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	<title>herrvogel.net &#187; chuck klosterman</title>
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		<title>Herr Klosterman, es tut mir leid. Über Chuck Klostermans &#8222;Downtown Owl&#8220;</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jun 2009 10:56:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
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„Downtown Owl“ ist ein Roman. Dies scheint nicht unwichtig zu erwähnen, weder für diese Rezension, noch für Chuck Klosterman. Denn auf die Textgattung und ihren rein fiktionalen Charakter hinzuweisen – was auf den Roman-eröffnenden Seiten gleich mehrfach geschieht – ist zweifellos von Nöten, wenn der Autor bislang einzig durch die niedergeschriebene Inszenierung der eigenen Person [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/06/chuck-klosterman_downtown-owl-07.jpg" alt="Chuck Klosterman - Downtown Owl - Scribner 2008 / Foto: C.S." title="Chuck Klosterman - Downtown Owl - Scribner 2008 / Foto: C.S." class="alignnone size-full wp-image-786" /></p>
<p>„Downtown Owl“ ist ein Roman. Dies scheint nicht unwichtig zu erwähnen, weder für diese Rezension, noch für Chuck Klosterman. Denn auf die Textgattung und ihren rein fiktionalen Charakter hinzuweisen – was auf den Roman-eröffnenden Seiten gleich mehrfach geschieht – ist zweifellos von Nöten, wenn der Autor bislang einzig durch die niedergeschriebene Inszenierung der eigenen Person in Erscheinung getreten ist. Klosterman, Journalist und Essayist und mein persönlicher Held, veröffentlichte bisher vorwiegend nichtfiktionale, meist autobiographische Textsammlungen („Sex, Drugs and Cocoa Puffs“) oder Memoiren („Fargo Rock City“), welche ihm den Ruf des ultimativen Nerds und Experten für US-Popkultur einbrachten. „Downtown Owl“ ist seine fünfte Buchveröffentlichung in acht Jahren und – wie mittlerweile klar sein sollte – sein erster Roman. <span id="more-770"></span></p>
<p>Doch scheint Klosterman den Roman nicht ganz so weit von der eigenen Person weggeschoben zu haben, wie die zahlreichen Hinweise glauben machen wollen. Denn allein: „Downtown Owl“ spielt in Owl, einem fiktiven 800-Einwohner-Nest im ländlichen North Dakota – wo sich Klosterman bestens auskennen dürfte, wuchs er doch in einem vergleicharen Ort im selben US-Bundesstaat auf. Auch die im Roman behandelten Themen sind für Klosterman keine unbekannten, bleibt er auch dort dem „write what you know“-Grundsatz treu: Landleben, High School Football, Erwachsenwerden, Musik. Diese behandelt Klosterman in „Downtowl Owl“ anhand dreier Protagonisten, die abwechselnd die Handlung der recht kurzen Kapitel bestimmen: Mitch, ein High School Quarterback, der lieber schläft als Football spielt. Julia, eine junge Lehrerin, die gerade nach Owl zog. Und Horace, ein Rentner und Witwer, dessen tägliche Routine vom Cafébesuch in der Stadt bestimmt wird. Anhand dieser drei Figuren erzählt Klosterman episodisch vom Leben in der verschlafenen Kleinstadt, und versucht die Zusammenhänge beziehungsweise Nicht-Zusammenhänge an einem Ort herauszustellen, in dem jeder über jeden Bescheid weiß, doch niemanden den anderen kennt. Klostermans Protagonisten erfüllen entsprechende Rollenmodelle und werden mit jeweils individuellen Aufgaben hinsichtlich der Handlungskontruktion betraut: Horace&#8216; Geschichte symbolisiert das Alt-Eingesessene, liefert teils anekdotisch die Hintergründe zum Leben in Owl. Mitch dagegen erlebt das Erwachsenwerden an diesem eigensinnigen Ort, den Julia – die dritte im Bunde – aus der Perspektive einer kiffenden Großstädterin erst entdecken muss. Diesen drei Charakteren, die offensichtlich nichts gemeinsam haben und deren Wege sich nur peripher kreuzen, scheint nur eines gemeinsam: die Stadt Owl. Ein wirklicher Plot findet sich nur in den Julia-Kapiteln: ihr Umzug in die Stadt, das Kennenlernen der Gepflogenheiten, ihr Job als Lehrerin und ihr zunehmender Alkoholismus