<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>herrvogel.net &#187; musikalisches</title>
	<atom:link href="http://herrvogel.net/tag/musikalisches/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://herrvogel.net</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Fri, 04 Jun 2010 09:28:55 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.4</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>NilsTrotzVogel: Jubiläum! Videos! Hurra!</title>
		<link>http://herrvogel.net/2010/01/nilstrotzvogel-jubilaum-videos-hurra/</link>
		<comments>http://herrvogel.net/2010/01/nilstrotzvogel-jubilaum-videos-hurra/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 12:44:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[ausgedachtes]]></category>
		<category><![CDATA[musikalisches]]></category>
		<category><![CDATA[NilsTrotzVogel]]></category>
		<category><![CDATA[was mit videos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://herrvogel.net/?p=1496</guid>
		<description><![CDATA[
Zeit für Nostalgie! Genau heute vor einem Jahr – es war ähnlich sibirisch draußen, doch es wurde sich alle Mühe gegeben, den gastgebenden Luxuskeller zu beheizen – da saßen drei junge Herren auf unbequemen Plastikstühlen. Und auf diesen sitzend, lasen sie überaus literarische Texte, spielten famoses Liedgut und redeten beizeiten wirres Zeug. Und sie waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://herrvogel.net/wp-content/uploads/2010/01/NilsTrotzVogel-fastschoneinbandfoto.jpg" alt="NilsTrotzVogel - Fast schon ein Bandfoto" title="NilsTrotzVogel - Fast schon ein Bandfoto" width="450" height="338" class="alignnone size-full wp-image-1528" /></p>
<p>Zeit für Nostalgie! Genau heute vor einem Jahr – es war ähnlich sibirisch draußen, doch es wurde sich alle Mühe gegeben, den gastgebenden Luxuskeller zu beheizen – da saßen drei junge Herren auf unbequemen Plastikstühlen. Und auf diesen sitzend, lasen sie überaus literarische Texte, spielten famoses Liedgut und redeten beizeiten wirres Zeug. Und sie waren sehr froh, dass nicht nur ihre neun MySpace-Freunde gekommen waren, um sich das anzusehen. Es war die rauschende Nacht der NilsTrotzVogel one night only Konzertlesung im wundervollen Brick5 in Wien, mit einem Programm, ganz passend betitelt „Gender und so“. <span id="more-1496"></span></p>
<p>Zum ersten Jahrestag der Konzertlesung nun endlich auch die lange angekündigten Video-Ausschnitte. Gut Ding, Weile haben, ihr kennt das. Belohnt wird die Welt dafür mit umwerfender Video- und Tonqualität, als hätte Scorsese uns gefilmt. Nun also, in konzertchronologischer Reihenfolge ein paar Eindrücke und &#8211; soviel darf verraten werden &#8211; echte Highlights sind selbstverständlich dabei, meine Damen und Herren! Beginnend mit Herrn Trotz&#8216; &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=dy1yz3LAc1c">Toronto-Text</a>&#8220;, der soweit ich weiß eigentlich &#8222;Walk a block, cross an ocean&#8220; heißt &#8211; und hier in der NilsTrotzVogel-Version mit Nils-Unterstützung:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="450" height="273" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/dy1yz3LAc1c&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="450" height="273" src="http://www.youtube.com/v/dy1yz3LAc1c&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Das zweite Video: Herr Vogel (bekannt als Autor und Namenspatron dieser schicken Website) liest einen Text, der früher mal eine Uni-Hausübung war und hier nur &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=w9QBcL1AAOI">Die Kolumne</a>&#8220; heißt, wobei das nicht der eigentliche Titel ist. Denn der ist &#8222;Dieser Autor ist ein Vollidiot&#8220;, aber das lockt auf YouTube nur merkwürdige Kundschaft an.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="450" height="273" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/w9QBcL1AAOI&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="450" height="273" src="http://www.youtube.com/v/w9QBcL1AAOI&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x5d1719&amp;color2=0xcd311b" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Im dritten Video der Schluss von Herrn Vogels &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=tGpC8UnVAqA">Elephant</a>&#8220;, kombiniert mit einem wunderhübschen Britney Spears Cover (&#8222;Leiwand&#8220;) von Nils. </p>
