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		<title>NilsTrotzVogel: Jubiläum! Videos! Hurra!</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 12:44:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[ausgedachtes]]></category>
		<category><![CDATA[musikalisches]]></category>
		<category><![CDATA[NilsTrotzVogel]]></category>
		<category><![CDATA[was mit videos]]></category>

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		<description><![CDATA[
Zeit für Nostalgie! Genau heute vor einem Jahr – es war ähnlich sibirisch draußen, doch es wurde sich alle Mühe gegeben, den gastgebenden Luxuskeller zu beheizen – da saßen drei junge Herren auf unbequemen Plastikstühlen. Und auf diesen sitzend, lasen sie überaus literarische Texte, spielten famoses Liedgut und redeten beizeiten wirres Zeug. Und sie waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2010/01/NilsTrotzVogel-fastschoneinbandfoto.jpg" alt="NilsTrotzVogel - Fast schon ein Bandfoto" title="NilsTrotzVogel - Fast schon ein Bandfoto" width="450" height="338" class="alignnone size-full wp-image-1528" /></p>
<p>Zeit für Nostalgie! Genau heute vor einem Jahr – es war ähnlich sibirisch draußen, doch es wurde sich alle Mühe gegeben, den gastgebenden Luxuskeller zu beheizen – da saßen drei junge Herren auf unbequemen Plastikstühlen. Und auf diesen sitzend, lasen sie überaus literarische Texte, spielten famoses Liedgut und redeten beizeiten wirres Zeug. Und sie waren sehr froh, dass nicht nur ihre neun MySpace-Freunde gekommen waren, um sich das anzusehen. Es war die rauschende Nacht der NilsTrotzVogel one night only Konzertlesung im wundervollen Brick5 in Wien, mit einem Programm, ganz passend betitelt „Gender und so“. <span id="more-1496"></span></p>
<p>Zum ersten Jahrestag der Konzertlesung nun endlich auch die lange angekündigten Video-Ausschnitte. Gut Ding, Weile haben, ihr kennt das. Belohnt wird die Welt dafür mit umwerfender Video- und Tonqualität, als hätte Scorsese uns gefilmt. Nun also, in konzertchronologischer Reihenfolge ein paar Eindrücke und &#8211; soviel darf verraten werden &#8211; echte Highlights sind selbstverständlich dabei, meine Damen und Herren! Beginnend mit Herrn Trotz&#8216; &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=dy1yz3LAc1c">Toronto-Text</a>&#8220;, der soweit ich weiß eigentlich &#8222;Walk a block, cross an ocean&#8220; heißt &#8211; und hier in der NilsTrotzVogel-Version mit Nils-Unterstützung:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="450" height="273" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/dy1yz3LAc1c&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="450" height="273" src="http://www.youtube.com/v/dy1yz3LAc1c&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Das zweite Video: Herr Vogel (bekannt als Autor und Namenspatron dieser schicken Website) liest einen Text, der früher mal eine Uni-Hausübung war und hier nur &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=w9QBcL1AAOI">Die Kolumne</a>&#8220; heißt, wobei das nicht der eigentliche Titel ist. Denn der ist &#8222;Dieser Autor ist ein Vollidiot&#8220;, aber das lockt auf YouTube nur merkwürdige Kundschaft an.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="450" height="273" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/w9QBcL1AAOI&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="450" height="273" src="http://www.youtube.com/v/w9QBcL1AAOI&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Im dritten Video der Schluss von Herrn Vogels &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=tGpC8UnVAqA">Elephant</a>&#8220;, kombiniert mit einem wunderhübschen Britney Spears Cover (&#8222;Leiwand&#8220;) von Nils. </p>
<p><object width="450" height="273"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/tGpC8UnVAqA&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/tGpC8UnVAqA&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="450" height="273"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Über den grandios gescheiterten Versuch, gemeinsam einen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Dcz0kxgjbIc">Song</a> zu schreiben. Ein &#8222;Anti-Nazi-Song&#8220; ohne Mädchen, mit Superhelden:</p>
<p><object width="450" height="273"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Dcz0kxgjbIc&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Dcz0kxgjbIc&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="450" height="273"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Zum Abschluss feinst-musikalisches vom grandiosen Nils, der seinen alten Gassenhauer &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=oS_FesC2jh0">Childlike Empress</a>&#8220; zum Besten gibt. Bitte gustieren, wie Dirk von L. immer sagt.</p>
<p><object width="450" height="273"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/oS_FesC2jh0&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/oS_FesC2jh0&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="450" height="273"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Achtung Schlussworte! Wir hatten viel geplant, viel wieder umgeworfen, ein bißchen geprobt und ein MacBook versenkt &#8211; die Beatles-Forschung spricht hier von den &#8222;NilsTrotzVogel-Sessions&#8220; &#8211; und am Ende hatten wir uns viel zu bedanken: Bei den Leuten, die gekommen sind. Bei den Leuten, die geholfen haben. Beim großartigen Brick5, bei den begnadeten Videomenschen Silvia K. und Frau Mona, bei unserem dauerrauchenden Probepublikum (strenger als jede TV-Jury) Silvia S., Ludwig und Katharina. Und allen voran musste Herrn Trotz selbst gedankt werden. Hätten Nils und ich den Keller, die Bühne, das ganze Drumherum alleine herrichten müssen, wir hätten nachher da gestanden mit drei Stühlen und einer Kiste Bier. Schwer zu glauben, dass der Abend schon ein Jahr her ist. Oder <em>erst</em> ein Jahr her ist, meinte der Nils gestern. Hat er auch wieder recht.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
<strong>Mehr NilsTrotzVogel im Internet</strong>:<br />
- <a href="http://blog-briga.de/">Die alte Brigade</a><br />
- <a href="http://nilsmusik.wordpress.com/nilstrotzvogel/">Was der Nils geschrieben hat</a><br />
- <a href="http://www.myspace.com/nilstrotzvogel">NilsTrotzVogel bei MySpace</a> mit <a href="http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewAlbums&#038;friendID=436754934">Fotos</a></p>
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		<title>Die Epstein Fragmente #4</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 11:47:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[ausgedachtes]]></category>
		<category><![CDATA[fragmente für die welt]]></category>
		<category><![CDATA[gilbert epstein]]></category>