bei latenter Depression und dem Wunsch, einen Partner zu finden. Die Kapitel über Mitch und Horace werden dagegen von assoziativen Gedankengängen über das Älterwerden und Football bestimmt. Auch aufgrund dieser Handlungs- und der oftmals daraus resultierenden Spannungsarmut der einzelnen Erzählstränge wird jedoch eines deutlich: Die eigentliche Hauptfigur ist die Kleinstadt Owl. Klosterman versucht einen episch erzählten Flickenteppich aus Anekdoten und Kurzgeschichten zu schustern, der ergänzt durch ebenso zahllose wie letztlich unwichtige Nebenfiguren eine Annahme wiederholt unterstreicht: Owl ist ein merkwürdiges Nest – und deshalb eine ganz normale kleine Stadt.<br />
Eingefasst wird die Handlung, welche sich über den Zeitraum zwischen August 1983 bis Februar 1984 erstreckt, von zwei Zeitungsmeldungen: Als Prolog dient eine (fiktive) Zeitungsmeldung über einen tödlichen Blizzard, auf welche die Kapitel zulaufen und die wie ein dunkler Schatten über der Erzählung liegt. Thematisch beschreitet Klosterman auch hier bekanntes Gebiet: Er beschreibt die Normalität als Einzelschicksal im Zusammenhang eines größeren Ganzen – was durch die Zeitungsmeldung im Epilog nur unterschrieben wird. Letztlich tauchen Fragen nach Identität und Selbstdefinition in unterschiedlichen Lebensabschnitten auf. Es geht um Erinnerung, um Nostalgie – und die hängt meist an bestimmten Orten. Orten wie Owl. Auch wenn dort eigentlich nie etwas passiert.</p>
<p>Auf dem Papier scheint Klostermans erster Roman ein stimmiges Bild. Er bedient sich einer Erzählstruktur, die an Episodenfilme von Richard Linklater oder Robert Altman erinnert &#8211; ausgelegt auf die nicht offensichtlichen Zusammenhänge, ohne dabei eine große Skandalschau zu betreiben. Doch dies funktioniert in der Umsetzung nicht ganz reibungsfrei. Als Hauptproblem erscheint letztlich der Autor Klosterman selbst, beziehungsweise seine Sprache und sein Erzählstil, denn dieser bleibt stets dem für ihn typischen Essayistischen verhaftet. Dass diese Art zu Schreiben in Klostermans journalistischen Texten, gepaart mit Sarkasmus und pointiertem Witz, bestens funktioniert, steht außer Frage. Doch ist dies nunmal ein vorwiegend kommentierender und beschreibender Stil, kein erzählender. „Downtown Owl“ liest sich letztlich wie jedes andere Buch von Chuck Klosterman, was auch daran liegt, dass signifikante Merkmale seines Stils, wie beispielsweise die expliziten Aufzählungen, gepflegt werden wie eh und je. Dass dieser sehr eigene Stil leider gar nicht zum hier versuchten Roman passt, wird insbesondere an den Stellen deutlich, an denen Klosterman den kommentierenden Musikjournalisten nicht hinterm Berg halten kann: So mag es vielleicht richtig sein, dass dieser oder jener Charakter diese oder jene Band nie gehört hat und nie hören wird, aber ist es auch wichtig? Dass Klosterman diese Bands kennt und auch um ihre Bedeutung weiß, das hat er mehrfach bewiesen. Doch nicht immer funktioniert sein Wissen auch im Kontext dieser Erzählung – manchmal wirkt es einfach fehl am Platz und &#8211; eigentlich unglaublich, dass ich dies mal Klosterman schreibe: aufgesetzt. Es wirkt wie der Versuch, den als eigen geglaubten Stil in eine andere Textgattung zu übertragen, wobei aber leider Form mit Inhalt verwechselt wurde.</p>
<p>Dabei kann Chuck Klosterman erzählen. Das hat er in der Vergangenheit mit lesenswerten Reiseberichten wie „Killing Yourself to Live“ oder dem „Something that isn&#8217;t true at all“-Kapitel aus „Chuck Klosterman IV“ (einer Essay- und Artikelsammlung) bewiesen. „Downtown Owl“ scheint als Roman der logische nächste Schritt, das Zusteuern auf einen rein fiktionalen Text, was letztendlich leider nur bedingt gelingt. Der epische Flickenteppich aus Anekdoten und Skizzen ergibt, abgesehen vom Sprachlichen, zwar ein weitgehend stimmiges Bild. Doch fügt sich als Erzählung nicht so zusammen, wie es zu erhoffen blieb. Dies betrifft einerseits die angesprochene Handlungs- und Spannungsarmut, doch Klostermans erster eigenständiger Roman scheitert letzten Endes an etwas anderem – und dies sind ironischerweise exakt denselben Qualitäten, die seine bisherigen Texte ausgemacht haben: die eigene Person. Und wie die Nostalgie seine Figuren bestimmt, so kann auch Klosterman letztlich die schreiberische Vergangenheit nicht abschütteln.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-78" title="ding" src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/04/ding.jpg" alt="ding" width="50" height="13" /></p>
