RSS-Feed twitter facebook flickr xing

Posts Tagged ‘beim aufräumen gefunden’

Das Akkordeon

06. Juli 2009 | ausgedachtes

Über Josef Winklers Rede „Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär“, gehalten anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises am 1. November 2008 in Darmstadt.1

Worum es geht: Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Doch sind diese zwölf Druckseiten das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Gut, das zu sagen ist natürlich übertrieben und dient der dramaturgisch selbstverständlich außerordentlich durchdachten Exposition dieser Zeilen. Aber dennoch: gerade jetzt, zu dieser Zeit, klingt es nach zuviel des Lobes, Winklers Text an die Spitze meiner aktuellen Leseliste zu stellen, denn mir sind in den letzten Wochen und Monaten komischerweise viele wirklich gute Bücher in die Hände gefallen. Unverhältnismäßig viele, würde ich behaupten, auch wenn dies wohl nicht jeder, schon gar nicht Josef Winkler, tun würde. Vielleicht aber, und das ist sehr warscheinlich der näher liegende Grund, bin ich derzeit auch nur leicht zu beeindrucken. Vielleicht auch, weil ich selbst mal wieder versuche zu schreiben, ein bißchen hier ein bißchen da ein bißchen was in Planung, und überall nach guten Gründen suche, das alles am besten bleiben zu lassen. Gute Gründe wie Josef Winkler zum Beispiel, dessen Preisrede anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2008 – um es nochmal zu sagen, auch wenn es nur halb stimmt – das Beste ist, was ich in letzter Zeit gelesen habe.

Weiterlesen »

  1. Als PDF online abrufbar auf deutscheakademie.de unter Josef Winkler, 2008. Sehr lesenswert übrigens.

Der Sonntagnachmittagsfilm

26. April 2009 | was über filme

The World’s Fastest Indian (Roger Donaldson, 2005)

Ich dachte nur: Wieder so ein sentimaler Scheiß. Keine Ahnung warum ich die DVD überhaupt gekauft hatte, Ewigkeiten her, für kein Geld in England mitbestellt. In Vergessenheit geraten stand The World’s Fastest Indian seitdem in Folie geschweißt in den unteren Regalen rum.

Aber gut, dass es Sonntagnachmittage gibt.

The World's Fastest Indian / Bild von MovieGod.de
(The World’s Fastest Indian / Bild von MovieGod.de)

Die Geschichte natürlich, die kennt jeder 10-jährige schon zu Genüge. Der Sportfilm ist wohl das mit Abstand am wenigsten wandelbare Genre überhaupt. Immer und immer wieder geht es um das eine große (Lebens-)Ziel, das am Ende als Sieger oder, wenn nicht, zumindest als moralischer Sieger erreicht wird. Und hier ist es eben Anthony Hopkins als Burt Munro, der irre schnell Motorrad fahren will und dafür um die halbe Welt reist. Doch in genau diesem Satz finden sich schon die drei Gründe, die The World’s Fastest Indian sehenswert machen: Anthony Hopkins, Burt Munro, Reise um die halbe Welt.

Genau genommen ist der Film ein Road-Movie im Sportfilmkostüm, das seine kauzige Hauptfigur von Station zu Station führt, von Neuseeland nach Salt Lake City. Zahllose herrlich geschriebene Figuren bereiten letztlich einen Weg hinein ins amerikanische Sportlerherz – und auch das ist, wie alle anderen in diesem Film, ein gutes. Kein Kitsch, viel Herz. The World’s Fastest Indian ist ein Film über gute Seelen. Es gibt sie, zumindest im Sonntagnachmittagsfilm.

Die Windmühlen: Das hat gerade noch gefehlt

14. April 2009 | ausgedachtes

Betrachtet man die holde Frauenwelt vom durchaus sinnigen sexistischen Standpunkt, dass man sie eigentlich alle fein säuberlich in optische Qualitätskategorien von 1 bis 10 einsortieren kann, dann ist eines ganz und gar unwahrscheinlich: Die 10. Die Höchstnote in Sachen weiblicher Attraktivität, unmöglich zu erreichen, denn – schlicht und ergreifend – es gibt sie nicht. Kommt es aber vor, dass ein männliches Wesen auf ein weibliches trifft, das in dessen Verständnis der Welt, der Gerechtigkeit und allem anderen tatsächlich diesem utopischen Wert der 10 auch nur nahe kommt, dann sind vielerlei Wunder möglich. Ganze Räume, ja Turnhallen und Schwimmbäder, Horizonte und Parkanlagen beginnen hellauf zu leuchten. Und das nicht nur sprichwörtlich. Das männliche Wesen verliert jedwede Kontrolle über sich selbst, meist für ganze Sekunden scheint die Welt still zu stehen und alle Sorgen, Krisen und Konflikte verschwunden, keine Kriege mehr und keine schmelzenden Polkappen. Und wollte eben noch einer deprimiert vom Dach springen, so tut er dies nun mit Freude.

