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„Doch ich weiß tief in meinem Inneren, will ich auch gar nicht anders sein“

24. Mai 2009 | notizen

Es gibt neues aus dem NilsTrotzVogel-Kosmos! Genauer gesagt: Nils, ein Drittel unserer literarischen Rockband und der adrette junge Herr auf dem Foto oben, hat dieser Tage seine neue CD veröffentlicht: die wundervolle „Viel zu früh und immer wieder“ (FRW records).  Reinhören und weitersagen! Und wie es sich gehört in gepflegten Musikerkreisen, wurde vergangenen Freitag eine gediegene Release-Sause veranstaltet. Der Trotz und ich, verkleidet als Konzertfotografen, waren dabei: Unterwegs nach Mödling – Road Trip!

Die Epstein Fragmente #2

20. Mai 2009 | ausgedachtes

So ein Blödsinn, sagte er und meinte das eigentlich gar nicht so. Sie sagte, es ginge doch sowieso nur um Sex. Typisch Mann, sagte sie, von was anderem könnt und wollt ihr alle nicht schreiben.

Er sagte, so stimme das ja auch wieder nicht und versuchte, ihr nicht allzu auffällig aufs Dekolleté zu schauen. Epstein fühlte sich ertappt von den Frauen und vom Frühling und verlor langsam den Glauben an seine selbstauferlegte Vorbestimmung, ein Autor zu werden. Im Grunde aber hörte er einfach nur auf, an rote Kleider zu glauben.


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Bisherige Fragmente: #1

Das rote Kleid (Fragmente für die Welt! #1)

12. Mai 2009 | ausgedachtes

Ein Augenaufschlag genügte, um ihm das Gehirn gleich zwei Etagen tiefer zu legen. Anfangs fragte er sich gar nicht, warum sich diese Frau, ja, diese wahre Dame so kam sie ihm vor, in einem fast leeren Überlandbus ausgerechnet ihm gegenüber setzte, es wären ja genug andere Plätze frei gewesen. Mit dem Gehirn in der Hose aber, da hält auch er sich schonmal für einen kleinen Don Juan, einen Begehrten, der die Chance nur ahnen muss, um sie zu nutzen. Hätte er die Gedanken ein bißchen fokussieren und übereinandergeschlagene Beine ignorieren können, seien sie noch so makellos und schlank und eingerahmt von feinstem Stoff, dann wäre ihm vielleicht die Skepsis gekommen. Nicht nur, warum diese Dame sich ausgerechnet neben ihn setzte. Vielleicht wäre ihm die ganze Szene komisch vorgekommen, mit rotem Kleid im Bus für Weitgereiste. Denn Weitgereiste haben immer viel Gepäck, tragen alles mit sich rum, einen Koffer vielleicht, Rucksäcke und Taschen und die liegen dann im Bus neben einem und warten drauf, dass man sie nach der Busfahrt wieder durch die Gegend trägt. Die Dame in rot allerdings, die trug nur eine kleine Handtasche mit sich, daraufgestickt eine kleine Rose. Und die fiel ihm auch nur auf, weil die Dame aus dieser Tasche einen kleinen Spiegel zog, sich kurz darin betrachtete und den Spiegel mit gekonnten Handgriffen wieder zuklappte und in einer perfekt choreografierten Bewegung verstaute. Gekonnt, dachte er sich da, alles was sie tut, das wirkt gekonnt und so elegant und anmutig. Es passte ins Bild, im Kleinen machte es alles Sinn. Diese Frau, wie sie sich gab, das machte Sinn. Aber der große Kontext, dass ihr Erscheinen am Sitz gegenüber eben überhaupt nicht ins Bild passte, das sah er nicht. Wie denn auch, wenn sich die Gedanken über das Kleid eigentlich immer nur auf das Darunter konzentrieren.