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		<description><![CDATA[An einem Herbsttag, Blätter lagen verstreut. Im Kaffeehaus spielte ein Pianist, in einer Ecke an einem kleinen Tisch, darauf eine Tasse Kaffee und ein Wasser, saß Gilbert Epstein. Und er, bereits winterlich im Gemüt, blickte nicht zum ersten Mal auf die Uhr. Er las die Zeitung eher beiläufig, um etwas zu tun zu haben, schien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An einem Herbsttag, Blätter lagen verstreut. Im Kaffeehaus spielte ein Pianist, in einer Ecke an einem kleinen Tisch, darauf eine Tasse Kaffee und ein Wasser, saß Gilbert Epstein. Und er, bereits winterlich im Gemüt, blickte nicht zum ersten Mal auf die Uhr. Er las die Zeitung eher beiläufig, um etwas zu tun zu haben, schien aber wenig konzentriert auf die Nachrichten des Tages, deren Aufbereitung ihm ohnehin nicht zusagte. Die Zeitungen werden immer dünner, hatte er eben noch zum Kellner gesagt, der den Kaffee servierte und mit stoischer Miene nickte.</p>
<p>Epstein befand, er warte schon viel zu lange auf die angekündigte Gesellschaft. Dabei hatte sie ihn hierher bestellt, es sei eilig, meinte sie noch am Telefon, wir treffen uns am besten gleich. Doch Epstein befand auch, dass dieses Bild, er mit Anzug und Zeitung, den Hut lässig am Ständer nebenan, sehr stimmig sei und und so elegant wirkte, dass er es durchaus mit seinem Selbstbild in Einklang bringen konnte. Er, ein Wartender. In seinem Beruf, da sei das ganz normal.</p>
<p>Nur was fehlte, das war die Zigarette, natürlich filterlos, Epstein schätzte eine gute filterlose Zigarette, die für gewöhnlich im Aschenbecher vor sich hin qualmte und nicht notwendigerweise geraucht wurde und mehr nur ins Bild passte. Aber Rauchverbot. Der Kellner mit der stoischen Miene hatte wiederholt darauf hingewiesen, nicht mit dem Zeigefinger, doch mit erhobener Nase. Hier kein Rauchen mehr. Man wisse ja, die Nichtraucher, das neue Gesetz. Epstein hatte genickt und auf die Uhr gesehen. Jetzt wo man nicht mehr dürfe, wollte man erst so wirklich.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
<img src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/04/ding.jpg" alt="null" /><br />
<span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Bisherige Fragmente: <a href="http://herrvogel.net/2009/05/das-rote-kleid-fragmente-fur-die-welt-1/">#1</a> / <a href="http://herrvogel.net/2009/05/fragmente-fur-die-welt-2/">#2</a> / <a href="http://herrvogel.net/2009/06/die-epstein-fragmente-3/">#3</a></p>
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		<title>Von Notizbüchern, kein Jahresrückblick</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 12:10:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[notizen]]></category>

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		<description><![CDATA[Jahresende, da wären wir nun. Ich sitze also da, ein paar Tage nach dem Weihnachtstrubel, der dann doch keiner war, und halte ein Buch in Händen, das von einem Post-It Lesezeichen und zusammen gehalten wird, dessen türkisgrüne Farbe erstaunlicherweise eben jenes Türkisgrün ist, das auf dem Buchcover als Sekundärfarbe den Titelschriftzug schön bunt macht. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jahresende, da wären wir nun. Ich sitze also da, ein paar Tage nach dem Weihnachtstrubel, der dann doch keiner war, und halte ein Buch in Händen, das von einem Post-It Lesezeichen und zusammen gehalten wird, dessen türkisgrüne Farbe erstaunlicherweise eben jenes Türkisgrün ist, das auf dem Buchcover als Sekundärfarbe den Titelschriftzug schön bunt macht. Das ist purer Zufall, aber es wirkt, als würden Buch und Lesezeichen zusammen gehören, als wären sie so auf die Welt gekommen, oder als hätte sich jemand die unsinnige Mühe gemacht, Cover und Lesezeichen farblich aufeinander abzustimmen.</p>
<p>Ich überlege, dies notizlich festzuhalten in meinem neuen Notizbuch, das ist rot und schön und mit Woodstockmotiv, und löst das alte schwarze ab, das zwar noch nicht vollgeschrieben war, das ich aber aus unerfindlichen Gründen nicht mehr mag, seitdem ich einen Uni-Wien-Aufkleber draufgepappt habe. Ich hatte sogar einen Bandaufkleber halb überlappend und an pubertäre Collage-Kreationen erinnernd drübergeklebt. Aber hätten die Sterne damals mein Notizbuch gefragt, wo fing das an was ist passiert, Ja, mein Notizbuch hätte antworten können, der Uni-Wien-Aufkleber, der hat mich so ruiniert. Jedenfalls saß ich da und war gerade mit Lesen fertig und trug in das neue Rote eine Zeile ein, die ich eine unbestimmte Zeit zuvor gelesen hatte und die ich unbedingt behalten wollte, weil sie mir so gut gefiel. Um an dieser Stelle aber nicht die gesamte Leseraufmerksamkeit auf eine Geschichte über eine Geschichte zu verschwenden, welche von einer Tat handelt, die letztlich komplett ohne jede weitere Bewandtnis im Hinblick auf den angekündigten Jahresrückblick bleibt, sei Folgendes gesagt: Dazu später mehr. Im alten Notizbuch fand ich dagegen dies hier: <span id="more-1340"></span></p>
<p><em>Die verrückte Inge hieß nicht etwa so, weil sie verrückt war. Nein, sie hieß so, weil sie sich mir so vorstellte: „Hallo, ich bin die verrückte Inge.“<br />
Wie sich fortan fast minütlich herausstellte, war die verrückte Inge der Typ Zwanzignochwas, welcher sich selbst und diversen anderen gerne versicherte, wie crazy und durchgeknallt, alternativ und sonstwie anders ihre Person so war in ihrem Wesen und in ihren Aktivitäten. Als Maßstab hierfür diente ihr jeweils das, was ich (oder womöglich jeder andere Gesprächspartner) gerade sagte. Sie behauptete einfach das Gegenteil und kicherte und guckte niedlich. So war sie vielleicht wirklich verrückt, die verrückte Inge, aber vielleicht nicht in dem Sinn, wie sie glaubte.<br />
Man musste sie einfach mögen.</em></p>
<p>Das steht so im alten Notizbuch, mittlerweile versehen mit einem türkisgrünen Pagemarker (damit die auch mal zum Einsatz kommen), und mir stellt sich folgende Frage: Was ist das überhaupt? Ich verlange Kontext! Wann und wo habe ich das geschrieben? Irgendwann 2009, gewiss, aber ich kann mich an niemanden namens Inge und an keine solche Person oder Unterhaltung erinnern. Passiert ist mir das so oder auch nur so ähnlich eher nicht. War das gedacht als etwas Literarisches? Als geheime Botschaft an mein zukünftiges Ich?  Wüsste nicht, jemals irgendwen oder irgendwas, und sei es ironisch, <em>crazy </em>genannt zu haben. Ich bin verwirrt. Doch das macht nichts. Denn würde man nach Klarheit und Entwirrung in der Vergangenheit suchen, würde man schließlich den Kalender aufschlagen, nicht das Notizbuch. So als Jahresrückblick ist ein Notizbuch in der Regel ungewöhnlich, man liest vorwiegend von Sachen, die nicht notwendigerweise so passiert oder so geblieben sind. Meist, oder zumindest im Fall meines mit Uni-Wien-Logo verschandelten kleinen Schwarzen, sind das Sachen, die in erster Linie nur geplant waren oder in einem Planungsstadium festgehalten wurden und sich dann weiterentwickelten oder in Vergessenheit gerieten oder überhaupt etwas ganz anders waren. Wie die verrückte Inge. Und rückblickend ist man einfach froh, dass es sie gibt. Hätte man sowas nicht festgehalten irgendwo, wer weiß wo sie heute wären, die Notiz oder auch die Inge.  Aber über die fünf angefangenen Kurzgeschichten, die ich auch noch in dem Buch fand, über die wäre ich aber am liebsten nicht mehr gestolpert.</p>
