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	<title>herrvogel.net &#187; blockbuster</title>
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		<title>Die Welt aus den Fugen: Die Titelsequenzen von Dawn of the Dead und Watchmen</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 21:10:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat &#8211; ich weiß, es klingt komisch &#8211; Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (Dawn of the Dead, 300, Watchmen) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat &#8211; ich weiß, es klingt komisch &#8211; Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (<em>Dawn of the Dead</em>, <em>300</em>, <em>Watchmen</em>) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor Zuschauermägen zeigen. Snyders Kamera schaut dort hin, wo andere wegschauen würden. Zombies, Streitäxte, Frittenfett: Snyder <em>zeigt</em>, und entspricht damit einer (seiner!) Generation junger Regisseure, denen allgemein wenig daran gelegen ist, filmische Grausamkeiten nur in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen. Zu diversen Streitfällen dieser neuen Mainstream-Brutalität wie <em>Saw</em>, <em>Hostel</em> und Co. war auch der Vorwurf nicht weit, hier würden lediglich Gewaltpornos fabriziert. Doch wie immer man zu Gewalt auf der Leinwand steht, Snyders Filmen kann man durchaus zugute halten: Visuell sind sie allererste Güte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; line-height: 150%;"><img title="Watchmen - Die Wächter / Bild von MovieGod.de" src="http://www.moviegod.de/images/galleries/images/00006/569/569_22378_l.jpg" alt="Watchmen - Die Wächter / Bild von MovieGod.de" /><span style="font-family: Tahoma,sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
(Watchmen &#8211; Die Wächter / <a href="http://www.moviegod.de/kino/galerie/569/watchmen-die-waechter">Bild von MovieGod.de</a>)</span></span></p>
<p><span id="more-1187"></span>Und zwei dieser Filme, das Romero-Remake <em>Dawn of the Dead </em>und der noch recht frische <em>Watchmen</em>, so diskussionwürdig sie auch sein mögen, besitzen darüber hinaus mehr oder weniger geniale Titelsequenzen, die als bester Gegenbeweis für den oft gefallenen &#8222;Style over Substance&#8220;-Vorwurf gelten dürften.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-1' id='fnref-1187-1'>1</a></sup> In beiden Fällen entwirft Snyder filmische Collagen, die den Zuschauer schrittweise in das fiktionale Filmuniversum hineinziehen. Es sind jedoch nicht die klassischen Strategien der Immersion. Viel mehr imitiert Snyder bekannte Repräsentationsformen, um sie letztlich zu brechen und für seine Zwecke zu nutzen.</p>
<p><strong>&#8222;And hell followed with him&#8220;<br />
</strong></p>
<p>Es geht um Zombies, die auf der Erde wandeln und die wenigen überlebenden Menschen zu Galliern gemacht haben, die sich &#8211; mit allerlei Schusswaffen als Zaubertrank &#8211; der römischen Übermacht erwehren. Das Opening von <em>Dawn of the Dead</em> zeigt den &#8222;historischen&#8220; Werdegang bis zur Ausgangslage der Geschichte &#8211; und spielt hier stark mit der Ästhetik des Dokumentarfilms und des TV-Journalismus. Snyder bastelt einen Flickenteppich aus Archivbildern und solchen, die so aussehen sollen. Dass bei diesen Bildern auf den ersten (oder auch auf den zweiten) Blick nicht echt von inszeniert zu unterscheiden ist, bedient vorzüglich Snyders visuelles Konzept.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-2' id='fnref-1187-2'>2</a></sup> Hauptinformationsquelle sind fiktionale Nachrichtensendungen, die über die zunehmend aussichtslose Lage informieren und Kurzeinspielungen von schreienden, blutüberströmten Zombies.  Snyder entwirft eine stimmiges Bildkonzept, das mit der Glaubwürdigkeit dokumentarischer Bilder arbeitet, und immer wieder durch auftauchende Untote, Geschrei, Blut und Chaos gestört und gebrochen wird.<br />
Unterlegt wird das alles mit Johnny Cashs Apokalpyse/Bibelzitate-Referenzfeuerwerk &#8222;When The Man Comes Around&#8220;,<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-3' id='fnref-1187-3'>3</a></sup> was einerseits distanzierende Ironie schafft, gleichzeitig aber verzerrend bizarr wirkt. Dies verleiht dem Opening eine Videoclip(ähnliche) Ästhetik, welche die Doku-Bilder wiederum konstrastiert. In Zack Snyders Bild- und Tonlandschaft scheint recht bald offensichtlich, dass in dieser Welt ist etwas ganz furchtbar aus den Fugen geraten ist.</p>
<p><strong>&#8222;Don&#8217;t speak to soon, for the wheels still in spin&#8220;</strong></p>