In einer weiteren ihrer perfekten Bewegungen drehte die Dame dann den Kopf, wandte sich ihm zu und sagte Guten Morgen, als würden sie sich seit zehn Jahren kennen. Gegrüßt wie ein alter Bekannter wünschte er ebenfalls einen Guten Morgen und dachte sich, wie wundervoll die Dame diese schlankschönen, scheinbar niemals in Füße mündenden Beine vor diesem Bussitz unterbrachte. Jeder weiß ja wie eng solche Busse heutzutage sind, auch dazu hätte man sagen können: elegant verstaut. Und schon wieder begann er nachzudenken. Darüber, wie er dieses Guten Morgen gerade gesagt hatte, welchen Unterton er dem Gruß verpasst hatte und ob überhaupt. Er hoffte natürlich, es klang nach einem charmanten Nett, ihre Bekanntschaft zu machen meine Gnädigste. Weil in Österreich, das fand er so toll, da gibt es sie noch, die förmlichen respektvollen Anreden wie sonst nur in alten Filmen. Doch mit einer gewissen Berechtigung fürchtete er, sein Guten Morgen klang weniger nach Meine Gnädigste und mehr nach Zu mir oder zu Dir?

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Aus den unfertigen Abenteuern eines gewissen Herrn Epstein. Er trägt Hüte und zu kleine Anzüge, reist aber sehr gerne; um mal wieder das Ausgedachte zu bedienen.

I Am Legend oder die Feigheit Hollywoods

30. April 2009 | was über filme

Es fällt schwer, die ersten beiden Drittel von I Am Legend nicht zu mögen. Umso leichter fällt es aber, das letzte Drittel zu verdammen – und gut wie gerne für alles verantwortlich zu machen, was im modernen Hollywoodkino nicht stimmt. An dieser Stelle sei eine ausdrückliche Spoilerwarnung ausgesprochen – zur Kinofassung und zur alternativen Fassung.

I Am Legend / Bild von MovieGod.de
(I Am Legend / Bild von MovieGod.de)
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Essayreihe zum Blockbusterfilm ab heute im Celluloid-Filmmagazin!

29. April 2009 | was über filme

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Freude! Im heute erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der erste Teil meiner Textreihe zum modernen Blockbusterkino abgedruckt. Thema des Auftaktessays: Die filmische Attraktion als Erfolgsrezept im Blockbuster, von Traditionslinien und dem Geschäft mit dem Sehgenuß. Erste Station: Peter Jacksons King Kong-Remake von 2005.

Zu haben ist das neue Celluloid (Nr. 3/2009) ab 29. April im gut sortierten Zeitschriftenhandel (das wollte ich schon immer mal schreiben), in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos.

Jura Soyfer – Die Theaterstücke, erster Blick

29. April 2009 | notizen

Meine Damen und Herren! Wie aus einem Füllhorn – wie aus einem Füllhorn, oder um bildlich zu sprechen: Wie aus einem Füllhorn. Händeklatschen. Jawohl. Das astorische Füllhorn hat lauter getönt als das rohköstlerische Fagott. (Astoria)

Der typische Student der Wiener Theater-, Film- und Medienwissenschaft verbringt einen Großteil seines Studiums in nur zwei Hörsälen – einer davon ist der Jura-Soyfer-Saal in der Hofburg. Als mich Kollege Grundtner vor vier Jahren erkundungstechnisch durchs Institut führte, habe ich nur „Jura Säufer Saal“ verstanden und gelacht. Was weiß denn ich wer Jura Soyfer war? Und viel mehr als mal den Wikipedia-Artikel über Soyfer – wie auch über Joseph Schreyvogel, den Namenspatron des zweiten Institutshörsaals – durchzulesen, hab ich seitdem nicht fertig gebracht. Mit meinem Unwissen war und bin ich aber nicht allein, wie man so hört. Obwohl Soyfers Texte in zig Sprachen übersetzt wurden, ist er heute nicht unbedingt der allgemein-bekannteste Autor. Praktisch kennt ihn fast niemand. Mein komplettes Unwissen änderte sich dann mit diesem, meinem wohl letzten Semester. Wurde auch mal Zeit. Bildet überdies eine schöne thematische Klammer des Studiums, was man auch als Anekdote zum Beispiel in Blogeinträgen verwenden kann.