<p>Mit ein paar neuen Pagemarkern versehen, verstaue ich das alte Notizbuch in der Schublade neben den anderen, halb vollgeschriebenen Blöcken. Alle unterschiedlich in Form, Farbe und Papier. Ich habe das optimale Notizbuch noch nicht gefunden und manchmal würde ich für jede neue Notiz am liebsten ein neues anfangen. Aber fürs Erste muss die Welt mit einem Wust an Unfertigem leben und darf sich im nächsten Jahr gerne ein bißchen mehr Mühe geben, nicht wahnsinnig oder verrückt oder wahnsinnig verrückt zu werden. Jedenfalls nicht wie die verrückte Inge.</p>
<p>Und damit das nicht in Vergessenheit gerät, so zwischen den Jahren und zwischen den Notizbüchern: „Alfons war ein Spieler. Er spielte mit Ideen, die andere ernst nahmen.“ (Harald Martenstein – „Heimweg“, S. 75)</p>
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		<title>In spaceships, they won&#8217;t understand</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 13:51:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[notizen]]></category>
		<category><![CDATA[musikalisches]]></category>
		<category><![CDATA[zur lage]]></category>

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		<description><![CDATA[Kurzer Zeitsprung, 2001 oder 2002. Ich bin siebzehn oder achtzehn Jahre alt, besuche äußerst erfolgreich die Oberstufe eines Gymnasiums und feiere gerade eine Freistunde in dieser gewissen, einer Kneipe nicht unähnlichen Lokalität gleich neben der Schule. Auf einmal tönen aus der überaus schäbigen Anlage zweieinhalb rotzig gespielte Akkorde in einem katastrophal beschissenen Sound, sind dabei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurzer Zeitsprung, 2001 oder 2002. Ich bin siebzehn oder achtzehn Jahre alt, besuche äußerst erfolgreich die Oberstufe eines Gymnasiums und feiere gerade eine Freistunde in dieser gewissen, einer Kneipe nicht unähnlichen Lokalität gleich neben der Schule. Auf einmal tönen aus der überaus schäbigen Anlage zweieinhalb rotzig gespielte Akkorde in einem katastrophal beschissenen Sound, sind dabei aber so schwungvoll und so ansteckend, nicht nur fußwipptechnisch gesehen, dass ich nicht anders kann, als nie wieder den bisher so geliebten Punkrock zu hören. Wie sich rausstellte, war das „Last Nite“ von den Strokes. Und wie sich auch rausstellte, sahen diese fünf Typen aus wie ich. Durcheinander in den Haaren, allgemeine Verfassung blass bis irgendwie kränklich, und im Gesichtsausdruck eher gelangweilt. Klamottentechnisch hatten die Jungen aus New York mir natürlich einiges voraus, weil – auch das stellte sich heraus – die hatten ja alle so reiche Eltern. Aber das machte nichts, ich mochte sie trotzdem. Und alle anderen mochten sie auch. Und dann kamen ganz viele weitere Bands, die so waren die Strokes. Das war dann „Indie“, anfangs auch gern „Garagenrock“, weil die so klangen und weil das damals in Musikzeitschriften stand. Und wir, die nicht auf den Bühnen standen, wir trugen auch enge Jeans und dreckige weiße Turnschuhe. Das war wieder cool, wahrscheinlich zum ersten Mal seit den Ramones, die wir natürlich auch alle mochten. <span id="more-1297"></span></p>
<p><em>[Um die folgenden Jahre kurz zu beschreiben: The Libertines, The Von Bondies, The Detroit Cobras, The Mando Diao, The Franz Ferdinand, The Arctic Monkeys, The Killers, The Maximo Park, The Razorlight, The Milburn, The Metric, The Modest Mouse, The Yeah Yeah Yeahs, The Kooks, The Walkmen, The Long Blondes, The Fratellis, The View, The Thermals, The Walkmen und zwanzig andere Bands, die real oder nur ideell ein „The“ im Namen trugen.]</em></p>
<p>2005 war ich dann in der Großstadt, zwar nicht in New York, dieser grausamen filminduzierten Sehnsucht, sondern studieren und leben und arbeiten in Wien. Indie war auch dabei, keine Frage, erlebte dort auch immer neue Höhepunkte. Eine ganze Zeit lang habe ich für ein mittlerweile leider verstorbenes Jugendmagazin über Musik geschrieben und Konzerte fotografiert. 2007 fing es an irgendwie zu kriseln, mit dem Indie und mir. Jede Woche Musikzeitschriften und MySpace gewälzt, was denn das nächste große Dinge sein könnte, die nächste Sau, die ganz musikjournalistisch durchs Indie-Dorf getrieben wurde. Das drohte, recht bald doof zu werden. Auch weil sich alles wiederholte und dann zu oft wiederholte und irgendwann schon eine nichtverzerrte, kurz angeschlagene Gitarre reichte, um indiechic zu sein. Ich schrieb immer dieselben Sätze. Ich kann das Wort „Indie“ heute noch immer nicht hören oder schreiben ohne an damals zu denken, wo es anfing, mir auf den Geist zu gehen. Doch die oben genannten Bands, die in der Zeitreise, die betrifft das ja noch gar nicht. Die waren und sind ja alle noch toll, auch wenn ich mich nur bei gut der Hälfte von denen für eine neue CD interessieren würde. Aber damals, da passte das schon.</p>
<p>Danach aber, so 2008, auf dem Höhepunkt des allgemeinen und meines persönlichen Überdruss‘, hochgefeiert, tiefgefallen, war Indie plötzlich mehr als tot und wurde für mich auf einem Konzert der Pigeon Detectives beerdigt. Das war zu einer Zeit, da hatte ich schon gar keine Lust mehr, über die neuen Bands zu schreiben und den wöchentlichen Bausatz an Phrasen über eine Band zusammen zu schustern, und machte lieber nur Fotos von den örtlichen Wien-Konzerten im Flex oder in der Arena oder im Chelsea. Wie gesagt, The Pigeon Detectives. Ein Song, den man ungefähr als Hit beschimpfen könnte („I Found Out“) und sonst viel einerlei mit den Indiegitarren und den bekannten Posen. Und genau diese Posen waren es auch, die nach all dem Überdruss und Maleinaugezudrücken bei immer neuen unbedeutenden Bands (ich huste den Namen &#8222;Klaxons&#8220;), das Fass sozusagen zum Überlaufen brachten. Möglicherweise lag es auch daran, dass ich mittlerweile älter war als die Herren auf der Bühne. Posen! Gehabe! Pigeon Detectives! Der warf sich in immer neue Verrenkungen und kippte sich mit einer Wasserflasche alle 40 Sekunden Wasser ins Gesicht, damit er seine Haare schütteln und auf Fotos gut und professionell ausgepowert aussehen konnte. Sein Hemd wirkte verschwitzt, es war nur nass. Die ultimative Rockstar-Pose in einem nichtmal zur Hälfte ausverkauften Wiener Flex. Ewig hochgehaltene Indie-Seele, das tat weh. Die Coolness war keine echte mehr, das sollte alles nur noch gut aussehen, die Musik war da nur noch Nebensache. Oder war das etwa schon immer so gewesen? 40 Minuten, einmal das Album durchgespielt, dann ab nach Hause. Doch wenn der Opa mal eine Geschichte aus dem Krieg erzählen darf: Das war zu der Zeit keine Seltenheit. Bands wie The Rifles, Shitdisco und The Wombats gaben dieser Tage ähnlich traurige Live-Vorstellungen. Zugaben gabs praktisch nie. Aber nicht weil die jungen Herren nicht gewollt hätten, sondern weil sie einfach keine Songs mehr hatten. Manche Bands waren sich auch nicht zu schade, ihren einzigen Hit als Zugabe einfach nochmal zu spielen. Es schien, da kamen immer neue Bands, wurden von den Plattenfirmen auf Europatour durch die Clubs geschickt und hatten nichtmal zwölf Songs für eine Vorstellung zusammen. Und diesen Rifles musste das Gitarrespielen erst von der Plattenfirma beigebracht werden. Was da blieb, klar, war die Pose. Langsam wurde mir klar, dass nicht nur die Industrie mal wieder den Geist der Musik gefressen hatte, sondern dass ich als halber Musikjournalist ein Teil des von mir angeblich so gehassten Kreislaufs geworden war.</p>