<p><object width="450" height="273"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/tGpC8UnVAqA&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/tGpC8UnVAqA&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="450" height="273"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Über den grandios gescheiterten Versuch, gemeinsam einen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Dcz0kxgjbIc">Song</a> zu schreiben. Ein &#8222;Anti-Nazi-Song&#8220; ohne Mädchen, mit Superhelden:</p>
<p><object width="450" height="273"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Dcz0kxgjbIc&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Dcz0kxgjbIc&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="450" height="273"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Zum Abschluss feinst-musikalisches vom grandiosen Nils, der seinen alten Gassenhauer &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=oS_FesC2jh0">Childlike Empress</a>&#8220; zum Besten gibt. Bitte gustieren, wie Dirk von L. immer sagt.</p>
<p><object width="450" height="273"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/oS_FesC2jh0&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/oS_FesC2jh0&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="450" height="273"></embed></object></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
Achtung Schlussworte! Wir hatten viel geplant, viel wieder umgeworfen, ein bißchen geprobt und ein MacBook versenkt &#8211; die Beatles-Forschung spricht hier von den &#8222;NilsTrotzVogel-Sessions&#8220; &#8211; und am Ende hatten wir uns viel zu bedanken: Bei den Leuten, die gekommen sind. Bei den Leuten, die geholfen haben. Beim großartigen Brick5, bei den begnadeten Videomenschen Silvia K. und Frau Mona, bei unserem dauerrauchenden Probepublikum (strenger als jede TV-Jury) Silvia S., Ludwig und Katharina. Und allen voran musste Herrn Trotz selbst gedankt werden. Hätten Nils und ich den Keller, die Bühne, das ganze Drumherum alleine herrichten müssen, wir hätten nachher da gestanden mit drei Stühlen und einer Kiste Bier. Schwer zu glauben, dass der Abend schon ein Jahr her ist. Oder <em>erst</em> ein Jahr her ist, meinte der Nils gestern. Hat er auch wieder recht.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;</span><br />
<strong>Mehr NilsTrotzVogel im Internet</strong>:<br />
- <a href="http://blog-briga.de/">Die alte Brigade</a><br />
- <a href="http://nilsmusik.wordpress.com/nilstrotzvogel/">Was der Nils geschrieben hat</a><br />
- <a href="http://www.myspace.com/nilstrotzvogel">NilsTrotzVogel bei MySpace</a> mit <a href="http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewAlbums&#038;friendID=436754934">Fotos</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://herrvogel.net/2010/01/nilstrotzvogel-jubilaum-videos-hurra/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In spaceships, they won&#8217;t understand</title>
		<link>http://herrvogel.net/2009/11/in-spaceships-they-wont-understand/</link>
		<comments>http://herrvogel.net/2009/11/in-spaceships-they-wont-understand/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 13:51:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[notizen]]></category>
		<category><![CDATA[musikalisches]]></category>