<p>Eine ähnliche, wenn auch subtilere Strategie der historischen Nacherzählung verfolgt Snyder in der Titelsequenz von <em>Watchmen</em>. Es kommt hinzu, dass er hier über das Vorwissen der Zuschauer in Form medialer Darstellungspraxis (Dokus, Nachrichten) hinaus geht, und einen direkten Bezug zum historischen Referenten herstellt. Snyder bedient sich an Szenen des kollektiven medialen Gedächtnisses  und deren Repräsentation (der Mondlandung, dem Kennedy-Attentat, etc), die er zum Zweck einer fiktionalen Erzählung mit einer neuen Bedeutung bespielt.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-4' id='fnref-1187-4'>4</a></sup> Snyders Kamera zeigt diese Reenactments und schafft durch Zusätze und scheinbare &#8222;Enthüllungen&#8220; einen neuen Kontext für die Bilder. Gleichzeitig etabliert die Opening-Sequenz die Bedeutung der Protagonistengruppe und betont schon hier ihre kontroverse Rolle. So zeigt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts für den Film neu aufgelegt.<br />
Das Opening von <em>Watchmen </em>präsentiert, ähnlich dem von <em>Dawn of the Dead</em>, die uns bekannte Welt in einem Was-wäre-wenn-Szenario. Dass dieses jedoch nicht gleich offenbart wird, ist Teil des Konzepts: Erst nach und nach wird der Zuschauer in die fiktionale Welt der Watchmen eingeführt, hineingezogen, durch das Brechen der Erinnerung an bekannte Szenen. Ein bißchen wie <em>Forrest Gump </em>im Comic-Filter.<br />
Was in <em>Dawn of the Dead </em>&#8222;The Man Comes Around&#8220; von Johnny Cash, ist hier &#8222;The Times They Are A-Changin&#8216;&#8220; von Bob Dylan: Mehr als nur musikalische Untermalung, bringt der Song eine neue Ebene in die ohnehin schon zahllosen Referenzen des Vorspanns. Der Auftakt zum hundertsechszig Minuten stolzen <em>Watchmen </em>ist dank Dylans Musik gleich nostalgisch, gleich ein Rückblick. Doch ist es kein Heldenportrait. In den verschiedenen, größtenteils in (Super-)Zeitlupe gezeigten Bildern, beschleicht einen zunehmend leise Irritation: Trotz dem Bekannten ist das nicht unsere Welt, nicht die, die wir kennen. Und eine bessere ist es auch nicht. Wie in <em>Dawn of the Dead </em>zeigt Snyder auch hier wird eine Welt aus den Fugen, die aber ihr neues Gleichgewicht schon gefunden hat.</p>
<p><strong>Schöne neue Welt</strong></p>
<p>In beiden Titelsequenzen wird der Zuschauer nach und nach in das Filmuniversum hineingezogen, begleitet von ihm bereits bekannten, schrittweise umgedeuteten und mit neuer Bedeutung bespielten Eckpfeilern der außerfilmischen, historischen Wirklichkeit. Beide Auftakte sind Rückblenden, die das Setting und die Ausgangslage der Handlung durch ihre epische Breite und Snyders Arrangements meisterlich etablieren.<sup class='footnote'><a href='#fn-1187-5' id='fnref-1187-5'>5</a></sup> In <em>Dawn of the Dead </em>nutzt Snyder die Ästhetik des Dokumentarfilms und die Modi von  TV-Journalismus. In <em>Watchmen </em>spielt er mit den Bildern des kollektiven medialen Gedächtnisses und (selbstreferenziell) mit Popkultur-Ikonografie. Es sind zwei großartige Titelsequenzen, die zwar ähnlich arbeiten, aber auf ganz unterschiedliche Weise &#8211; und das darf man auch nicht vergessen &#8211; visuell beeindrucken.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span></p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-1187-1'>Zum (Nochmal-) Anschauen eignet sich übrigens YouTube <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lwBigliX1Bo">ganz</a> <a href="http://www.youtube.com/watch?v=p2hNhM3dHB4">hervorragend</a>. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-2'>Die Herkunft von Bildern ist, wie auch die jeweilige Beschaffenheit und der Einsatz von nachgestellten Szenen, in der Dokumentarfilm- wie in der Dokudrama-Forschung viel diskutiert. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-3'>Wer nach Informationen zu Textanleihen und Interpretationen sucht, wird auf der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Man_Comes_Around_(song)">Wikipedia-Seite</a> fündig. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-4'>Drehli Robnik spricht in Bezug auf <em>Stalingrad</em> (J. Vilsmaier; 1993) von der &#8222;Neu-Bespielung eines Gedächtnisorts&#8220; durch dessen filmische Repräsentation. Robnik, Drehli: &#8222;Verschiebungen an der Ostfront. Zu den Bildern des Vernichtungskrieges der Wehrmacht in bundesdeutschen Spielfilmen&#8220;. In: zeitgeschichte 3, 31. Jahrgang. 2004. S. 198.<br />
Thematisch eng verbunden mit dem Ansatz der &#8222;Neu-Bespielung&#8220; ist Tobias Ebbrechts Argumentation bezüglich der Fiktionalisierung von Geschichte im zeitgenössischen &#8218;Historischen Event-Fernsehen&#8216; . Siehe Ebbrecht, Tobias: &#8222;History, Public Memory and Media Event. Codes and Conventions of Historical Event-Television in Germany&#8220;.  In:  Nicholas, Sian. O&#8216;Malley, Tom. Williams, Kevin (Hg.): Reconstructing the Past. History in the Mass Media 1890-2005. New York: Routledge, 2008. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1187-5'>Wenn ich mich richtig erinnere, begann <em>300</em> auch mit einer ausholenden Es-war-einmal-Rückblende über die Jugend des Protagonisten. Blieb mir aber sonst nicht sonderlich im Gedächtnis. Vielleicht nochmal anschauen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1187-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Ejchenbaum in Hollywood: Die Bedeutung der &#8222;Inneren Rede&#8220;</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 10:03:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Beeindruckende an den unterschiedlichen Fassungen von Francis Lawrence&#8216; I Am Legend ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Beeindruckende an den <a href="http://herrvogel.net/2009/04/i-am-legend-oder-die-feigheit-hollywoods/">unterschiedlichen Fassungen</a> von Francis Lawrence&#8216; <em>I Am Legend</em> ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige Dramaturgie betrachtet, funktionieren. So arbeiten beide Filme selbstverständlich mit denselben Fixpunkten der Handlung, doch haben sie eine jeweils andere Bedeutung. <span id="more-492"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"><img src="http://www.moviegod.de/images/galleries/images/00004/319/319_9395_l.jpg" alt="I Am Legend / Bild von MovieGod.de" /><span style="font-family: Tahoma,sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
(I Am Legend / <a href="http://www.moviegod.de/kino/galerie/319/i-am-legend">Bild von MovieGod.de</a>)</span></span></p>
<p>Betrachtet man zum Beispiel eine der Schlüsselszenen: Der sichtlich neben sich stehende Neville (Will Smith) tappt in eine Schlingfalle, wird vom Seil an den Füßen in die Luft gezogen und hängt kopfüber zwei Meter über dem Boden. Wirklich erklärt, wo diese Falle so plötzlich herkommt, wird in beiden Fassungen nicht. Die Kinoversion suggeriert allerdings, dass es Nevilles eigene Falle war, die er irgendwann gelegt hatte und die er schlicht vergaß – was einem weiteren Hinweis auf den zunehmenden Wahnsinn Nevilles bedeuten würde. In der alternativen Fassung hingegen wird deutlich, dass es nicht Nevilles Falle war, sondern eine vom „Alpha Male“ gelegte. Diese Interpretation wird gestützt von der Idee, dass die Mutanten in der alternativen Fassung keine hirnlosen Zombies sind, sondern eigenständig denkende Wesen. Der Alpha Male kopierte die Falle Nevilles, um ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen – um letztlich (wie sich herausstellt) seine Frau aus dem Labor Nevilles zu retten.<br />
Diese unterschiedlichen Auffassungen ein und derselben Szene sind schlichtweg erstaunlich – vor allem weil sie beide funktionieren. Zu betonen ist, dass an dieser speziellen Szene nichts geändert wurde. Hier ist es allein der Kontext der jeweiligen Filmfassungen, der die Bedeutung schafft. Die Frage nach Held und Antiheld ist hier lediglich eine nach dem Vorwissen des Zuschauers.</p>
<p>Damit ist ein Thema angerissen, das tief im modernen Filmverständnis gräbt &#8211; der Informationsvermittlung. Als Ansatz bieten sich hierzu immer an: die russischen Filmtheoretiker der 1920er Jahre. Das Schöne an den frühen Filmtheorien von Sergej Eisenstein, Wsewolod Pudowkin, Jurij Tynjanov und Co. ist nicht nur, dass sie &#8211; meist was die technische Umsetzung des Films angeht &#8211; maßgeblichen Einfluss auf die Filmtheorie hatten, sondern dass ihre Gedanken zum Film auch heute oft noch eins zu eins anwendbar sind. Ihre Ideen arbeiten derart an der Grundlage des Filmverständnisses, dass sie auch achzig Jahre später nicht alt werden.</p>
<p>Eine sehr schöne Theorie &#8211; praktisch meine Lieblingstheorie, und eine die wunderbar zu <em>I Am Legend</em> passt &#8211; ist Boris Ejchenbaums &#8222;Prozess der inneren Rede des Zuschauers&#8220;, geschrieben 1927.<br />
Ejchenbaum sah die „Filmkultur im Gegensatz zur Herrschaft der Wortkultur“, innerhalb derer der Zuschauer nach „Erholung vom Wort“ sucht: „er [der Zuschauer; Anm.] will einfach nur sehen und enträtseln.“<sup class='footnote'><a href='#fn-492-1' id='fnref-492-1'>1</a></sup><br />
Dieses Sehen und Enträtseln sind die Grundbestandteile der inneren Rede des Zuschauers im Sinne einer Deutung von empfangenen Zeichen und – sozusagen – eines Hinweise-Sammelns des Zuschauers:</p>
<blockquote><p>Eine der Hauptaufgaben des Regisseurs ist, so zu arbeiten, daß eine Einstellung beim Zuschauer &#8218;ankommt&#8216;, d.h daß dieser den Sinn einer Sequenz errät oder, m. a. W., ihn in die Sprache seiner inneren Rede übersetzt; folglich ist diese Rede ein bei der Konstruktion des Films selbst zu berücksichtigender Faktor.<sup class='footnote'><a href='#fn-492-2' id='fnref-492-2'>2</a></sup></p></blockquote>