<p>Der Rest ist Klischee: Viele Dinge sind geschehen, die man zwar als Resultat komplexer Zusammenhänge und Zufälle darstellen könnte, doch im Prinzip habe ich aufgehört über Musik zu schreiben und werde das auch nie wieder tun. Es ist das passiert, was man mir beim Filmstudium immer sagte, wovor gewarnt wurde und was eine durchaus üble Gefahr darstellt. Wenn du Filme liebst, studiere nicht Filmwissenschaft. Beschäftige dich nicht zu viel damit, sonst geht’s dir irgendwann auf den Sack. Beim Film ist das nie passiert, da hab ich immer drauf aufgepasst, dass ich nicht zu viel und zu schnell und zu alles. Aber dann, mit der Musik, da reichte eine Nebentätigkeit und ein bißchen Besessenheit und ein bißchen Nichtaufpassen und schon war‘s passiert: Schnauze voll, ich wollte mit Musik und gleich der ganzen Industrie nichts mehr zu tun haben. Ich habe nicht mehr für das Jugendmagazin gearbeitet. Ich habe mir keine neuen CDs mehr gekauft, keine Musikblogs mehr gelesen und keine Zeitschriften mehr gekauft. Und ich ging auf keine Konzerte mehr.<br />
Seitdem glaubte ich, dass ich all die gute Musik schon kennen würde, dass mich nichts mehr so vom Fleck weg begeistern würde, wie die Songs von damals, als die Welt noch in Ordnung war, der Garagen-Indierock noch Eier hatte und nicht zur Pose verkommen schien. Wenn ich diese Bands hörte, dann nur noch ihre ersten Alben, sofern sie überhaupt darüber hinaus gekommen waren. Außer die Strokes, von denen hörte ich alles. Und immer. Die hatten mich nie verraten. Ein kleines Stück der Welt war noch im Lot. Doch ich fürchtete, ich wäre schlimmstenfalls erwachsen geworden und würde noch mit vierzig die alten Alben hören. Wie Fans von ACDC oder Westernhagen oder, was weiß ich, Michael Schumacher. Ich trauerte.<br />
Dann kam Tocotronics „Kapitulation“. Und ich kapitulierte mit. Meine Jugendbewegung, deren Teil ich hatte sein wollen und die ich von 2001 bis dorthin mitgelebt hatte, wurde heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Gesiegt hatte die Industrie, die Maschine, das Geld. Erst kamen die Franz Ferdinands mit ihren Ringelpullis, dann kamen die Emos. Und wir Indie-Kinder, wir waren Mitte zwanzig und deprimiert.</p>
<p>Doch 2009, da ist etwas passiert, das meine fast zweijährige musikalische Krise beendete: Julian Casablancas veröffentlicht ein Soloalbum, ganz ohne Strokes. Und ich musste einfach reinhören. Die neuen Alben von Maximo Park und der Arctic Monkeys habe ich bis heute nicht gehört. Aber Casablancas, der musste einfach. Mit reichlich Synthies läuft er an, der erste und einzige Track, den ich bislang wirklich von „Phrazes For The Young“ gehört habe: „Out Of The Blue“. Elektronisch mit blinkenden Knöpfen und Schaltern, die ratternd in die erste Strophe treiben, wo der junge Casablancas klingt wie ein alter Johnny Cash. Rückblickend, müde, lethargisch wie immer schon und auch ein bißchen weise. Ich war platt und umgehauen und alle musikalische Abstinenz scheint vergessen, ein kleines Erlebnis wie damals, das erste Strokes-Lied.</p>
<blockquote><p>And the ones that I made pay<br />
were never the ones who deserved it,<br />
And the ones who deserved it,<br />
they&#8216;ll never understand it.</p>
<p>Yes, I know I&#8216;m going to hell in a leather jacket,<br />
At least I&#8216;ll be in another world<br />
while you&#8216;re pissing on my casket.</p></blockquote>
<p>Da schwang so viel Wut und Reue und rückblickende Gleichgültigkeit mit, die in etwa dem nahe kam, was ich selbst von der Musik und letztlich von der Welt insgesamt hielt. Es geht um die pubertären Posen der Ablehnung, der Rebellion und des Unverstandenseins. Es ist ein letztes Aufflammen der ganzen Emotion und der Unbeherrschtheit, kurz bevor man sie für immer hinter der Maske wegschließt und behauptet, man sei jetzt erwachsen und da gehöre sich das eben nicht mehr. Ein letzter Mittelfingerzeig vor der Selbstaufgabe oder vielleicht doch nur ein trauriger Abgesang auf vertrocknete Selbstbilder.</p>
<blockquote><p>All that I can do is sing a song of faded glory,<br />
All you got to do: sit there, look great, and make them horny.<br />
Together we&#8216;ll sing tones and tell exaggerated stories,<br />
About the way we feel today in the night and in the morning.</p></blockquote>
<p>Wie ein Blick in den Rückspiegel, während man mit Vollgas und angezogener Handbremse in eine Zukunft brettert, von der man nicht einmal genau weiß, wo genau sie stattfinden wird. Geschweige denn, wie sie einmal aussehen soll. Ich habe wieder angefangen, Alben zu kaufen. Gisbert, Editors, Mumford &amp; Sons. Ich lese nach wie vor keine Musiblogs und keine Musikzeitschriften, weil in denen steht sowieso immer nur dasselbe. Doch irgendwo bin ich noch immer der gelangweilt dreinblickende Junge mit dem Durcheinander in den Haaren. Und mir ist völlig klar, dass auch das wieder nur eine Pose ist.</p>
<p>Aber ich höre wieder zu. Und ab und zu tanze ich ein bißchen vor mich hin.</p>
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		<title>#6 &#8211; Fünfzehn Seiten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 10:44:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[notizen]]></category>
		<category><![CDATA[diplomarbeitstagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Fünfzehn Seiten sind schon ganz in Ordnung, denk ich mir. Ich trage eine rote Weste, unter mir ein unbequemer Holzhocker, der diesen 400-Euro Brotjob nicht gerade erträglicher macht. Die letzte Stunde ist gerade angebrochen, also die, wo nie was los ist und ich im Durchzug sitzend Dinge lese, wie gerade die ersten Versuche der großen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fünfzehn Seiten sind schon ganz in Ordnung, denk ich mir. Ich trage eine rote Weste, unter mir ein unbequemer Holzhocker, der diesen 400-Euro Brotjob nicht gerade erträglicher macht. Die letzte Stunde ist gerade angebrochen, also die, wo nie was los ist und ich im Durchzug sitzend Dinge lese, wie gerade die ersten Versuche der großen Arbeit.<br />
Ich habe beschlossen, die Diplomarbeit nur noch „die große Arbeit“ zu nennen. Oder „die Arbeit“. Oder „Ich hasse dich und möchte, dass du endlich aus meinem Leben verschwindest“. Auf der anderen Seite rede ich mir ein, dass es Spaß macht, wieder tage- und nächtelang zu schreiben. Auch wenn es nicht dasselbe ist wie damals in der Wiener Küche. Dabei habe ich mir redlich Mühe gegeben, das Gefühl von damals zu imitieren. Habe Martenstein gelesen. Habe Ottakringer getrunken. War mal wieder ein bißchen besessen und auch besessen von dem Wunsch, etwas auf die Beine zu stellen. Doch dann besetzten die Wiener Studenten in der vertrauten Ferne ihre und auch meine Uni und es war ein bißchen wie damals, so vom Gefühl her, als ich das erste Konzert der Libertines ohne Pete Doherty gesehen habe: Man war dabei, bei der ganzen Sache, aber dann war’s doch nicht so ganz. Damals Pete Doherty, heute fehlte ich. Der eigene, gewollte Weg, nun, in seinem Fall, da gibt‘s die Babyshambles und in meinem Fall, da gibt‘s Freunde und Bekannte, die einen riesigen Hörsaal besetzen und diskutieren, was endlich besser gemacht werden muss. Doch ich sitze weit entfernt auf einem kaputten Hocker und diskutiere mit mir selbst, was nach der durchkämpften und verlassenen Wiener Uni diese unförmige Zukunft bitte Einträgliches bringen wird. Ich fühle mich als hätte ich alles und jeden verraten und verkauft. Verraten! Verkauft! Die bequemen, gelebten Posen flammen auf. Rebellentum, ich will das auch.</p>