		<category><![CDATA[zur lage]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://herrvogel.net/?p=1297</guid>
		<description><![CDATA[Kurzer Zeitsprung, 2001 oder 2002. Ich bin siebzehn oder achtzehn Jahre alt, besuche äußerst erfolgreich die Oberstufe eines Gymnasiums und feiere gerade eine Freistunde in dieser gewissen, einer Kneipe nicht unähnlichen Lokalität gleich neben der Schule. Auf einmal tönen aus der überaus schäbigen Anlage zweieinhalb rotzig gespielte Akkorde in einem katastrophal beschissenen Sound, sind dabei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurzer Zeitsprung, 2001 oder 2002. Ich bin siebzehn oder achtzehn Jahre alt, besuche äußerst erfolgreich die Oberstufe eines Gymnasiums und feiere gerade eine Freistunde in dieser gewissen, einer Kneipe nicht unähnlichen Lokalität gleich neben der Schule. Auf einmal tönen aus der überaus schäbigen Anlage zweieinhalb rotzig gespielte Akkorde in einem katastrophal beschissenen Sound, sind dabei aber so schwungvoll und so ansteckend, nicht nur fußwipptechnisch gesehen, dass ich nicht anders kann, als nie wieder den bisher so geliebten Punkrock zu hören. Wie sich rausstellte, war das „Last Nite“ von den Strokes. Und wie sich auch rausstellte, sahen diese fünf Typen aus wie ich. Durcheinander in den Haaren, allgemeine Verfassung blass bis irgendwie kränklich, und im Gesichtsausdruck eher gelangweilt. Klamottentechnisch hatten die Jungen aus New York mir natürlich einiges voraus, weil – auch das stellte sich heraus – die hatten ja alle so reiche Eltern. Aber das machte nichts, ich mochte sie trotzdem. Und alle anderen mochten sie auch. Und dann kamen ganz viele weitere Bands, die so waren die Strokes. Das war dann „Indie“, anfangs auch gern „Garagenrock“, weil die so klangen und weil das damals in Musikzeitschriften stand. Und wir, die nicht auf den Bühnen standen, wir trugen auch enge Jeans und dreckige weiße Turnschuhe. Das war wieder cool, wahrscheinlich zum ersten Mal seit den Ramones, die wir natürlich auch alle mochten. <span id="more-1297"></span></p>
<p><em>[Um die folgenden Jahre kurz zu beschreiben: The Libertines, The Von Bondies, The Detroit Cobras, The Mando Diao, The Franz Ferdinand, The Arctic Monkeys, The Killers, The Maximo Park, The Razorlight, The Milburn, The Metric, The Modest Mouse, The Yeah Yeah Yeahs, The Kooks, The Walkmen, The Long Blondes, The Fratellis, The View, The Thermals, The Walkmen und zwanzig andere Bands, die real oder nur ideell ein „The“ im Namen trugen.]</em></p>
<p>2005 war ich dann in der Großstadt, zwar nicht in New York, dieser grausamen filminduzierten Sehnsucht, sondern studieren und leben und arbeiten in Wien. Indie war auch dabei, keine Frage, erlebte dort auch immer neue Höhepunkte. Eine ganze Zeit lang habe ich für ein mittlerweile leider verstorbenes Jugendmagazin über Musik geschrieben und Konzerte fotografiert. 2007 fing es an irgendwie zu kriseln, mit dem Indie und mir. Jede Woche Musikzeitschriften und MySpace gewälzt, was denn das nächste große Dinge sein könnte, die nächste Sau, die ganz musikjournalistisch durchs Indie-Dorf getrieben wurde. Das drohte, recht bald doof zu werden. Auch weil sich alles wiederholte und dann zu oft wiederholte und irgendwann schon eine nichtverzerrte, kurz angeschlagene Gitarre reichte, um indiechic zu sein. Ich schrieb immer dieselben Sätze. Ich kann das Wort „Indie“ heute noch immer nicht hören oder schreiben ohne an damals zu denken, wo es anfing, mir auf den Geist zu gehen. Doch die oben genannten Bands, die in der Zeitreise, die betrifft das ja noch gar nicht. Die waren und sind ja alle noch toll, auch wenn ich mich nur bei gut der Hälfte von denen für eine neue CD interessieren würde. Aber damals, da passte das schon.</p>