Denn, wie ich in der aktuellen Vorlesung/Übung über sein Leben und Werk gelernt habe: Jura Soyfer besitzt. Alles. Vier seiner fünf Theaterstücke – Der Weltuntergang, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, Astoria, Vineta (Die versunkene Stadt) - habe ich mittlerweile gelesen und weiß auch ungefähr, in welche Richtung sich mein für Juni geplanter Abschlussaufsatz entwickeln wird. Denn was mich so beeindruckt hat: Soyfer schreibt erstaunlich visuell, scheint stets darum bemüht, die Bühne und ihre (Un-)Möglichkeiten auszunutzen. Sei es die Rückreise in der Zeit im Lechner Edi oder die versunkene Stadt, in der die Zeit still steht in Vineta. Was mich mehr als einmal überrascht hat – sowohl sprachlich, als auch von der Geschichte insgesamt – das war der unglaublich direkte, unkomplizierte Humor. Der ergibt in Verbindung mit den teils ernsten Hintergründen von Soyfers Geschichten eine ganz eigene, unwirkliche Atmosphäre, die zum Ende hin immer in eine Tragödie oder eine Komödie kippen kann. Selten so gerne Theatertexte gelesen.
Soyfers Protagonisten sind immer auf der Reise und auf der Suche – meist nach einer Verbesserung ihrer oder allgmeiner Umstände. Sie betreten dabei immer ein Terrain, auf dem sie sich nicht auskennen und/oder mit ihren Wünschen gegen übergroße Wände laufen. Unverstandenheit ist ein ganz großes, wiederkehrendes Motiv innerhalb dieser Reisen – wie auch Krieg, Armut und Bürokratie. Ich finds erstaunlich, wie viele kleine und weniger kleine Ideen und Anspielungen Soyfer unterbringt und bei aller erzählerischer Vielfalt insgesamt nicht seine Richtung verliert. Letztlich ist es sein Stil, nicht nur der sprachliche, der mich so beeindruckt hat.

Neulich unterhielt ich mich mit dem Buchhändler meines Vertrauens. Wir sprachen über die Soyfer-Werkausgabe, die nun auch in vier Einzelbänden erhältlich ist. Die alte Ausgabe, sagte er, dieses riesige, unhandliche Ding sei ja eine haptische Katastrophe gewesen. Gut also die Aufteilung von 2002.
Dann fügte er hinzu: Auf der anderen Seite dürfe man eigentlich froh sein, dass heute überhaupt noch etwas von Soyfers Texten erhalten ist.
Soyfer starb 1939 im KZ Buchenwald, mit 26.

Der Sonntagnachmittagsfilm

26. April 2009 | was über filme

The World’s Fastest Indian (Roger Donaldson, 2005)

Ich dachte nur: Wieder so ein sentimaler Scheiß. Keine Ahnung warum ich die DVD überhaupt gekauft hatte, Ewigkeiten her, für kein Geld in England mitbestellt. In Vergessenheit geraten stand The World’s Fastest Indian seitdem in Folie geschweißt in den unteren Regalen rum.

Aber gut, dass es Sonntagnachmittage gibt.

The World's Fastest Indian / Bild von MovieGod.de
(The World’s Fastest Indian / Bild von MovieGod.de)

Die Geschichte natürlich, die kennt jeder 10-jährige schon zu Genüge. Der Sportfilm ist wohl das mit Abstand am wenigsten wandelbare Genre überhaupt. Immer und immer wieder geht es um das eine große (Lebens-)Ziel, das am Ende als Sieger oder, wenn nicht, zumindest als moralischer Sieger erreicht wird. Und hier ist es eben Anthony Hopkins als Burt Munro, der irre schnell Motorrad fahren will und dafür um die halbe Welt reist. Doch in genau diesem Satz finden sich schon die drei Gründe, die The World’s Fastest Indian sehenswert machen: Anthony Hopkins, Burt Munro, Reise um die halbe Welt.

Genau genommen ist der Film ein Road-Movie im Sportfilmkostüm, das seine kauzige Hauptfigur von Station zu Station führt, von Neuseeland nach Salt Lake City. Zahllose herrlich geschriebene Figuren bereiten letztlich einen Weg hinein ins amerikanische Sportlerherz – und auch das ist, wie alle anderen in diesem Film, ein gutes. Kein Kitsch, viel Herz. The World’s Fastest Indian ist ein Film über gute Seelen. Es gibt sie, zumindest im Sonntagnachmittagsfilm.

