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#5 – Und der Oscar geht an

24. August 2009 | notizen

„Und was bist du dann nach deinem Studium?“ ist so eine Frage, die ich prinzipiell nur noch mit „Raketenwissenschaftler“ beantworte. Oder richtiger: beantworten würde. Wenn ich denn cool wäre.
Stattdessen ringe ich. Studiert man Theater-, Film- und Medienwissenschaft, muss man vom ersten bis zum letzten Semester klarstellen, dass diese Ausbildung nichts mit Regieführen und Schauspielen zu tun hat – und man selbst in Zukunft entsprechend wenige bis garkeine Oscars gewinnen wird. Ich sage dann immer: Wir sind die Theoretiker, die Regisseure und Schauspieler und Kameraleute die Praktiker. Was jedoch nicht heißt, dass Theoretiker nicht auch Praktiker sein könnten oder Praktiker Theoretiker. Da wird’s dann kompliziert. Ich sag dann immer: Ich bin kein Regisseur. Auch wenn ich damals beim Berufsberatungs-Schnelltest in der Schule meine Interessen soweit zurechtgelogen habe, dass unter den Top 3 meiner zukünftigen, für mich idealen Berufsbilder tatsächlich „Filmregisseur“ auftauchte (wie im Übrigen auch „Fischer“ und „Opernkomponist“).

Die Frau sagt dann immer, ich soll nicht so hart sein mit den Leuten. Und sie hat ja recht. Kein Mensch weiß, was genau Filmwissenschaft ist, und den meisten Leuten ist das dann natürlich entsprechend gleich. Und es fehlt ja die klare Linie: Studiert man Medizin, wird man Arzt. Studiert man Jura, wird man Anwalt. Studiert man Pharmazie, wird man Geisteskrank. Aber was wird man, wenn man Filmwissenschaft studiert hat? Ganz klar kein Regisseur. Doch unfair, finde ich. Bei Germanisten zum Beispiel, da fragt ja nie einer. Da heißt’s dann, was man später mal werden will und wie man sich das alles so vorstellt. Das klingt dann wesentlich positiver als bei uns, den obsukuren Filmheinis. Bei Germanistik, da weiß jeder: den Guten stehen die Toren zur Welt offen und den Schlechten die zum Arbeitsamt. Bei uns ist das praktisch genauso, sag ich dann immer. Die Frau meint, ich soll nicht so gemein sein zu den Leuten, sie habe auch nie so genau gewusst, was ich hier eigentlich mache. Ich nehme es ihr nicht übel, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie sich weigert, mein Blog zu lesen. Doch vorm Schlafengehen denk ich dann manchmal, ich wäre wohl besser Fischer oder Opernkomponist geworden, statt Regisseur.

#4 – Bitburg

18. August 2009 | notizen

„Wo fing das an, was ist passiert, was hat [m]ich bloß so ruiniert?“, wurde neulich gefragt, mitten hinein in die Rückkehr nach Heimatstadt, ins Herz der an rostende Kleinwagen gebundenen Nostalgie. Ich erinnere mich an den roten Opel Corsa und den weißen Renault 5. An Millencolin und Lagwagon und die Skateboards und die Akustikgitarren am Stausee. An Sechserpack Bitburger und enge Straßen mit Wald neben damals langweiligen, heute schönen Maisfeldern. August! schreit der Hochsommer und der Apfelbaum wirft mit Obst. Ich höre, andere wären auch wieder da. Sie schreiben Arbeiten oder arbeiten was sie gelernt haben. Ich rufe Mainz 2010, Berlin 2011! August! bald ist Weihnachten.