<p>Danach aber, so 2008, auf dem Höhepunkt des allgemeinen und meines persönlichen Überdruss‘, hochgefeiert, tiefgefallen, war Indie plötzlich mehr als tot und wurde für mich auf einem Konzert der Pigeon Detectives beerdigt. Das war zu einer Zeit, da hatte ich schon gar keine Lust mehr, über die neuen Bands zu schreiben und den wöchentlichen Bausatz an Phrasen über eine Band zusammen zu schustern, und machte lieber nur Fotos von den örtlichen Wien-Konzerten im Flex oder in der Arena oder im Chelsea. Wie gesagt, The Pigeon Detectives. Ein Song, den man ungefähr als Hit beschimpfen könnte („I Found Out“) und sonst viel einerlei mit den Indiegitarren und den bekannten Posen. Und genau diese Posen waren es auch, die nach all dem Überdruss und Maleinaugezudrücken bei immer neuen unbedeutenden Bands (ich huste den Namen &#8222;Klaxons&#8220;), das Fass sozusagen zum Überlaufen brachten. Möglicherweise lag es auch daran, dass ich mittlerweile älter war als die Herren auf der Bühne. Posen! Gehabe! Pigeon Detectives! Der warf sich in immer neue Verrenkungen und kippte sich mit einer Wasserflasche alle 40 Sekunden Wasser ins Gesicht, damit er seine Haare schütteln und auf Fotos gut und professionell ausgepowert aussehen konnte. Sein Hemd wirkte verschwitzt, es war nur nass. Die ultimative Rockstar-Pose in einem nichtmal zur Hälfte ausverkauften Wiener Flex. Ewig hochgehaltene Indie-Seele, das tat weh. Die Coolness war keine echte mehr, das sollte alles nur noch gut aussehen, die Musik war da nur noch Nebensache. Oder war das etwa schon immer so gewesen? 40 Minuten, einmal das Album durchgespielt, dann ab nach Hause. Doch wenn der Opa mal eine Geschichte aus dem Krieg erzählen darf: Das war zu der Zeit keine Seltenheit. Bands wie The Rifles, Shitdisco und The Wombats gaben dieser Tage ähnlich traurige Live-Vorstellungen. Zugaben gabs praktisch nie. Aber nicht weil die jungen Herren nicht gewollt hätten, sondern weil sie einfach keine Songs mehr hatten. Manche Bands waren sich auch nicht zu schade, ihren einzigen Hit als Zugabe einfach nochmal zu spielen. Es schien, da kamen immer neue Bands, wurden von den Plattenfirmen auf Europatour durch die Clubs geschickt und hatten nichtmal zwölf Songs für eine Vorstellung zusammen. Und diesen Rifles musste das Gitarrespielen erst von der Plattenfirma beigebracht werden. Was da blieb, klar, war die Pose. Langsam wurde mir klar, dass nicht nur die Industrie mal wieder den Geist der Musik gefressen hatte, sondern dass ich als halber Musikjournalist ein Teil des von mir angeblich so gehassten Kreislaufs geworden war.</p>
<p>Der Rest ist Klischee: Viele Dinge sind geschehen, die man zwar als Resultat komplexer Zusammenhänge und Zufälle darstellen könnte, doch im Prinzip habe ich aufgehört über Musik zu schreiben und werde das auch nie wieder tun. Es ist das passiert, was man mir beim Filmstudium immer sagte, wovor gewarnt wurde und was eine durchaus üble Gefahr darstellt. Wenn du Filme liebst, studiere nicht Filmwissenschaft. Beschäftige dich nicht zu viel damit, sonst geht’s dir irgendwann auf den Sack. Beim Film ist das nie passiert, da hab ich immer drauf aufgepasst, dass ich nicht zu viel und zu schnell und zu alles. Aber dann, mit der Musik, da reichte eine Nebentätigkeit und ein bißchen Besessenheit und ein bißchen Nichtaufpassen und schon war‘s passiert: Schnauze voll, ich wollte mit Musik und gleich der ganzen Industrie nichts mehr zu tun haben. Ich habe nicht mehr für das Jugendmagazin gearbeitet. Ich habe mir keine neuen CDs mehr gekauft, keine Musikblogs mehr gelesen und keine Zeitschriften mehr gekauft. Und ich ging auf keine Konzerte mehr.<br />