<p><em>Chuck Klosterman – Downtown Owl. Scribner: New York 2008. ISBN: 1-4165-4418-6. Preis: 20,99 Euro. 288 Seiten</em></p>
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		<title>Eine Anspielung, die gar nicht da ist</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 08:55:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[notizen]]></category>
		<category><![CDATA[übers erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[chuck klosterman]]></category>
		<category><![CDATA[lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[richard linklater]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich glaube, Chuck Klosterman zu lesen heißt, nie alles zu verstehen. Es ist unmöglich, dass alle diese Zitate, Anspielungen, Referrenzen und Huldigungen beim Lesenden ankommen, wenn der Autor der größte Nerd auf diesem Planeten ist. Klosterman zu lesen ist in etwa so, wie einen Tarantino-Film zu gucken. Kill Bill zum Beispiel, das ist immer auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich glaube, Chuck Klosterman zu lesen heißt, nie alles zu verstehen. Es ist unmöglich, dass alle diese Zitate, Anspielungen, Referrenzen und Huldigungen beim Lesenden ankommen, wenn der Autor der größte Nerd auf diesem Planeten ist. Klosterman zu lesen ist in etwa so, wie einen Tarantino-Film zu gucken. <em>Kill Bill</em> zum Beispiel, das ist immer auch ein bißchen mehr als nur Zitatesuchen.</p>
<p><img src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2009/05/linklater-dazed-klosterman-downtown-owl.jpg" alt="Dazed And Confused - Criterion Collection / Chuck Klosterman - Downtown Owl / Foto: C.S." title="Dazed And Confused - Criterion Collection / Chuck Klosterman - Downtown Owl / Foto: C.S." width="450" height="242" class="alignnone size-full wp-image-805" /></p>
<p>Und wenn Klosterman in &#8222;Downtowl Owl&#8220; schreibt, dass eine seiner Figuren die Band &#8222;The Death Leopards&#8220; hört, dann bedeutet das etwas. Also mehr natürlich als die Tatsache, dass jene Figur diese Band hört &#8211; obwohl es prinzipiell natürlich immer wichtig ist, welche Figur welche Musik hört. Hier aber schreibt Klosterman aus der Perspektive von Mitch, einem der drei Hauptfiguren des Romans, und ein Freund von eben jenem hört die &#8222;Death Leopards&#8220;. Zumindest denkt Mitch, dass die Band so heißt. Mit ziemlicher Sicherheit aber hört sein Kumpel nicht &#8222;The Death Leopards&#8220;, sondern schlicht Def Leppard. Denn 1) ist das so offensichtlich, dass ich mich gerade ein bißchen schäme, das hier als große Enthüllung zu präsentieren und 2) spielt die Handlung in den 80ern, da wurde Def Leppard  (zumindest laut Wikipedia) noch von irgendwem gehört. Jedenfalls, man kann davon ausgehen, dass Mitch die Lieblingsband seines Freundes nur vom Hörensagen kennt. Die Band trägt vordergründig zur Charakterisierung des besagten Freundes bei, im Grunde aber noch wesentlich gezielter zu der von Mitch. Aus der falschen Weitergabe des Bandnamens (&#8222;The Death Leopards&#8220;) könnte man also schlussfolgern &#8211; zusammen mit einigen anderen Aussagen &#8211; dass Mitch sich praktisch nicht für Musik interessiert. Eine halbversteckte Aussage, die noch geradeso unter meine Musikkenntnisse fällt, praktisch aber schon Nerdwissen ist und der Roman ohnehin ein wenig Vorwissen verlangende Popliteratur. Zumindest was die Zitatesuche angeht, wie immer schon. <span id="more-610"></span></p>