#3 – Sechsundzwanzig Fünfundvierzig

28. Juli 2009 | notizen

26,45 ist die magische Zahl, Einheit Euro, die ich gerade für einen wissenschaftlichen Fachtext ausgegeben habe, der nicht in Bibliotheken oder sonstwo günstig zu erwerben war, sondern nur als PDF und HTML käuflich im Internet. Willkommen also, in der Welt der Wissenschaft! Will sagen: Der richtigen Wissenschaft! Der Diplomarbeitsliteratur! Da wird noch Geld ausgegeben! Natürlich hätte ich auch die 105 Euro für die gesamte „New Review of Film and Television Studies“ hinlegen können, doch ich entschied mich für die abgespeckte Einzeltextvariante – Was der Mann von Uni wirklich braucht! – für schnäppchenhafte 26,45 inklusive VAT. Für 16 Seiten – ohne zu wissen was wirklich drin steht – schon ein stolzer Preis, doch ist dieser Text augenscheinlich so zentral für meine Diplomarbeit, dass ich wohl auch das Doppelte bezahlt hätte. Denn die beiden bekanntesten Wissenschaftler im Feld meines Diplomarbeitsthemas (dem Dokudrama), Derek Paget und Steven Lipkin, besprechen hier, was rein zufällig genau mein Untersuchungs- gegenstand ist: Die HBO-Miniserie Band of Brothers. Essentiell, muss gelesen werden, sonst braucht man gar nicht anfangen. Auch trifft sich das natürlich gut, könnte man denken, die beiden oft Zitierten schreiben zu genau meiner Miniserie. Vor allem da ich von diesem Text nichts wusste und dieser noch gar nicht veröffentlicht war, als ich Essay und Seminararbeit zu dem Thema schrieb, eine angenehme Überraschung. Doch, mal andersrum gedacht, eben weil ich nichts davon wusste und mir das Hirngespinnst einer eigenen zentralen Idee aufgebaut habe, bleibt nur zu hoffen, dass mein blühender Untersuchungsgegenstand nicht über Nacht als beackertes Feld markiert wurde und diese beiden Herren in ihrem Text nicht schon meine gesamte Diplomarbeit vorweg genommen haben. Auf 16 Seiten, ja, die könnten das.

Nun liegen besagte Seiten in ausgedruckter Form neben mir – und ich traue mich nicht reinzulesen. Nicht nur wegen der möglichen Auswirkungen, auch weil großer Wendepunkt im Sommer 2009: Es würde bedeuten, dass die Arbeit an meiner Diplomarbeit beginnt, endgültig, weniger theoretisch und überaus praktisch. Ich wäre in Gedanken nicht mehr im Urlaub, sondern an der Arbeit, der unaufhaltsame Prozess der schlaflosen Nächte und des Notizblock-Durcheinanders würde seinen Lauf nehmen, man müsste einen Plan machen, frühmorgens aufstehen und sich hinsetzen und alle Texte nochmal und überhauptmal lesen und alles das tun, wovon ich noch nicht weiß, ob es nicht noch eine Woche Zeit hat. Die Umzugswoche Wien-Bitburg ist gerade erst verdaut und ich muss noch ein paar andere Dinge – zum Beispiel diverse filmjournalistische Essayteile – schreiben, bevor ich mich dem Neuen widme. Arbeit und Aufgabe, doch erstmal diese 16 Seiten lesen und gucken, ob da nicht grundsätzlich korrigiert werden muss. Ich denke schon. Ich denke nicht.

Das Akkordeon

06. Juli 2009 | ausgedachtes

Über Josef Winklers Rede „Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär“, gehalten anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises am 1. November 2008 in Darmstadt.1

Worum es geht: Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Doch sind diese zwölf Druckseiten das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Gut, das zu sagen ist natürlich übertrieben und dient der dramaturgisch selbstverständlich außerordentlich durchdachten Exposition dieser Zeilen. Aber dennoch: gerade jetzt, zu dieser Zeit, klingt es nach zuviel des Lobes, Winklers Text an die Spitze meiner aktuellen Leseliste zu stellen, denn mir sind in den letzten Wochen und Monaten komischerweise viele wirklich gute Bücher in die Hände gefallen. Unverhältnismäßig viele, würde ich behaupten, auch wenn dies wohl nicht jeder, schon gar nicht Josef Winkler, tun würde. Vielleicht aber, und das ist sehr warscheinlich der näher liegende Grund, bin ich derzeit auch nur leicht zu beeindrucken. Vielleicht auch, weil ich selbst mal wieder versuche zu schreiben, ein bißchen hier ein bißchen da ein bißchen was in Planung, und überall nach guten Gründen suche, das alles am besten bleiben zu lassen. Gute Gründe wie Josef Winkler zum Beispiel, dessen Preisrede anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2008 – um es nochmal zu sagen, auch wenn es nur halb stimmt – das Beste ist, was ich in letzter Zeit gelesen habe.

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  1. Als PDF online abrufbar auf deutscheakademie.de unter Josef Winkler, 2008. Sehr lesenswert übrigens.