Seitdem glaubte ich, dass ich all die gute Musik schon kennen würde, dass mich nichts mehr so vom Fleck weg begeistern würde, wie die Songs von damals, als die Welt noch in Ordnung war, der Garagen-Indierock noch Eier hatte und nicht zur Pose verkommen schien. Wenn ich diese Bands hörte, dann nur noch ihre ersten Alben, sofern sie überhaupt darüber hinaus gekommen waren. Außer die Strokes, von denen hörte ich alles. Und immer. Die hatten mich nie verraten. Ein kleines Stück der Welt war noch im Lot. Doch ich fürchtete, ich wäre schlimmstenfalls erwachsen geworden und würde noch mit vierzig die alten Alben hören. Wie Fans von ACDC oder Westernhagen oder, was weiß ich, Michael Schumacher. Ich trauerte.<br />
Dann kam Tocotronics „Kapitulation“. Und ich kapitulierte mit. Meine Jugendbewegung, deren Teil ich hatte sein wollen und die ich von 2001 bis dorthin mitgelebt hatte, wurde heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Gesiegt hatte die Industrie, die Maschine, das Geld. Erst kamen die Franz Ferdinands mit ihren Ringelpullis, dann kamen die Emos. Und wir Indie-Kinder, wir waren Mitte zwanzig und deprimiert.</p>
<p>Doch 2009, da ist etwas passiert, das meine fast zweijährige musikalische Krise beendete: Julian Casablancas veröffentlicht ein Soloalbum, ganz ohne Strokes. Und ich musste einfach reinhören. Die neuen Alben von Maximo Park und der Arctic Monkeys habe ich bis heute nicht gehört. Aber Casablancas, der musste einfach. Mit reichlich Synthies läuft er an, der erste und einzige Track, den ich bislang wirklich von „Phrazes For The Young“ gehört habe: „Out Of The Blue“. Elektronisch mit blinkenden Knöpfen und Schaltern, die ratternd in die erste Strophe treiben, wo der junge Casablancas klingt wie ein alter Johnny Cash. Rückblickend, müde, lethargisch wie immer schon und auch ein bißchen weise. Ich war platt und umgehauen und alle musikalische Abstinenz scheint vergessen, ein kleines Erlebnis wie damals, das erste Strokes-Lied.</p>
<blockquote><p>And the ones that I made pay<br />
were never the ones who deserved it,<br />
And the ones who deserved it,<br />
they&#8216;ll never understand it.</p>
<p>Yes, I know I&#8216;m going to hell in a leather jacket,<br />
At least I&#8216;ll be in another world<br />
while you&#8216;re pissing on my casket.</p></blockquote>
<p>Da schwang so viel Wut und Reue und rückblickende Gleichgültigkeit mit, die in etwa dem nahe kam, was ich selbst von der Musik und letztlich von der Welt insgesamt hielt. Es geht um die pubertären Posen der Ablehnung, der Rebellion und des Unverstandenseins. Es ist ein letztes Aufflammen der ganzen Emotion und der Unbeherrschtheit, kurz bevor man sie für immer hinter der Maske wegschließt und behauptet, man sei jetzt erwachsen und da gehöre sich das eben nicht mehr. Ein letzter Mittelfingerzeig vor der Selbstaufgabe oder vielleicht doch nur ein trauriger Abgesang auf vertrocknete Selbstbilder.</p>
<blockquote><p>All that I can do is sing a song of faded glory,<br />
All you got to do: sit there, look great, and make them horny.<br />
Together we&#8216;ll sing tones and tell exaggerated stories,<br />
About the way we feel today in the night and in the morning.</p></blockquote>
<p>Wie ein Blick in den Rückspiegel, während man mit Vollgas und angezogener Handbremse in eine Zukunft brettert, von der man nicht einmal genau weiß, wo genau sie stattfinden wird. Geschweige denn, wie sie einmal aussehen soll. Ich habe wieder angefangen, Alben zu kaufen. Gisbert, Editors, Mumford &amp; Sons. Ich lese nach wie vor keine Musiblogs und keine Musikzeitschriften, weil in denen steht sowieso immer nur dasselbe. Doch irgendwo bin ich noch immer der gelangweilt dreinblickende Junge mit dem Durcheinander in den Haaren. Und mir ist völlig klar, dass auch das wieder nur eine Pose ist.</p>
<p>Aber ich höre wieder zu. Und ab und zu tanze ich ein bißchen vor mich hin.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://herrvogel.net/2009/11/in-spaceships-they-wont-understand/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