<blockquote><p><span style="font-family: Georgia,serif;"><strong>Mitch liked Kramer, but he never hung the poster.</strong></span> <sup class='footnote'><a href='#fn-610-1' id='fnref-610-1'>1</a></sup></p></blockquote>
<p>Hier aber bin ich irritiert. Sehr. Wieder geht es um Mitch, den unfähigen Quarterback. Gerade bekam er ein Poster von Profi-Quarterback <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tommy_Kramer">Tommy Kramer</a> geschenkt, will dies aber nicht aufhängen, weil er Zimmerdekorieren blöd findet. Und wiegesagt, das irritiert mich jetzt. Also nicht die Handlung selbst, sondern 1) die Tatsache, dass <a href="http://damox.com/entertainment/dazed_and_confused/mitch_kramer.jpg">Mitch Kramer</a> einer der Protagonisten in Richard Linklaters <em><a href="http://www.imdb.com/title/tt0106677/">Dazed and Confused</a></em> ist, und 2) ich weiß, dass Klosterman <em>Dazed and Confused</em> gesehen hat: &#8222;approximately sixty-five times, and I have been stoned for approximately sixty-four of those experiences.&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-610-2' id='fnref-610-2'>2</a></sup></p>
<p>War ich eben noch so stolz auf mich, diese Def Leppard-Geschichte verstanden zu haben, stehe ich nun vor einem unlösbaren Rätsel: Sehe ich Gespenster? Werde ich verrückt? Diese Mitch-Kramer-Nummer kann doch unmöglich ein Zufall sein. Oder doch? Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Klosterman nicht einen seiner drei Protagonisten Mitch genannt, um dann einen halbgaren Verweis auf Linklater einzubauen. Aber warum der Quarterback namens Kramer und nicht irgendein anderer? Ich denke, das ist der eigentliche Grund meiner Verwirrung: der Verweis ist nicht eindeutig. Und, nur mal angenommen es sei eine von Klosterman intendierte Anspielung, dann ist diese ohnehin völlig witzlos. Weil was ist schon eine Anspielung, die nur der Anspielung dient? Überhaupt: qualifiziert dieses bestenfalls schlichte und schlimmstenfalls nichtssagende &#8222;Mitch liked Kramer&#8220; überhaupt als Anspielung auf Richard Linklaters Mitch Kramer?</p>
<p>Ich denke nicht.<br />
Ich denke schon.<br />
Ich denke es wäre schön, wenn dem so wäre.</p>
<p>Ich einige mich mit meinem an seine Grenzen stoßenden Popkultur- bewusstsein also auf einen Zufall. Dieser Zufall muss ein Zufall sein, allerdings kein schlechter (ja, der Satz stimmt so). Doch selbst mit dieser Einigung ist eine ganz andere und &#8211; wie ich finde &#8211; wesentlich grundlegendere Frage noch immer nicht geklärt: Werde ich verrückt? In diesem ganzen philosophischen Kontext, man denke an Signifikant-Signifikat-Theorien mit Bezügen auf- und unter- und zueinander und all dem Baudrillard&#8217;schen Simulakrum-Hyperrealitäten-Dings &#8211; ich glaube, ich bin da irgendwo verloren gegangen. Dabei wollte ich doch nur Klosterman lesen.<sup class='footnote'><a href='#fn-610-3' id='fnref-610-3'>3</a></sup></p>
<p>Dabei, Achtung Zeitsprung, fing mit diesen beiden Herrschaften &#8211; Richard Linklater und Chuck Klosterman &#8211; alles an. Und mit alles meine ich: alles. Und es begann mit einem Videorekorder. Und mit einem <em>Dazed and Confused </em>VHS-Tape, das ich zwar nicht fünfundsechszig, aber bestimmt vierzig Mal gesehen habe, bevor der Film endlich auf einer unwürdigen DVD erschien, für die ich dann bereitwillig 20 Euro gezahlt habe. 2006 schließlich wurde von Veröffentlichungswegen der Idealzustand erreicht, in dem sich ein Lieblingsfilm befinden sollte: das Gottesgeschenk der <a href="http://www.criterion.com/films/314">Criterion Collection</a>, welche ich dankbar für 35 Euro aus den USA importierte. Man sieht: Filmbegeisterung vorhanden, Erinnerungsvermögen vorhanden &#8211; auch wenn es um die DVD-Preise der Vergangenheit geht. In der Zwischenzeit kam ich über <em>Dazed and Confused</em> zu Richard Linklaters anderen Filmen &#8211; und da gibt es keinen, der mir nicht auf die ein oder andere Weise ans Herz gewachsen ist.<sup class='footnote'><a href='#fn-610-4' id='fnref-610-4'>4</a></sup><br />