<p>Doch natürlich kam es anders. Und warum? Wegen einem Anruf. Ich friere. Kurz nach sieben ist es, viel zu früh am Morgen. Die Scheiben des alten VW Passat sind beschlagen, und seitdem der CD-Player kaputt ist, suche ich ständig einen Sender, der keine Radiocomedy bringt. Statt der roten Weste mit dem schiefen Namensschild trage ich heute Hemd, Schal, Sakko. Mein zweites Ich ist unterwegs, der Superheld. Ich wurde gerufen, den Notjob zu verlassen, um für kurze Zeit einen besseren anzunehmen. Ich wurde &#8222;Herr Simon&#8220;, der Aushilfslehrer, der eine Woche lang mit Zehntklässlern übers Geschichtenerzählen redet &#8211; über Kurzgeschichten und Popmusik und Filme und übers Selberschreiben. Zehntklässler sind so fünfzehn sechszehn und haben noch sowas wie Energie. Wir nennen es Medienpädagogik. Wir haben über Hemingway gesprochen, über Kanye West, Death Cab For Cutie, Almost Famous und über all das, was wichtig ist. Es wurde Theater gespielt, es wurde Lehrer gespielt. Und irgendwo in diesem Klassenzimmer ist auch ein bißchen was von mir selbst wieder aufgetaucht.<br />
Am ersten Tag zurück in der toten Weste habe ich gekündigt. Ich trage die gute Laune in mir, nie wieder bunter Cowboy zu sein. Und eh ichs vergesse, die ersten fünfzehn Seiten, so schlecht sind die gar nicht.</p>
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		<title>Die Welt aus den Fugen: Die Titelsequenzen von Dawn of the Dead und Watchmen</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 21:10:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[was über filme]]></category>
		<category><![CDATA[übers erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[blockbuster]]></category>
		<category><![CDATA[filmanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat &#8211; ich weiß, es klingt komisch &#8211; Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (Dawn of the Dead, 300, Watchmen) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat &#8211; ich weiß, es klingt komisch &#8211; Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (<em>Dawn of the Dead</em>, <em>300</em>, <em>Watchmen</em>) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor Zuschauermägen zeigen. Snyders Kamera schaut dort hin, wo andere wegschauen würden. Zombies, Streitäxte, Frittenfett: Snyder <em>zeigt</em>, und entspricht damit einer (seiner!) Generation junger Regisseure, denen allgemein wenig daran gelegen ist, filmische Grausamkeiten nur in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen. Zu diversen Streitfällen dieser neuen Mainstream-Brutalität wie <em>Saw</em>, <em>Hostel</em> und Co. war auch der Vorwurf nicht weit, hier würden lediglich Gewaltpornos fabriziert. Doch wie immer man zu Gewalt auf der Leinwand steht, Snyders Filmen kann man durchaus zugute halten: Visuell sind sie allererste Güte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; line-height: 150%;"><img title="Watchmen - Die Wächter / Bild von MovieGod.de" src="http://www.moviegod.de/images/galleries/images/00006/569/569_22378_l.jpg" alt="Watchmen - Die Wächter / Bild von MovieGod.de" /><span style="font-family: Tahoma,sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
(Watchmen &#8211; Die Wächter / <a href="http://www.moviegod.de/kino/galerie/569/watchmen-die-waechter">Bild von MovieGod.de</a>)</span></span></p>
<p><span id="more-1187"></span>Und zwei dieser Filme, das Romero-Remake <em>Dawn of the Dead </em>und der noch recht frische <em>Watchmen</em>, so diskussionwürdig sie auch sein mögen, besitzen darüber hinaus mehr oder weniger geniale Titelsequenzen, die als bester Gegenbeweis für den oft gefallenen &#8222;Style over Substance&#8220;-Vorwurf gelten dürften.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-1' id='fnref-1187-1'>1</a></sup> In beiden Fällen entwirft Snyder filmische Collagen, die den Zuschauer schrittweise in das fiktionale Filmuniversum hineinziehen. Es sind jedoch nicht die klassischen Strategien der Immersion. Viel mehr imitiert Snyder bekannte Repräsentationsformen, um sie letztlich zu brechen und für seine Zwecke zu nutzen.</p>
<p><strong>&#8222;And hell followed with him&#8220;<br />
</strong></p>
<p>Es geht um Zombies, die auf der Erde wandeln und die wenigen überlebenden Menschen zu Galliern gemacht haben, die sich &#8211; mit allerlei Schusswaffen als Zaubertrank &#8211; der römischen Übermacht erwehren. Das Opening von <em>Dawn of the Dead</em> zeigt den &#8222;historischen&#8220; Werdegang bis zur Ausgangslage der Geschichte &#8211; und spielt hier stark mit der Ästhetik des Dokumentarfilms und des TV-Journalismus. Snyder bastelt einen Flickenteppich aus Archivbildern und solchen, die so aussehen sollen. Dass bei diesen Bildern auf den ersten (oder auch auf den zweiten) Blick nicht echt von inszeniert zu unterscheiden ist, bedient vorzüglich Snyders visuelles Konzept.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-2' id='fnref-1187-2'>2</a></sup> Hauptinformationsquelle sind fiktionale Nachrichtensendungen, die über die zunehmend aussichtslose Lage informieren und Kurzeinspielungen von schreienden, blutüberströmten Zombies.  Snyder entwirft eine stimmiges Bildkonzept, das mit der Glaubwürdigkeit dokumentarischer Bilder arbeitet, und immer wieder durch auftauchende Untote, Geschrei, Blut und Chaos gestört und gebrochen wird.<br />
Unterlegt wird das alles mit Johnny Cashs Apokalpyse/Bibelzitate-Referenzfeuerwerk &#8222;When The Man Comes Around&#8220;,<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-3' id='fnref-1187-3'>3</a></sup> was einerseits distanzierende Ironie schafft, gleichzeitig aber verzerrend bizarr wirkt. Dies verleiht dem Opening eine Videoclip(ähnliche) Ästhetik, welche die Doku-Bilder wiederum konstrastiert. In Zack Snyders Bild- und Tonlandschaft scheint recht bald offensichtlich, dass in dieser Welt ist etwas ganz furchtbar aus den Fugen geraten ist.</p>
<p><strong>&#8222;Don&#8217;t speak to soon, for the wheels still in spin&#8220;</strong></p>