<p>Letztlich findet sich laut Ejchenbaum auf Zuschauerseite eine Art stummer Dialog mit dem gezeigten Film, wodurch man sich die innere Rede durchaus als andauernde Fragestellungen vorstellen kann: stumme Fragen, die sich der Zuschauer beim Sehen des Films selbst stellt und welche im Verlauf und durch den Film schließlich beantwortet werden. Sprich: die Konstruktion der Handlung im Kopf des Zuschauers, welche Erwartungen schafft und als Grundlage für Plot-Twists und doppelte Böden dienen kann. Was Ejchenbaum überdies anspricht, ist die aktive Gestaltung dieser Fragen durch den Regisseur, das Vorwegnehmen und das Wissen darum, welche Fragen sich der Zuschauer später stellen wird. Wichtigstes Mittel zur Konstruktion der inneren Rede ist für Ejchenbaum das Filmbild und darüber hinaus die Montage dieser Bilder. Montage ist für ihn dabei nicht nur als „Sujetfügung“ zu verstehen, Ejchenbaum sieht in der stilistischen Funktion eine fundamentale Aufgabe der Montage: „Die Montage ist vor allem ein System der Einstellungsführung oder der Einstellungsverkettung, sie ist eine Art Syntax des Films.“<sup class='footnote'><a href='#fn-492-3' id='fnref-492-3'>3</a></sup> Diese Syntax als Satzlehre und als formale Ordnung der Bildkader kann durchaus als Basis für die hervorzurufenden Fragestellungen des Zuschauers gesehen werden.</p>
<p>Zentral scheint hier das Kriterium der Auswahl, also was vom Regisseur ausgewählt und dem Zuschauer zur Verfügung gestellt wird, damit dieser die Geschichte anhand der inneren Rede zusammen setzt. Im Umkehrschluss scheint jedoch nicht nur wichtig, das ausgewählt wird, was später im Film sein soll, sondern auch, was der Regisseur weglässt. Genau diese Frage beschäftigte auch Bela Bálazs 1923: „Und die Frage ist: Was kann man, was soll man weglassen?“<sup class='footnote'><a href='#fn-492-4' id='fnref-492-4'>4</a></sup><br />
Die Bedeutung des Ausgelassenen, des Weggelassenen, ist im Hinblick auf die Informationsvermittlung letztlich ebenso groß wie die Bedeutung dessen, was für den Film ausgewählt wurde. Was weggelassen wird, was gezeigt wird und vor allem: was wann gezeigt wird, beeinflusst die Fragen des Zuschauers unmittelbar, denn es schafft den Kontext. Balázs skizziert zusammenfassend die möglichen Auswirkungen:</p>
<blockquote><p>Wie dieselbe Geschichte ganz verschieden erzählt werden kann und ihre Wirkung eigentlich von der Prägnanz und dem Rhythmus der einzelnen Sätze abhängt, so wird die Bilderführung dem Film seinen rhythmischen Charakter geben.<sup class='footnote'><a href='#fn-492-5' id='fnref-492-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<p>Um zurück zu <em>I Am Legend</em> zu finden: Ein Vergleich der beiden Fassungen verdeutlicht sehr schön, in wie weit das &#8222;Weggelassene&#8220; (auch ohne das alternative Ende) einen neuen Film entstehen lassen kann. In der &#8222;Inneren Rede des Zuschauers&#8220; entstehen die Figuren, sie konstituieren sich aus dem, was (und was wie) gezeigt wird: So wird ein Held wird zum Antiheld und identische Szenen erhalten durch geänderten Kontext eine gänzlich neue Bedeutung. Und wie folgenschwer kleine Veränderungen sein können, lässt sich eindrucksvoll am <a href="http://herrvogel.net/2009/04/i-am-legend-oder-die-feigheit-hollywoods/">Beispiel <em>I Am Legend</em> ablesen</a> &#8211; Nicht nur, dass der Zuschauer komplett unterschiedliche Fragen an die beiden Filmfassungen stellt &#8211; er kommt so auch völlig unterschiedlichen Antworten.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span></p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-492-1'>Ejchenbaum, Boris M.: „Probleme der Filmstilistik“. In: Albersmeier, Franz-Josef (Hg.): Texte zur Theorie des Films. Stuttgart: Reclam, 2003. S. 107. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-2'>Ebda. S. 106 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-3'>Ebda. S. 116 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-4'>Balázs, Béla: Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2001. (Erstauflage im Deutsch-Österreichischen Verlag 1924). S. 85 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-492-5'>Ebda. S. 84 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-492-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>&#8222;Neue Wege im Blockbusterkino&#8220; &#8211; Celluloid Filmmagazin 5/2009 erschienen!</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 10:18:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.celluloid-filmmagazin.com"><img class="size-full wp-image-1107 alignleft" style="margin-left: 0px; margin-right: 8px;" title="celluloid_5-2009_cover-2" src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/09/celluloid_5-2009_cover-2.jpg" alt="celluloid_5-2009_cover-2" width="192" height="252" /></a>Freudige Ankündigung: Wo es einen <a href="http://herrvogel.net/2009/04/essayreihe-zum-blockbusterfilm-ab-heute-im-celluloid-filmmagazin/">ersten</a> und einen <a href="http://herrvogel.net/2009/06/2-teil-der-essayreihe-zum-blockbusterkino-im-celluloid-filmmagazin/">zweiten</a> Teil gibt, da folgt dieser Tage nun ein dritter. Aktuelles Thema meiner Serie/Essayreihe zum modernen Blockbusterkino sind 3D-Effekte im narrativen Spielfilm (<em>Coraline</em>, <em>Ice Age 3</em>, <em>Avatar</em>) und ihr möglicher Einfluss auf die Ästhetik des Kinos.</p>