Bildschirmmedien im Science Fiction Film: (6) Fazit (überarbeitet)

24. April 2009 | was über filme

Im Vorwort dieses Essays schrieb ich, dass die Untersuchung letzten Endes ein wenig gescheitert ist. Wobei, gescheitert ist hierbei vielleicht der falsche Ausdruck, es kam einfach etwas anderes dabei heraus, als das, worauf ich anfangs hinaus wollte. Ich dachte, es ließen sich zwei Einsatzbereiche von Bildschirmmedien im zeitgenössischen Science-Fiction-Film unterscheiden: Einerseits die optische Funktion, das Zeigen einer Zukunftswelt, und andererseits die inhaltliche Funktion, die Bedeutung der Screens für die Handlung eines Films. Das hätte dann in einem schönen Fazit resultieren sollen, über den oberflächlichen Einsatz von Bildschirmen (zum Beispiel in Blockbusterfilmen) und einer tiefer gehenden Bedeutung (zum Beispiel in klaren Dystopien). Doch wie sich herausstellte, war das nicht so einfach – und letztlich nicht möglich. Vielmehr zeigte sich, dass Bildschirme in den untersuchten Science-Fiction-Filmen – von Nineteen Eighty-Four und dessen Klonen über die Philip-K.-Dick-Adaptionen bis hin zu Blockbusterproduktionen wie Michael Bays The Island oder Filmen wie Gattaca und Southland Tales – letztlich immer eine Mischform beider Einsatzbereiche findet. Der Einsatz der Screens variiert dabei von Film zu Film: Oftmals haben sie nicht nur eine vorwiegend ästhetische Aufgabe zu erfüllen, sie können auch entscheidend helfen, die Handlung voran zu treiben – Stichwort: MacGuffin-Funktion. So hat sich also herausgestellt, dass selbst in Filmen wie Minority Report – wo Bildschirme hauptsächlich zum Zwecke des Zeigens einer Zukunftswelt eingesetzt werden – Screens eine auch für die Handlung wichtige Rolle einnehmen können. Zwar mit individuellen Differenzierungen, die aber immer in einem Bedingungsverhältnis von Form und Inhalt stehen und sich einer klaren Einteilung entziehen.

Doch ausgehend davon fand sich etwas anderes, eine im Grunde wesentlich interessantere Beobachtung: Denn in allen in diesem Essay untersuchten Filmen geht es im Grunde um die Vortäuschung von Tatsachen, dem Propagieren einer Realität, oft und meist zur Sicherung eines portraitierten Staates oder eines anderen bestehenden Systems. Die Funktion der Bildschirme im Stadtbild der phantastischen Stadt ist meist festgeschrieben: Sie dienen der Werbung, der Propaganda, und tragen Sorge für eine flächendeckende Verbreitung der (propagandistischen) Nachrichten. Sie etablieren die von diversen Obrigkeiten inszenierte Realität und helfen, diese aufrecht zu erhalten. Aufgabe der Protagonisten fast aller Filme ist es meist, dieses auf den öffentlichen Screens gezeigte Bild zu hinterfragen und die Wahrheit hinter der propagierten Realität heraus zu finden. Nicht selten handelt es sich um Figuren des repressiven Systems selbst, die sich letztlich gegen das eigene System stellen.

Die öffentlichen Bildschirme halfen hier fast ausschließlich, diese im Film imaginäre Realitätseben zu erschaffen, sie zu definieren und zu verändern. Im Rahmen der filmischen Darstellung dieser Realitätsebene operieren Screens dann wiederum mit den ursprünglich untersuchten Funktionen: zwischen dem Zeigen der Zukunft und der Bedeutung für die Dramaturgie als den zwei Grundaufgaben.


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Übersicht:

„Bildschirmmedien im (ausgewählten) zeitgenössischen Science-Fiction-Film: Eine Untersuchung im Hinblick auf dramaturgische und stilistische Funktionen, sowie den Einsatz im Stadtbild“

(1) (Überarbeitete) Einleitung
(2) Big Brother always wins: Nineteen Eighty-Four
(3) Don’t let the man get you down: Equilibrium und V For Vendetta
(4) Philip K. Dick: Total Recall, Minority Report, A Scanner Darkly
(5) Overkill und Minimalismus: Southland Tales, Gattaca, The Island

Überarbeiteter Abschlussessay zur LV „Die phantastische Stadt. Elemente einer Geschichte des Phantastischen Films 1″ (Mag. Thomas Ballhausen), Uni Wien, Sommersemester 2008

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