<p>Eine ähnliche, wenn auch subtilere Strategie der historischen Nacherzählung verfolgt Snyder in der Titelsequenz von <em>Watchmen</em>. Es kommt hinzu, dass er hier über das Vorwissen der Zuschauer in Form medialer Darstellungspraxis (Dokus, Nachrichten) hinaus geht, und einen direkten Bezug zum historischen Referenten herstellt. Snyder bedient sich an Szenen des kollektiven medialen Gedächtnisses  und deren Repräsentation (der Mondlandung, dem Kennedy-Attentat, etc), die er zum Zweck einer fiktionalen Erzählung mit einer neuen Bedeutung bespielt.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-4' id='fnref-1187-4'>4</a></sup> Snyders Kamera zeigt diese Reenactments und schafft durch Zusätze und scheinbare &#8222;Enthüllungen&#8220; einen neuen Kontext für die Bilder. Gleichzeitig etabliert die Opening-Sequenz die Bedeutung der Protagonistengruppe und betont schon hier ihre kontroverse Rolle. So zeigt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts für den Film neu aufgelegt.<br />
Das Opening von <em>Watchmen </em>präsentiert, ähnlich dem von <em>Dawn of the Dead</em>, die uns bekannte Welt in einem Was-wäre-wenn-Szenario. Dass dieses jedoch nicht gleich offenbart wird, ist Teil des Konzepts: Erst nach und nach wird der Zuschauer in die fiktionale Welt der Watchmen eingeführt, hineingezogen, durch das Brechen der Erinnerung an bekannte Szenen. Ein bißchen wie <em>Forrest Gump </em>im Comic-Filter.<br />
Was in <em>Dawn of the Dead </em>&#8222;The Man Comes Around&#8220; von Johnny Cash, ist hier &#8222;The Times They Are A-Changin&#8216;&#8220; von Bob Dylan: Mehr als nur musikalische Untermalung, bringt der Song eine neue Ebene in die ohnehin schon zahllosen Referenzen des Vorspanns. Der Auftakt zum hundertsechszig Minuten stolzen <em>Watchmen </em>ist dank Dylans Musik gleich nostalgisch, gleich ein Rückblick. Doch ist es kein Heldenportrait. In den verschiedenen, größtenteils in (Super-)Zeitlupe gezeigten Bildern, beschleicht einen zunehmend leise Irritation: Trotz dem Bekannten ist das nicht unsere Welt, nicht die, die wir kennen. Und eine bessere ist es auch nicht. Wie in <em>Dawn of the Dead </em>zeigt Snyder auch hier wird eine Welt aus den Fugen, die aber ihr neues Gleichgewicht schon gefunden hat.</p>
<p><strong>Schöne neue Welt</strong></p>
<p>In beiden Titelsequenzen wird der Zuschauer nach und nach in das Filmuniversum hineingezogen, begleitet von ihm bereits bekannten, schrittweise umgedeuteten und mit neuer Bedeutung bespielten Eckpfeilern der außerfilmischen, historischen Wirklichkeit. Beide Auftakte sind Rückblenden, die das Setting und die Ausgangslage der Handlung durch ihre epische Breite und Snyders Arrangements meisterlich etablieren.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-5' id='fnref-1187-5'>5</a></sup> In <em>Dawn of the Dead </em>nutzt Snyder die Ästhetik des Dokumentarfilms und die Modi von  TV-Journalismus. In <em>Watchmen </em>spielt er mit den Bildern des kollektiven medialen Gedächtnisses und (selbstreferenziell) mit Popkultur-Ikonografie. Es sind zwei großartige Titelsequenzen, die zwar ähnlich arbeiten, aber auf ganz unterschiedliche Weise &#8211; und das darf man auch nicht vergessen &#8211; visuell beeindrucken.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span></p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-1187-1'>Zum (Nochmal-) Anschauen eignet sich übrigens YouTube <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lwBigliX1Bo">ganz</a> <a href="http://www.youtube.com/watch?v=p2hNhM3dHB4">hervorragend</a>. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-2'>Die Herkunft von Bildern ist, wie auch die jeweilige Beschaffenheit und der Einsatz von nachgestellten Szenen, in der Dokumentarfilm- wie in der Dokudrama-Forschung viel diskutiert. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-3'>Wer nach Informationen zu Textanleihen und Interpretationen sucht, wird auf der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Man_Comes_Around_(song)">Wikipedia-Seite</a> fündig. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-4'>Drehli Robnik spricht in Bezug auf <em>Stalingrad</em> (J. Vilsmaier; 1993) von der &#8222;Neu-Bespielung eines Gedächtnisorts&#8220; durch dessen filmische Repräsentation. Robnik, Drehli: &#8222;Verschiebungen an der Ostfront. Zu den Bildern des Vernichtungskrieges der Wehrmacht in bundesdeutschen Spielfilmen&#8220;. In: zeitgeschichte 3, 31. Jahrgang. 2004. S. 198.<br />
Thematisch eng verbunden mit dem Ansatz der &#8222;Neu-Bespielung&#8220; ist Tobias Ebbrechts Argumentation bezüglich der Fiktionalisierung von Geschichte im zeitgenössischen &#8218;Historischen Event-Fernsehen&#8216; . Siehe Ebbrecht, Tobias: &#8222;History, Public Memory and Media Event. Codes and Conventions of Historical Event-Television in Germany&#8220;.  In:  Nicholas, Sian. O&#8216;Malley, Tom. Williams, Kevin (Hg.): Reconstructing the Past. History in the Mass Media 1890-2005. New York: Routledge, 2008. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-5'>Wenn ich mich richtig erinnere, begann <em>300</em> auch mit einer ausholenden Es-war-einmal-Rückblende über die Jugend des Protagonisten. Blieb mir aber sonst nicht sonderlich im Gedächtnis. Vielleicht nochmal anschauen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Ejchenbaum in Hollywood: Die Bedeutung der &#8222;Inneren Rede&#8220;</title>
		<link>http://herrvogel.net/2009/09/ejchenbaum-in-hollywood-die-bedeutung-der-inneren-rede/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 10:03:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Beeindruckende an den unterschiedlichen Fassungen von Francis Lawrence&#8216; I Am Legend ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Beeindruckende an den <a href="http://herrvogel.net/2009/04/i-am-legend-oder-die-feigheit-hollywoods/">unterschiedlichen Fassungen</a> von Francis Lawrence&#8216; <em>I Am Legend</em> ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige Dramaturgie betrachtet, funktionieren. So arbeiten beide Filme selbstverständlich mit denselben Fixpunkten der Handlung, doch haben sie eine jeweils andere Bedeutung. <span id="more-492"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"><img src="http://www.moviegod.de/images/galleries/images/00004/319/319_9395_l.jpg" alt="I Am Legend / Bild von MovieGod.de" /><span style="font-family: Tahoma,sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
(I Am Legend / <a href="http://www.moviegod.de/kino/galerie/319/i-am-legend">Bild von MovieGod.de</a>)</span></span></p>
<p>Betrachtet man zum Beispiel eine der Schlüsselszenen: Der sichtlich neben sich stehende Neville (Will Smith) tappt in eine Schlingfalle, wird vom Seil an den Füßen in die Luft gezogen und hängt kopfüber zwei Meter über dem Boden. Wirklich erklärt, wo diese Falle so plötzlich herkommt, wird in beiden Fassungen nicht. Die Kinoversion suggeriert allerdings, dass es Nevilles eigene Falle war, die er irgendwann gelegt hatte und die er schlicht vergaß – was einem weiteren Hinweis auf den zunehmenden Wahnsinn Nevilles bedeuten würde. In der alternativen Fassung hingegen wird deutlich, dass es nicht Nevilles Falle war, sondern eine vom „Alpha Male“ gelegte. Diese Interpretation wird gestützt von der Idee, dass die Mutanten in der alternativen Fassung keine hirnlosen Zombies sind, sondern eigenständig denkende Wesen. Der Alpha Male kopierte die Falle Nevilles, um ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen – um letztlich (wie sich herausstellt) seine Frau aus dem Labor Nevilles zu retten.<br />