<p>Zu haben ist Celluloid Nr. 5/2009 ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa- Shops und in ausgewählten Programmkinos. Weitere Informationen auch auf der <a href="http://www.celluloid-filmmagazin.com/">Website</a> zum Magazin.</p>
<p>Eine Übersicht der bisher erschienenen Teile und aller weiteren Veröffentlichungen finden sich <a href="http://herrvogel.net/wer-was-warum/liste-aller-veroffentlichungen-print/">hier</a>.</p>
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		<title>Der Plastikfilm</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 12:46:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Filme von Michael Bay und Hip Hop von 50 Cent haben eine große Gemeinsamkeit: Es ist nahezu unmöglich, sie gegen die Kritik zu verteidigen. Doch was sich mit eingängigen Beats und netten Melodien, kurzweiliger Unterhaltung und Geschmacksfragen herbei argumentieren lässt, bekommt in Sachen Endprodukt jedoch ein echtes Problem, wenn die schönen Oberflächen rissig werden und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Filme von Michael Bay und Hip Hop von 50 Cent haben eine große Gemeinsamkeit: Es ist nahezu unmöglich, sie gegen die Kritik zu verteidigen. Doch was sich mit eingängigen Beats und netten Melodien, kurzweiliger Unterhaltung und Geschmacksfragen herbei argumentieren lässt, bekommt in Sachen Endprodukt jedoch ein echtes Problem, wenn die schönen Oberflächen rissig werden und keine Substanz da ist, um Vergeigtes abzupuffern. So geschehen bei 50 Cents letztem Album, so geschehen nun auch bei Michael Bays aktuellem Blockbuster <em>Transformers &#8211; Revenge of the Fallen</em>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; line-height: 150%;"><img title="Transformers - Die Rache / Bild von MovieGod.de" src="http://www.moviegod.de/images/galleries/images/00007/699/699_24673_l.jpg" alt="Transformers - Die Rache / Bild von MovieGod.de" /><span style="font-family: Tahoma,sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
(Transformers &#8211; Die Rache / <a href="http://www.moviegod.de/kino/galerie/699/transformers-2-die-rache">Bild von MovieGod.de</a>)</span></span></p>
<p><span id="more-900"></span>Der zweite <em>Transformers</em> ist die klassische Fortsetzung, sprich: es gibt mehr von allem, was man für den Erfolg des ersten Teils verantwortlich hielt. Also mehr Roboteraction, mehr Gags, mehr Megan Fox. Wie wenig das Rezept jedoch diesmal aufgeht, lässt sich in den negativen Kritiken praktisch weltweit <a href="http://www.rottentomatoes.com/m/transformers_revenge_of_the_fallen/">nachlesen</a>. Doch warum das alles nicht (mehr) zusammenpasst &#8211; im Übrigen eine Frage, die auch <a href="http://www.leisure-lorence.de/2009/06/transformers-ii-the-fallen-michael-bay-2009/">Läscher Lorenzen</a> und <a href="http://www.moviegod.de/kino/kritik/1564/transformers-2-die-rache/seite-1">Flexo Dencker</a> beschäftigt &#8211; liegt möglicherweise am furchtbar einseitgen Verhältnis von Attraktion und Narration. Hat der erste Teil schon wenig figuren- oder handlungsbezogene Substanz geboten &#8211; nicht zuletzt reden wir hier von einer Spielzeug-Verfilmung &#8211; lieferte der Film immer noch ein klares wie simples narratives Grundgerüst, das nur eine Aufgabe hatte: die Richtung vorgeben und dadurch die visuellen Attraktionen effektiv vorbereiten.<br />
Und genau das passiert im zweiten <em>Transformers</em> nicht mehr. Zu konfus wirken die peinliche Alien-Mythologie und sämtliche der gezogenen Drehbuchregister, die in erster Linie von der Tatsache ablenken wollen, dass <em>Transformers</em> dieselbe Geschichte ein zweites Mal erzählt &#8211; inklusive dem einfallslosen MacGuffin. Letztlich versucht Bay erst gar nicht, über die Narration zur Attraktion zu finden, sondern kehrt das Prinzip um, will über die Attraktion eine (Quasi-)Narration entwerfen &#8211; was vorne wie hinten nicht funktioniert. Der neue <em>Transformers</em> ist pures Plastik, so fake und zurechtoperiert wie die stets in Zeitlupe präsentierten Schönheitsideale. Alles bleibt gehetzte Oberfläche, weshalb das Versäumte hier wesentlich negativer auffällt als noch im ersten Teil. Auch die Übersicht geht durch die nichtmal halb etablierten Situationen immer wieder verloren &#8211; da stößt irgendwann auch der Grundsatz &#8222;Die bunten Roboter sind die Guten&#8220; an seine Grenzen.</p>
<p>Was dann die Art der Attraktionen selbst angeht, darüber wurde schon genügend geschrieben. Die immergleiche Action, die selten originellen Pointen, die an Diskriminierung grenzenden Rollenmodelle der Frauen und Afro-Amerikaner &#8211; das ist alles nicht das Blockbusterkino, das es 2009 noch geben sollte. Um an dieser Stelle den Kreis zu 50 Cent zu schließen, der nämlich hat die Essenz von <em>Transformers</em> schon vor Jahren auf den Punkt gebracht &#8211; Gunshots im Hintergrund dazugedacht: &#8222;I got no pick-up lines, I stay on the grind, I tell the hoes all the time: Bitch get in my car.&#8220; (aus &#8222;Get In My Car&#8220;, 2005)</p>
