechnisch durchs Institut führte, habe ich nur „Jura Säufer Saal“ verstanden und gelacht. Was weiß denn ich wer Jura Soyfer war? Und viel mehr als mal den Wikipedia-Artikel über Soyfer – wie auch über Joseph Schreyvogel, den Namenspatron des zweiten Institutshörsaals – durchzulesen, hab ich seitdem nicht fertig gebracht. Mit meinem Unwissen war und bin ich aber nicht allein, wie man so hört. Obwohl Soyfers Texte in zig Sprachen übersetzt wurden, ist er heute nicht unbedingt der allgemein-bekannteste Autor. Praktisch kennt ihn fast niemand. Mein komplettes Unwissen änderte sich dann mit diesem, meinem wohl letzten Semester. Wurde auch mal Zeit. Bildet überdies eine schöne thematische Klammer des Studiums, was man auch als Anekdote zum Beispiel in Blogeinträgen verwenden kann.

Denn, wie ich in der aktuellen Vorlesung/Übung über sein Leben und Werk gelernt habe: Jura Soyfer besitzt. Alles. Vier seiner fünf Theaterstücke – Der Weltuntergang, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, Astoria, Vineta (Die versunkene Stadt) - habe ich mittlerweile gelesen und weiß auch ungefähr, in welche Richtung sich mein für Juni geplanter Abschlussaufsatz entwickeln wird. Denn was mich so beeindruckt hat: Soyfer schreibt erstaunlich visuell, scheint stets darum bemüht, die Bühne und ihre (Un-)Möglichkeiten auszunutzen. Sei es die Rückreise in der Zeit im Lechner Edi oder die versunkene Stadt, in der die Zeit still steht in Vineta. Was mich mehr als einmal überrascht hat – sowohl sprachlich, als auch von der Geschichte insgesamt – das war der unglaublich direkte, unkomplizierte Humor. Der ergibt in Verbindung mit den teils ernsten Hintergründen von Soyfers Geschichten eine ganz eigene, unwirkliche Atmosphäre, die zum Ende hin immer in eine Tragödie oder eine Komödie kippen kann. Selten so gerne Theatertexte gelesen.
Soyfers Protagonisten sind immer auf der Reise und auf der Suche – meist nach einer Verbesserung ihrer oder allgmeiner Umstände. Sie betreten dabei immer ein Terrain, auf dem sie sich nicht auskennen und/oder mit ihren Wünschen gegen übergroße Wände laufen. Unverstandenheit ist ein ganz großes, wiederkehrendes Motiv innerhalb dieser Reisen – wie auch Krieg, Armut und Bürokratie. Ich finds erstaunlich, wie viele kleine und weniger kleine Ideen und Anspielungen Soyfer unterbringt und bei aller erzählerischer Vielfalt insgesamt nicht seine Richtung verliert. Letztlich ist es sein Stil, nicht nur der sprachliche, der mich so beeindruckt hat.

Neulich unterhielt ich mich mit dem Buchhändler meines Vertrauens. Wir sprachen über die Soyfer-Werkausgabe, die nun auch in vier Einzelbänden erhältlich ist. Die alte Ausgabe, sagte er, dieses riesige, unhandliche Ding sei ja eine haptische Katastrophe gewesen. Gut also die Aufteilung von 2002.
Dann fügte er hinzu: Auf der anderen Seite dürfe man eigentlich froh sein, dass heute überhaupt noch etwas von Soyfers Texten erhalten ist.
Soyfer starb 1939 im KZ Buchenwald, mit 26.

Wieder eine Nacht mit Lesen verbracht

15. April 2009 | notizen

Eine Inzestgeschichte! Jetzt mal ehrlich, da schippt der in seiner ellenlangen Erzählung Geheimnis auf Geheimnis und was ist am Ende der Schlüssel zu allem? Eine Inzestgeschichte. Das ist in etwa so originell wie ein Telefonstreich im Radio. Dabei hab ich das Buch, knapp sechshundert Seiten, von denen es ohne Probleme hundert weniger hätten sein können, nicht nur wirklich gern gelesen, ich hab diesen „wahren Schmöker“ nahezu „verschlungen“ – um vor der Buchrückensprache anno 2003 den Hut zu ziehen. Fraglos ein Roman, den ich auch gerne weiter empfehlen würde, wäre ich nicht sowieso schon der letzte, der ihn gelesen hätte. Die Geschichte aber ist großartig, wunderbar erzählt, viele Ebenen und am Ende doch erstaunlich wenig Redundantes für so viel Epos. Auch ist das alles nicht eindeutig zuzuordnen, genretechnisch, anfangs schon gar nicht, bewegt sich im guten Sinne zwischen allen Stühlen und ist obendrein gelungen geschrieben, sprachlich, ganz eigener Humor, auch die Informationsvergabe, das kann auch nicht jeder, nichts vergessen, alles fein. Kurz gesagt, der Roman hat alles. Und weil er eben alles hat, hat er auch eine Inzestgeschichte. Weiterlesen »

Der erste Eintrag

13. April 2009 | notizen

Zum Auftakt ein wenig Pathos: zurück auf der Straße! Notizen, Literarisches, Texte über Filme – herrvogel.net ab sofort das neue Zuhause

Manchmal, wenn ich so allein unterwegs bin, zum Beispiel auf der kombinierten Auto-Flug-Busreise von Bitburg nach Wien, dann fallen mir immer so schöne Sätze ein. Beobachtungen und Ideen und ich denke: kleine Wahrheiten über mich selbst, und natürlich sind sie’s dann nicht. Aber von denen wünschte ich mir, sie wären Teil von was Größerem. Ein Buch vielleicht, weil ein Buch möchte ja jeder mal schreiben. Ein neues Blog vielleicht, weil man möchte den Ideen und Texten ein Zuhause geben und oft weiß man nicht, wo das sein soll. Und überhaupt, wenn ich so unterwegs bin, dann glaube ich, dass allein das schon was wert ist: unterwegs zu sein. Doch hier jedenfalls, dieses neue Blog, ist erstmal das neue Zuhause. Eine Sammlung unterschiedlicher Texte, in der auch verzeichnet werden soll, was nicht für’s Internet geschrieben wurde: filmwissenschaftliche Texte, journalistische und auch die aus der literarischen Ecke.

Und, wie es sich für einen ersten Beitrag gehört: ein herzliches Dankeschön an den Herrn Programmierer und WordPress-Magier erster Güte Ansgar Jonietz, der jede Kleinigkeit bezüglich Design, Layout und Software mit perfektionistischer Engelsgeduld in die webzwonullfähige Tat umsetzte. Dafür vielmals bedankt!

Twitter-Updates:

Twitter Updates

    die epstein fragmente
    Stichworte:
    Manifestlich:
    I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.