Diese unterschiedlichen Auffassungen ein und derselben Szene sind schlichtweg erstaunlich – vor allem weil sie beide funktionieren. Zu betonen ist, dass an dieser speziellen Szene nichts geändert wurde. Hier ist es allein der Kontext der jeweiligen Filmfassungen, der die Bedeutung schafft. Die Frage nach Held und Antiheld ist hier lediglich eine nach dem Vorwissen des Zuschauers.</p>
<p>Damit ist ein Thema angerissen, das tief im modernen Filmverständnis gräbt &#8211; der Informationsvermittlung. Als Ansatz bieten sich hierzu immer an: die russischen Filmtheoretiker der 1920er Jahre. Das Schöne an den frühen Filmtheorien von Sergej Eisenstein, Wsewolod Pudowkin, Jurij Tynjanov und Co. ist nicht nur, dass sie &#8211; meist was die technische Umsetzung des Films angeht &#8211; maßgeblichen Einfluss auf die Filmtheorie hatten, sondern dass ihre Gedanken zum Film auch heute oft noch eins zu eins anwendbar sind. Ihre Ideen arbeiten derart an der Grundlage des Filmverständnisses, dass sie auch achzig Jahre später nicht alt werden.</p>
<p>Eine sehr schöne Theorie &#8211; praktisch meine Lieblingstheorie, und eine die wunderbar zu <em>I Am Legend</em> passt &#8211; ist Boris Ejchenbaums &#8222;Prozess der inneren Rede des Zuschauers&#8220;, geschrieben 1927.<br />
Ejchenbaum sah die „Filmkultur im Gegensatz zur Herrschaft der Wortkultur“, innerhalb derer der Zuschauer nach „Erholung vom Wort“ sucht: „er [der Zuschauer; Anm.] will einfach nur sehen und enträtseln.“<sup class='footnote'><a href='#fn-492-1' id='fnref-492-1'>1</a></sup><br />
Dieses Sehen und Enträtseln sind die Grundbestandteile der inneren Rede des Zuschauers im Sinne einer Deutung von empfangenen Zeichen und – sozusagen – eines Hinweise-Sammelns des Zuschauers:</p>
<blockquote><p>Eine der Hauptaufgaben des Regisseurs ist, so zu arbeiten, daß eine Einstellung beim Zuschauer &#8218;ankommt&#8216;, d.h daß dieser den Sinn einer Sequenz errät oder, m. a. W., ihn in die Sprache seiner inneren Rede übersetzt; folglich ist diese Rede ein bei der Konstruktion des Films selbst zu berücksichtigender Faktor.<sup class='footnote'><a href='#fn-492-2' id='fnref-492-2'>2</a></sup></p></blockquote>
<p>Letztlich findet sich laut Ejchenbaum auf Zuschauerseite eine Art stummer Dialog mit dem gezeigten Film, wodurch man sich die innere Rede durchaus als andauernde Fragestellungen vorstellen kann: stumme Fragen, die sich der Zuschauer beim Sehen des Films selbst stellt und welche im Verlauf und durch den Film schließlich beantwortet werden. Sprich: die Konstruktion der Handlung im Kopf des Zuschauers, welche Erwartungen schafft und als Grundlage für Plot-Twists und doppelte Böden dienen kann. Was Ejchenbaum überdies anspricht, ist die aktive Gestaltung dieser Fragen durch den Regisseur, das Vorwegnehmen und das Wissen darum, welche Fragen sich der Zuschauer später stellen wird. Wichtigstes Mittel zur Konstruktion der inneren Rede ist für Ejchenbaum das Filmbild und darüber hinaus die Montage dieser Bilder. Montage ist für ihn dabei nicht nur als „Sujetfügung“ zu verstehen, Ejchenbaum sieht in der stilistischen Funktion eine fundamentale Aufgabe der Montage: „Die Montage ist vor allem ein System der Einstellungsführung oder der Einstellungsverkettung, sie ist eine Art Syntax des Films.“<sup class='footnote'><a href='#fn-492-3' id='fnref-492-3'>3</a></sup> Diese Syntax als Satzlehre und als formale Ordnung der Bildkader kann durchaus als Basis für die hervorzurufenden Fragestellungen des Zuschauers gesehen werden.</p>
<p>Zentral scheint hier das Kriterium der Auswahl, also was vom Regisseur ausgewählt und dem Zuschauer zur Verfügung gestellt wird, damit dieser die Geschichte anhand der inneren Rede zusammen setzt. Im Umkehrschluss scheint jedoch nicht nur wichtig, das ausgewählt wird, was später im Film sein soll, sondern auch, was der Regisseur weglässt. Genau diese Frage beschäftigte auch Bela Bálazs 1923: „Und die Frage ist: Was kann man, was soll man weglassen?“<sup class='footnote'><a href='#fn-492-4' id='fnref-492-4'>4</a></sup><br />
Die Bedeutung des Ausgelassenen, des Weggelassenen, ist im Hinblick auf die Informationsvermittlung letztlich ebenso groß wie die Bedeutung dessen, was für den Film ausgewählt wurde. Was weggelassen wird, was gezeigt wird und vor allem: was wann gezeigt wird, beeinflusst die Fragen des Zuschauers unmittelbar, denn es schafft den Kontext. Balázs skizziert zusammenfassend die möglichen Auswirkungen:</p>
<blockquote><p>Wie dieselbe Geschichte ganz verschieden erzählt werden kann und ihre Wirkung eigentlich von der Prägnanz und dem Rhythmus der einzelnen Sätze abhängt, so wird die Bilderführung dem Film seinen rhythmischen Charakter geben.<sup class='footnote'><a href='#fn-492-5' id='fnref-492-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<p>Um zurück zu <em>I Am Legend</em> zu finden: Ein Vergleich der beiden Fassungen verdeutlicht sehr schön, in wie weit das &#8222;Weggelassene&#8220; (auch ohne das alternative Ende) einen neuen Film entstehen lassen kann. In der &#8222;Inneren Rede des Zuschauers&#8220; entstehen die Figuren, sie konstituieren sich aus dem, was (und was wie) gezeigt wird: So wird ein Held wird zum Antiheld und identische Szenen erhalten durch geänderten Kontext eine gänzlich neue Bedeutung. Und wie folgenschwer kleine Veränderungen sein können, lässt sich eindrucksvoll am <a href="http://herrvogel.net/2009/04/i-am-legend-oder-die-feigheit-hollywoods/">Beispiel <em>I Am Legend</em> ablesen</a> &#8211; Nicht nur, dass der Zuschauer komplett unterschiedliche Fragen an die beiden Filmfassungen stellt &#8211; er kommt so auch völlig unterschiedlichen Antworten.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span></p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-492-1'>Ejchenbaum, Boris M.: „Probleme der Filmstilistik“. In: Albersmeier, Franz-Josef (Hg.): Texte zur Theorie des Films. Stuttgart: Reclam, 2003. S. 107. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-2'>Ebda. S. 106 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-3'>Ebda. S. 116 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-4'>Balázs, Béla: Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2001. (Erstauflage im Deutsch-Österreichischen Verlag 1924). S. 85 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-5'>Ebda. S. 84 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>&#8222;Neue Wege im Blockbusterkino&#8220; &#8211; Celluloid Filmmagazin 5/2009 erschienen!</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 10:18:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[was über filme]]></category>
		<category><![CDATA[blockbuster]]></category>
		<category><![CDATA[essay]]></category>
		<category><![CDATA[print baby!]]></category>

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		<description><![CDATA[Freudige Ankündigung: Wo es einen ersten und einen zweiten Teil gibt, da folgt dieser Tage nun ein dritter. Aktuelles Thema meiner Serie/Essayreihe zum modernen Blockbusterkino sind 3D-Effekte im narrativen Spielfilm (Coraline, Ice Age 3, Avatar) und ihr möglicher Einfluss auf die Ästhetik des Kinos.