Jedenfalls, im (für Fußnotenleser) bereits angesprochen Booklet der Criterion fand sich unter anderem ein Aufsatz von Chuck Klosterman, mir bis dahin als Journalist, Autor und Mensch völlig unbekannt, und er sprach über Filme, über Musik, über Gras und dabei im Prinzip nur über sich selbst. Diese drei Booklet-Seiten fassten Linklaters Film für mich zusammen, brachten das Gefühl, diesen Film zu sehen auf den Punkt. Jedenfalls, dieser egozentrische, grenz-narzisstische Journalismus Klostermans hat mich von Anfang an begeistert. Sowas wollte ich auch machen, sowas wollte ich auch schreiben. Auch heute noch gehört dieser kurze Text mit zum besten, was ich 1) von Chuck Klosterman und 2) über <em>Dazed and Confused</em> gelesen habe.</p>
<p>Klosterman schließt seine Erinnerungen an den Film und seine Ausführungen über das Erinnern mit dem wundervollen Statement:</p>
<blockquote><p><span style="font-family: Georgia,serif;">I don&#8217;t think the world inside of <em>Dazed and Confused</em> ever really existed. And I suspect the world where I spent a year desperately waiting to watch <em>Dazed and Confused</em> didn&#8217;t exist, either. But if you can tell the difference between how things were and how things feel, you are the only one, man.</span> <sup class='footnote'><a href='#fn-610-5' id='fnref-610-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<p>Und genau das ist der Punkt. Es kommt nicht darauf an, ob der Satz &#8222;Mitch liked Kramer&#8220; wirklich eine von Klosterman beabsichtigte Anspielung auf Richard Linklaters Mitch Kramer ist. Es kommt nicht drauf an, warum welche Figur wie genannt wurde und wie welcher Satz letztendlich gemeint war. Wenn Klosterman in etwa so <span style="color: #888888;"><span style="text-decoration: line-through;">viel</span></span> wenig über einzelne Formulierungen nachdenkt wie ich, dann war es ohnehin Zufall. Doch selbst das spielt keine Rolle. Es spielt letztlich nichtmal eine Rolle, ob ich verrückt werde oder nicht oder ob ich es schon lange bin. Selbst wenn man Dinge sieht, die nicht da sind &#8211; das durfte man schon von Ally McBeal lernen und ich möchte nicht alle von David E. Kelley adaptierten Lebensweisheiten wiedergeben. Wichtig ist nur, dass dieser Zufall-oder-nicht in meiner persönlichen Nostalgie existiert und irgendwas bei mir ankam. Genauso wie ich jedes Mal, wenn jemand &#8222;What the fuck did I do?&#8220; fragt &#8211; wie Julia in &#8222;Downtown Owl&#8220; auf S. 146 &#8211; unweigerlich an Jimmy McNulty denken muss. Für mich <em>ist</em> es eine Anspielung. Recht egal was Chuck Klosterman davon hält, Mann.</p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-610-1'>Klosterman, Chuck: Downtown Owl. Scribner, 2008. S. 109. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-610-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-610-2'>Klosterman, Chuck: &#8222;Not so long ago, but very far away&#8220;. Aufsatz aus dem Booklet zur <em>Dazed and Confused</em>-Criterion Collection. S. 27 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-610-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-610-3'>Und habe mit Saussure und Baudrilliard irgendwas durcheinander gebracht, fürchte ich. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-610-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-610-4'>Ausnahme: <em>School of Rock</em> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-610-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-610-5'>Klosterman: „Not so long ago, but very far away“. S. 29. Wobei das finale &#8222;man&#8220; eine Anspielung von Klosterman auf die dem Film zu Gute zu haltende Tatsache ist, dass im Dialog 185 mal das Wort &#8222;man&#8220; fällt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-610-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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