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		<title>2. Teil der Essayreihe zum Blockbusterkino im Celluloid-Filmmagazin!</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 16:58:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[blockbuster]]></category>
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		<description><![CDATA[
Es folgt bescheidene Eigenwerbung für glorreiche Erzeugnisse persönlicher Schreibarbeit! Im kürzlich erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der zweite Teil meiner Essayreihe &#8222;Neue Wege im Blockbusterkino&#8220; abgedruckt. Nach dem einleitendem ersten Teil über Peter Jacksons King Kong ist das Thema diesmal: Megan Fox&#8216; Körper Michael Bays Transformers und die Rolle der Frau als filmische Attraktion. Freundlicherweise war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-820" title="Celluloid Filmmagazin - Essayreihe zum Blockbusterkino" src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/06/celluloid4-20091.jpg" alt="Celluloid Filmmagazin - Essayreihe zum Blockbusterkino" width="449" height="159" /></p>
<p>Es folgt bescheidene Eigenwerbung für glorreiche Erzeugnisse persönlicher Schreibarbeit! Im kürzlich erschienenen <a href="http://www.celluloid-filmmagazin.com/">Celluloid-Filmmagazin</a> findet sich der zweite Teil meiner Essayreihe &#8222;Neue Wege im Blockbusterkino&#8220; abgedruckt. Nach dem einleitendem <a href="http://herrvogel.net/2009/04/essayreihe-zum-blockbusterfilm-ab-heute-im-celluloid-filmmagazin">ersten Teil</a> über Peter Jacksons <em>King Kong</em> ist das Thema diesmal: <span style="color: #888888;"><span style="text-decoration: line-through;">Megan Fox&#8216; Körper</span></span> Michael Bays <em>Transformers </em>und die Rolle der Frau als filmische Attraktion. Freundlicherweise war man seitens Chefredaktion bereit, meine These mit entsprechendem Bildmaterial zu unterstützen.</p>
<p>Zu haben ist Celluloid Nr. 4/2009 ab sofort gut sortierten Zeitschriftenhandel, in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos. (Ich werde nicht müde, diese Formulierung cool zu finden)</p>
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		<title>I Am Legend oder die Feigheit Hollywoods</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 10:41:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es fällt schwer, die ersten beiden Drittel von I Am Legend nicht zu mögen. Umso leichter fällt es aber, das letzte Drittel zu verdammen &#8211; und gut wie gerne für alles verantwortlich zu machen, was im modernen Hollywoodkino nicht stimmt. An dieser Stelle sei eine ausdrückliche Spoilerwarnung ausgesprochen &#8211; zur Kinofassung und zur alternativen Fassung.

(I [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es fällt schwer, die ersten beiden Drittel von <em>I Am Legend</em> nicht zu mögen. Umso leichter fällt es aber, das letzte Drittel zu verdammen &#8211; und gut wie gerne für alles verantwortlich zu machen, was im modernen Hollywoodkino nicht stimmt. An dieser Stelle sei eine <span style="color: #ff0000;">ausdrückliche Spoilerwarnung</span> ausgesprochen &#8211; zur Kinofassung und zur alternativen Fassung.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"><img src="http://www.moviegod.de/images/galleries/images/00004/319/319_9397_l.jpg" alt="I Am Legend / Bild von MovieGod.de" /><span style="font-family: Tahoma,sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
(I Am Legend / <a href="http://www.moviegod.de/kino/galerie/319/i-am-legend">Bild von MovieGod.de</a>)</span></span> <span id="more-447"></span></p>
<p>Um aber vorne anzufangen: Die Buchvorlage von Richard Matheson habe ich nicht gelesen<sup class='footnote'><a href='#fn-447-1' id='fnref-447-1'>1</a></sup>, ebenso wenig kenne ich <em>The Last Man on Earth</em> (1964) und &#8211; Schande über mein Haupt &#8211; <em>The Omega Man</em> (1971). Dennoch wage ich zu behaupten, dass man nichts davon gelesen oder gesehen haben muss, um zu erkennen, was an <em>I Am Legend</em> nicht stimmt. Es genügt völlig, sich das alternative Ende, beziehungsweise die alternative Schnittfassung anzusehen.<sup class='footnote'><a href='#fn-447-2' id='fnref-447-2'>2</a></sup></p>
<p>Die Kinofassung ließ mich ziemlich enttäuscht zurück. Das überhastete &#8211; und merkwürdige – Ende wirkte wie eine Verschwendung von Ideen und Potential. Überhaupt passte das nicht wirklich zusammen, diese ersten sechzig Minuten – die Atmosphäre im menschenleeren New York, die Charakterzeichnung der Einsamkeit Nevilles als des letztem Menschen – und die letzten dreißig, vorwiegend Action mit einem aus der Luft gegriffenen, moralinsauren Glaubensbekenntnis. Dann Handgranate und aus. Welt gerettet. Der furchtbare Epilog macht obendrein der Kinofassung von <em>Blade Runner</em> alle Ehre – und das ist kein Kompliment.</p>