Der Plastikfilm

02. Juli 2009 | was über filme

Filme von Michael Bay und Hip Hop von 50 Cent haben eine große Gemeinsamkeit: Es ist nahezu unmöglich, sie gegen die Kritik zu verteidigen. Doch was sich mit eingängigen Beats und netten Melodien, kurzweiliger Unterhaltung und Geschmacksfragen herbei argumentieren lässt, bekommt in Sachen Endprodukt jedoch ein echtes Problem, wenn die schönen Oberflächen rissig werden und keine Substanz da ist, um Vergeigtes abzupuffern. So geschehen bei 50 Cents letztem Album, so geschehen nun auch bei Michael Bays aktuellem Blockbuster Transformers – Revenge of the Fallen.

Transformers - Die Rache / Bild von MovieGod.de
(Transformers – Die Rache / Bild von MovieGod.de)

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#2 – Ich sing dir ein Lied von Marilyn Monroe

29. Juni 2009 | notizen

„Jetzt klicken wir hier, dann kommen wir dort hin“, sagte der Herr Junior- professor so oder so ähnlich via Audiostream, welcher dankenswerterweise bereitgestellt wurde, um der Vorlesung auch bequem von der heimischen Couch beizuwohnen. Nur dass ich beim Besuch des dort besprochenen virtuellen Museums zwar den Anweisungen folgend immer „hier“ klickte, aber nie „dort“ landete, sondern immer bei einem Nacktfoto von Marilyn Monroe.

Bene. Mediale Desorientierung, aber nur kurzeitig. Es folgte der Abschluss einer hörenswerten Veranstaltung mit durchaus vorhandenen Showqualitäten, fehlte nur der Gesang. Heute morgen nun die Klausur, keine unwichtige noch dazu, denn letzte reguläre Prüfung und noch einmal mit Gefühl, man kennt das. Ein kleiner, feiner Moment der Freiheit, der nur dadurch etwas ausgebremst wird, dass der wirklichen Freiheit noch diese Kleinigkeit namens Diplomarbeit im Weg steht. Doch eins nach dem anderen, erst krabbeln, dann gehen, dann laufen. Mittendrein, und das muss auch mal sein, Zeit für Reflexion, die Füße hochlegen, Filme nur des Vergnügens wegen schauen und kurz urlauben. Als erste Amtshandlung der jüngst installierten Freizeitregierung (Wahlmotto: Spaß! Spaß! Spaß!) werde ich dieses wunderbare Browsergame in Angriff nehmen, wo man einen kleinen Affen spielt, der mit Dartpfeilen auf Luftballons schießt. Danach werde ich mir Marilyn Monroe anschauen, in der Rolle ihres Lebens als wegretuschierte Tätowierung auf dem Unterarm von Megan Fox in Transformers – Revenge of the Fallen.

Und in drei Wochen bin ich zurück in der heimatlichen Bierstadt, sitze am See oder am Schreibtisch, ordne die Texte zur Diplomarbeit, feiere freudiges Wiedersehen. Und die Frau und ich, wir werden abends auf Terassen sitzen, importiertes Ottakringer trinken und die Zukunft planen. Ottakringer nach Bitburg zu tragen ist zwar wie Holz in den Wald, natürlich, aber eines der Dinge, die ich gern behalten will. Life is good.

#1 – Ledertasche schreibt Diplomarbeit

26. Juni 2009 | notizen

Es begann alles damit, dass ich über Richard Linklater schreiben wollte.

So jedenfalls sollte diese Textreihe, die im Übrigen erst ab Juli geplant war, ursprünglich beginnen. Doch wie meine Diplomarbeit über Richard Linklater nie zu Stande kam, so kam es auch, dass ich heute stundenlang mit vom Juniregenscheißwetter nassen Socken an verschiedenen Wiener Institut(ion)en rumsaß, sprich: es kam anders als geplant. Weiterlesen »

2. Teil der Essayreihe zum Blockbusterkino im Celluloid-Filmmagazin!

22. Juni 2009 | was über filme

Celluloid Filmmagazin - Essayreihe zum Blockbusterkino

Es folgt bescheidene Eigenwerbung für glorreiche Erzeugnisse persönlicher Schreibarbeit! Im kürzlich erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der zweite Teil meiner Essayreihe „Neue Wege im Blockbusterkino“ abgedruckt. Nach dem einleitendem ersten Teil über Peter Jacksons King Kong ist das Thema diesmal: Megan Fox‘ Körper Michael Bays Transformers und die Rolle der Frau als filmische Attraktion. Freundlicherweise war man seitens Chefredaktion bereit, meine These mit entsprechendem Bildmaterial zu unterstützen.

Zu haben ist Celluloid Nr. 4/2009 ab sofort gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos. (Ich werde nicht müde, diese Formulierung cool zu finden)

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