Als wäre dies allein nicht schon schlimm genug, potenziert sich dieser einfache, aber effektive Sachverhalt natürlich, wenn gleich mehrere Personen betroffen sind. So kommt es beispielsweise vereinzelt zu dem sonderbaren Phänomen, dass ein ganzer Raum von der Schönheit besagter Bestnoten-Frau erfasst wird und – sollten nicht alle Anwesenden umgehend in eine wimmernde Fötushaltung übergehen und dort bis in alle Ewigkeit verharren – wird man Zeuge des wohl unwahrscheinlichsten aller Naturphänomene überhaupt: Der ganze Raum der Betroffenen realisiert, was gerade vor sich ging. Sie haben die Schönheit dieser Welt gesehen und sogar erkannt, sozusagen Status der Seligkeit. Dass dies dann rein gar nichts mehr mit sexueller Anziehung zu tun hat, versteht sich von selbst. Mit dem Bewusstsein des Erkenntnis von perfekter Schönheit geht ein Prozess einher, der über allem Fleischlichen steht: Niemand ist verknallt oder verliebt oder verschossen, im ganzen Raum kein einziger sabbernder Starrer. Nein, bei der Begegnung mit einer kurz-vor-utopisch schönen Frau setzt eine absolute Gewissheit im Unterbewusstsein des Betroffenen ein, und zwar eine Gewissheit, wie sie nur bei der Begegnung mit kurz-vor-utopisch schönen Frauen eintritt, die es ihm verbietet, dieser Perfektion zu verfallen. Dies, und das kann man guten Gewissens behaupten, ist die wohl intelligenteste Selbstschutzmaßnahme des menschlichen, hier männlichen Körpers. Würde das männliche Wesen dieser weiblichen Perfektion nämlich doch verfallen, dieser kurz-vor-10, nicht auszudenken. Apokalypse, Polkappen, das Ende der Welt und des Universums, all das und nochmal von vorn. Demzufolge fühlt sich der Betroffene nicht einmal ansatzweise zu diesem Wesen hingezogen, mit ihr reden möchte er schon gar nicht. Der Betroffene möchte nichts tun, was diese Perfektion auch nur im Ansatz gefährden könnte. Er möchte einfach nur einen Moment inne halten, Gott für diese Schönheit danken und noch einmal hinschauen.

Nun aber, man muss es leider sagen, kommt es manchmal vor, dass diese Selbstschutzautomatismen bei diversen Betroffenen gestört sind und aus irgendeinem Grund nicht oder nicht richtig funktionieren. Oder aber, diese Mechanismen werden bewusst ignoriert, weil was im Film funktioniert, das funktioniert auch im echten Leben. Aber dann natürlich Pustekuchen. So kommt es vereinzelt vor, dass sich ein Betroffener eben doch mal in die Schönheit verknallt, verliebt, mit Haut, Haaren und allem drum und dran, binnen Sekundenbruchteilen. Riskant, zweifellos, droht dem Betroffenen bei Nichterfüllung oder Nichterwiderung seiner jüngst geborenen Wünsche und Träume doch lebenslanges Unglück. Hölle auf Erden, lebenslange Verdammnis, ein Sommer ohne Erdbeereis. Qualen physischer aber vor allem psychischer Art, die Worte kaum zu beschreiben vermögen. Sollte dies einem Menschen passieren, so unwahrscheinlich es auch ist, dann kann man ihn gut und gerne einen Dummkopf nennen.

Und während sie so langfuhren, in dem uraltem Jaguar über die einsamen Straßen ländlicher Gegenden, von deren Ortschaften sie noch nie gehört hatten, wurde Herrn Vogel eines schmerzlich bewusst: Er selbst war ein solcher Dummkopf. Hans, ihr Chauffeur und ausgewiesener Frauenkenner, der hatte es kapiert, von Anfang an. In dem Moment, als die schwarzhaarige Schönheit ganz in rot ihnen beiden die Wohnungstür öffnete, hatte er Gott gedankt und stillschweigend dessen Präsenz genossen. Doch Herr Vogel hatte dies nicht zustande gebracht. Er war zu schwach, oder zu dumm. Er war das Opfer dieses seltenen Phänomens, dieses furchtbaren Umstandes, sich in die Perfektion verliebt zu haben. Sie hieß Anna. Und sie saß auf dem Rücksitz.

ding

Zum Auftakt des Ausgedachten ein Abschluss: was noch fehlte von den ersten Fassungen der Windmühlen. Damit wäre das Fragment dann vollständig.

Twitter-Updates:

Twitter Updates

    die epstein fragmente
    Stichworte:
    Manifestlich:
    I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.