<p><strong>Kino-Fassung und alternative Fassung</strong></p>
<p>Das Ende der alternativen Fassung<sup class='footnote'><a href='#fn-447-3' id='fnref-447-3'>3</a></sup> ist dagegen nicht nur auf zwanzig Arten besser, es macht vor allem innerhalb der in den ersten beiden Dritteln aufgebauten Geschichte Sinn. Es ist kaum zu ermessen, welchen Einfluss diese Änderung hat. Es ist nicht einfach ein anderes Ende, es kein Happy End, nur weil Neville überlebt – genau genommen ist es sogar wesentlich tragischer, weil es der Geschichte einen zusätzlichen Tiefschlag verpasst. Ein Plot-Twist, wie er sein muss. Denn im alternativen Ende zeigt sich der „Alpha Male“ &#8211; Dash Mihoks Figur, der Anführer der „Darkseekers“ &#8211; nicht als der seelenlose Zombie, der mit seiner Gefolgschaft den letzten Menschen auch noch ausrotten will. Sein Eindringen in Nevilles Haus bekommt eine Motivation: es ist eine Rettungsmission, um seine von Neville gefangene Frau zurück zu holen. Im alternativen Ende erkennt Neville seine Rolle – und damit auch der Zuschauer:</p>
<blockquote><p>Neville apologizes to them, which the Alpha Male acknowledges before the infected leave. He then looks at the photos of the infected he has experimented on and killed and realizes that <em>he </em>is the monster of <em>their </em>legends; the infected think of him as someone who hunts down and kills their people.<sup class='footnote'><a href='#fn-447-4' id='fnref-447-4'>4</a></sup></p></blockquote>
<p>Es ist Nevilles Moment der Wiedererkennung, der Erkenntnis – der Schmetterling – der dem alternativen Ende von <em>I Am Legend</em> die Wendung einer nahezu klassischen aristotelischen Tragödie verleiht. Und durch diese Erkenntnis ändert sich rückwirkend die gesamte Geschichte – alles, was vorbereitet wurde (die Fallen, warum der Alpha Male überhaupt ans Tageslicht geht), ergibt letztlich einen Sinn und fügt sich zusammen. Selbst der Titel des Films bekommt eine neue, tiefer gehende Bedeutung: in der Kinofassung ist Neville die leuchtende „Legende“ der Menschen, da er das Gegenmittel gefunden und sein Leben dafür gegeben hat. In der alternativen Fassung wird dies umgekehrt: dort ist Neville die dunkle Legende der Infizierten, der ihnen augenscheinlich nach dem Leben trachtet &#8211; und, wie sich rausstellt, tödliche Experimente an ihnen durchführt. Neville überlebt, bleibt aber gezeichnet von seiner Erkenntnis.<br />
Das alternative Ende ist ein Meisterstück im Umgang mit der Zuschauerperspektive. Hier geht dem Wechsel dieser zusätzlich ein innerer Wandel des Protagonisten voraus: Neville erkennt diese andere Perspektive als neuen Blick auf die Dinge, und sieht das, was er getan hat. Hier liegt die gesamte Tragik der Geschichte verborgen, sowie alles, was darüber hinaus geht. Letztlich die Angst, die mit dem Fremden einhergeht. Er entschuldigt sich, weiß aber, dass ihm dies nicht gewährt sein wird – die Fotos an seiner Pinnwand führen allen Beteiligten (und dem Zuschauer) seine Taten nochmal vor Augen, nur unter dem erkennenden Licht eines anderen Blickwinkels. Es wäre das konsequentere Ende gewesen, eine vollständigere Geschichte, eine ohne Gewinner und ohne klare Zuordnungen. Nicht nur die x-te Hollywoodversion einer Endzeit-Dystopie mit klassischem, gutmenschlichen Helden.</p>
<p><strong>Das Problem des Blockbusterkinos</strong></p>
<p>Und genau deshalb ist es so schade, dass es das schlechtere der beiden Enden ins Kino geschafft hat. Insbesondere, da ursprünglich die alternative Fassung das geplante Ende war, man sich aber kurz vor Kinostart umentschieden hat. Die Gründe liegen auf der Hand: bei einem so teuren Film (geschätztes Budget: 150 Mio. USD<sup class='footnote'><a href='#fn-447-5' id='fnref-447-5'>5</a></sup>), da darf box-office-technisch wenig schief gehen. Jetzt ist natürlich das Ende der Kinofassung kein wirklich fröhliches – Neville opfert sich ja selbst im Dienste der Menschheit – doch ist es ein wesentlich positiveres: die Hoffnung für die Menschheit bleibt gewahrt durch das entdeckte Gegengift. Das Kino-Ende ist eine Art billiges Zugeständnis an ein Unhappy End. Doch ist es letztlich eines, das ein Denken in Gut/Böse-Schablonen förmlich absegnet. Der Twist der Schuldigkeiten in der alternativen Fassung, der letztlich auch den gesellschaftkritischen Aspekt des Films ausmacht, hätte auch filmisch gesehen entscheidende Durchschlagskraft besessen. Die alternative Fassung geht hier entscheidend in die Tiefe, birgt nicht nur das Potential einer tragischeren und runder konzipierten Geschichte, sie hätte eben auch die andere Seite, den anderen Blickwinkel geboten. Und das ist das Entscheidende: die einfachen Bahnen des Gut/Böse-Denkens würden  aufgebrochen und stünden nicht als simple Lösung für ein kompliziertes Problem da. Aber exakt dieses Aufbrechen hat das Blockbusterkino seit jeher nur schlecht vertragen. In Folge wurde sogar nicht nur die Lösung vereinfacht, sondern das Problem gleich mit: Die Hollywood-Methode eine Geschichte zu erzählen.</p>