Zu haben ist Celluloid Nr. 5/2009 ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.celluloid-filmmagazin.com"><img class="size-full wp-image-1107 alignleft" style="margin-left: 0px; margin-right: 8px;" title="celluloid_5-2009_cover-2" src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/09/celluloid_5-2009_cover-2.jpg" alt="celluloid_5-2009_cover-2" width="192" height="252" /></a>Freudige Ankündigung: Wo es einen <a href="http://herrvogel.net/2009/04/essayreihe-zum-blockbusterfilm-ab-heute-im-celluloid-filmmagazin/">ersten</a> und einen <a href="http://herrvogel.net/2009/06/2-teil-der-essayreihe-zum-blockbusterkino-im-celluloid-filmmagazin/">zweiten</a> Teil gibt, da folgt dieser Tage nun ein dritter. Aktuelles Thema meiner Serie/Essayreihe zum modernen Blockbusterkino sind 3D-Effekte im narrativen Spielfilm (<em>Coraline</em>, <em>Ice Age 3</em>, <em>Avatar</em>) und ihr möglicher Einfluss auf die Ästhetik des Kinos.</p>
<p>Zu haben ist Celluloid Nr. 5/2009 ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa- Shops und in ausgewählten Programmkinos. Weitere Informationen auch auf der <a href="http://www.celluloid-filmmagazin.com/">Website</a> zum Magazin.</p>
<p>Eine Übersicht der bisher erschienenen Teile und aller weiteren Veröffentlichungen finden sich <a href="http://herrvogel.net/wer-was-warum/liste-aller-veroffentlichungen-print/">hier</a>.</p>
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		<title>#5 &#8211; Und der Oscar geht an</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 09:31:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[diplomarbeitstagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Und was bist du dann nach deinem Studium?&#8220; ist so eine Frage, die ich prinzipiell nur noch mit &#8222;Raketenwissenschaftler&#8220; beantworte. Oder richtiger: beantworten würde. Wenn ich denn cool wäre.
Stattdessen ringe ich. Studiert man Theater-, Film- und Medienwissenschaft, muss man vom ersten bis zum letzten Semester klarstellen, dass diese Ausbildung nichts mit Regieführen und Schauspielen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Und was bist du dann nach deinem Studium?&#8220; ist so eine Frage, die ich prinzipiell nur noch mit &#8222;Raketenwissenschaftler&#8220; beantworte. Oder richtiger: beantworten würde. Wenn ich denn cool wäre.<br />
Stattdessen ringe ich. Studiert man Theater-, Film- und Medienwissenschaft, muss man vom ersten bis zum letzten Semester klarstellen, dass diese Ausbildung nichts mit Regieführen und Schauspielen zu tun hat &#8211; und man selbst in Zukunft entsprechend wenige bis garkeine Oscars gewinnen wird. Ich sage dann immer: Wir sind die Theoretiker, die Regisseure und Schauspieler und Kameraleute die Praktiker. Was jedoch nicht heißt, dass Theoretiker nicht auch Praktiker sein könnten oder Praktiker Theoretiker. Da wird&#8217;s dann kompliziert. Ich sag dann immer: Ich bin kein Regisseur. Auch wenn ich damals beim Berufsberatungs-Schnelltest in der Schule meine Interessen soweit zurechtgelogen habe, dass unter den Top 3 meiner zukünftigen, für mich idealen Berufsbilder tatsächlich &#8222;Filmregisseur&#8220; auftauchte (wie im Übrigen auch &#8222;Fischer&#8220; und &#8222;Opernkomponist&#8220;).</p>
<p>Die Frau sagt dann immer, ich soll nicht so hart sein mit den Leuten. Und sie hat ja recht. Kein Mensch weiß, was genau Filmwissenschaft ist, und den meisten Leuten ist das dann natürlich entsprechend gleich. Und es fehlt ja die klare Linie: Studiert man Medizin, wird man Arzt. Studiert man Jura, wird man Anwalt. Studiert man Pharmazie, wird man Geisteskrank. Aber was wird man, wenn man Filmwissenschaft studiert hat? Ganz klar kein Regisseur. Doch unfair, finde ich. Bei Germanisten zum Beispiel, da fragt ja nie einer. Da heißt&#8217;s dann, was man später mal werden will und wie man sich das alles so vorstellt. Das klingt dann wesentlich positiver als bei uns, den obsukuren Filmheinis. Bei Germanistik, da weiß jeder: den Guten stehen die Toren zur Welt offen und den Schlechten die zum Arbeitsamt. Bei uns ist das praktisch genauso, sag ich dann immer. Die Frau meint, ich soll nicht so gemein sein zu den Leuten, sie habe auch nie so genau gewusst, was ich hier eigentlich mache. Ich nehme es ihr nicht übel, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie sich weigert, mein Blog zu lesen. Doch vorm Schlafengehen denk ich dann manchmal, ich wäre wohl besser Fischer oder Opernkomponist geworden, statt Regisseur.</p>
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		<title>#4 &#8211; Bitburg</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 17:38:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[notizen]]></category>
		<category><![CDATA[diplomarbeitstagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Wo fing das an, was ist passiert, was hat [m]ich bloß so ruiniert?&#8220;, wurde neulich gefragt, mitten hinein in die Rückkehr nach Heimatstadt, ins Herz der an rostende Kleinwagen gebundenen Nostalgie. Ich erinnere mich an den roten Opel Corsa und den weißen Renault 5. An Millencolin und Lagwagon und die Skateboards und die Akustikgitarren am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Wo fing das an, was ist passiert, was hat [m]ich bloß so <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JE0vmyo1j4M">ruiniert</a>?&#8220;, wurde neulich <a href="http://twitter.com/riot36/status/3332374157">gefragt</a>, mitten hinein in die Rückkehr nach Heimatstadt, ins Herz der an rostende Kleinwagen gebundenen Nostalgie. Ich erinnere mich an den roten Opel Corsa und den weißen Renault 5. An Millencolin und Lagwagon und die Skateboards und die Akustikgitarren am Stausee. An Sechserpack Bitburger und enge Straßen mit Wald neben damals langweiligen, heute schönen Maisfeldern. August! schreit der Hochsommer und der Apfelbaum wirft mit Obst. Ich höre, andere wären auch wieder da. Sie schreiben Arbeiten oder arbeiten was sie gelernt haben. Ich rufe Mainz 2010, Berlin 2011! August! bald ist Weihnachten.</p>
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