<p>Ich denke nicht, dass man die Buchvorlage kennen muss, um den Twist der Geschichte zu verstehen. Viele Erklärungen und Texte zum Film drehen sich ja um einen Buch-Film-Vergleich, die dann darauf hinaus laufen, was alles am Film nicht stimmt, klassisches Buch-Fan-Zeug. In meinen Augen ist das aber der falsche Ansatz. Wenn ein Film richtig gemacht ist, dann muss man keine Bücher gelesen haben, um die Tiefe einer Geschichte zu verstehen. Es ist in meinen Augen kein Problem der Übertragung einer Geschichte von Buch zu Film, sondern ist es viel mehr ein rein filmisches Problem, beziehungsweise eines des zeitgenössischen Blockbusterkinos. Ich meine damit nicht den viel gescholtenen Will Smith &#8211; dessen schauspielerische Leistung im Film ist großartig, und seine Funktion als Star-Vehikel sehe ich nicht wirklich als entscheidenden Einflussfaktor. Denn die Möglichkeiten wären da gewesen, viel schlimmer: sie wurden bei <em>I Am Legend</em> sogar umgesetzt (<em>mit </em>Will Smith), doch dann entschied man sich kurz vor Toreschluss lieber für die einfache Lösung. Die, von der man ausging, dass sie beim Publikum gut ankommt. Und da trifft man schon auf ein ganz anderes Problem: die Entmündigung des Zuschauers. Richtig erzählt, kommt die Geschichte beim Zuschauer an, und zwar bei jedem. Dass das Publikum diese simplen Geschichten bevorzugt ist ein Irrtum. Und letztlich beruht auf diesem Irrtum der allseits schlechte Ruf des Blockbusterkinos.</p>
<p>Um hier zum Ende zu finden: Der moderne Blockbuster gibt sich, als sei er nur dazu gut, visuelle Innovationen zu liefern und begnügt sich dagegen auf Storyebene damit, eingetretene Pfade abzuwandern. Doch ich wage zu behaupten (und zu hoffen): Wäre <em>I Am Legend</em> nach <em>The Dark Knight</em> veröffentlicht worden &#8211; wo man endlich die Cohones hatte eine anständige Geschichte zu erzählen und damit Erfolg hatte &#8211; dann hätte das Kinopublikum die alternative Fassung zu sehen bekommen.</p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-447-1'>Auf ausdrückliche Empfehlung von <a href="http://leisure-lorence.de/">Läscher Lorenzen</a> wird dies baldmöglichst nachgeholt <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-447-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-447-2'>In Text und Filmtills zu finden bei den <a title="schnittberichte.com / I Am Legend" href="http://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=4949">Schnittberichten</a> &#8211; wie hier auch da: Spoilerwarnung! <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-447-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-447-3'>„Alternative Fassung“, weil zwei weitere Sequenzen dem  Kino-Ende zuliebe gekürzt wurden; das alternative Ende wird mit diesen beiden Sequenzen zusätzlich gestützt <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-447-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-447-4'><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/I_Am_Legend_(film)">Wikipedia.com &#8211; I Am Legend (film)</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-447-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-447-5'>Quelle: <a href="http://www.imdb.com/title/tt0480249/business">Imdb</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-447-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Essayreihe zum Blockbusterfilm ab heute im Celluloid-Filmmagazin!</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 14:10:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[
Freude! Im heute erschienenen Celluloid-Filmmagazin findet sich der erste Teil meiner Textreihe zum modernen Blockbusterkino abgedruckt. Thema des Auftaktessays: Die filmische Attraktion als Erfolgsrezept im Blockbuster, von Traditionslinien und dem Geschäft mit dem Sehgenuß. Erste Station: Peter Jacksons King Kong-Remake von 2005.
Zu haben ist das neue Celluloid (Nr. 3/2009) ab 29. April im gut sortierten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-432" title="celluloid-artikel2" src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/04/celluloid-artikel2.jpg" alt="celluloid-artikel2" width="450" height="177" /></p>
<p>Freude! Im heute erschienenen <a href="http://www.celluloid-filmmagazin.com/">Celluloid-Filmmagazin</a> findet sich der erste Teil meiner Textreihe zum modernen Blockbusterkino abgedruckt. Thema des Auftaktessays: Die filmische Attraktion als Erfolgsrezept im Blockbuster, von Traditionslinien und dem Geschäft mit dem Sehgenuß. Erste Station: Peter Jacksons <em>King Kong</em>-Remake von 2005.</p>
<p>Zu haben ist das neue Celluloid (Nr. 3/2009) ab 29. April im gut sortierten Zeitschriftenhandel (das wollte ich schon immer mal schreiben), in 600 Trafiken österreichweit, allen Morawa-Shops und in ausgewählten Programmkinos.</p>
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