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Posts Tagged ‘übers erzählen’

Die Welt aus den Fugen: Die Titelsequenzen von Dawn of the Dead und Watchmen

12. Oktober 2009 | was über filme

Es gibt viele gute, aber es gibt nur wenige wirklich großartige Titelsequenzen. Und zwei davon hat – ich weiß, es klingt komisch – Zack Snyder gemacht. Ausgerechnet jener Zack Snyder, dessen Filme (Dawn of the Dead, 300, Watchmen) sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie maßlose Brutalität detailliert zur Schau stellen und eher wenig Respekt vor Zuschauermägen zeigen. Snyders Kamera schaut dort hin, wo andere wegschauen würden. Zombies, Streitäxte, Frittenfett: Snyder zeigt, und entspricht damit einer (seiner!) Generation junger Regisseure, denen allgemein wenig daran gelegen ist, filmische Grausamkeiten nur in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen. Zu diversen Streitfällen dieser neuen Mainstream-Brutalität wie Saw, Hostel und Co. war auch der Vorwurf nicht weit, hier würden lediglich Gewaltpornos fabriziert. Doch wie immer man zu Gewalt auf der Leinwand steht, Snyders Filmen kann man durchaus zugute halten: Visuell sind sie allererste Güte.

Watchmen - Die Wächter / Bild von MovieGod.de
(Watchmen – Die Wächter / Bild von MovieGod.de)

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Ejchenbaum in Hollywood: Die Bedeutung der „Inneren Rede“

16. September 2009 | was über filme

Das Beeindruckende an den unterschiedlichen Fassungen von Francis Lawrence‘ I Am Legend ist, dass sie beide funktionieren. So mag es nicht sonderlich erstaunlich sein, dass ein Film durch nur drei Änderungen (zwei weggelassene Szenen, eine veränderte) eine grundlegend andere Bedeutung erhalten kann. Vielmehr ist es erstaunlich, dass beide Versionen für sich genommen und ihre jeweilige Dramaturgie betrachtet, funktionieren. So arbeiten beide Filme selbstverständlich mit denselben Fixpunkten der Handlung, doch haben sie eine jeweils andere Bedeutung. Weiterlesen »

Eine Anspielung, die gar nicht da ist

27. Mai 2009 | notizen

Ich glaube, Chuck Klosterman zu lesen heißt, nie alles zu verstehen. Es ist unmöglich, dass alle diese Zitate, Anspielungen, Referrenzen und Huldigungen beim Lesenden ankommen, wenn der Autor der größte Nerd auf diesem Planeten ist. Klosterman zu lesen ist in etwa so, wie einen Tarantino-Film zu gucken. Kill Bill zum Beispiel, das ist immer auch ein bißchen mehr als nur Zitatesuchen.

Dazed And Confused - Criterion Collection / Chuck Klosterman - Downtown Owl / Foto: C.S.

Und wenn Klosterman in „Downtowl Owl“ schreibt, dass eine seiner Figuren die Band „The Death Leopards“ hört, dann bedeutet das etwas. Also mehr natürlich als die Tatsache, dass jene Figur diese Band hört – obwohl es prinzipiell natürlich immer wichtig ist, welche Figur welche Musik hört. Hier aber schreibt Klosterman aus der Perspektive von Mitch, einem der drei Hauptfiguren des Romans, und ein Freund von eben jenem hört die „Death Leopards“. Zumindest denkt Mitch, dass die Band so heißt. Mit ziemlicher Sicherheit aber hört sein Kumpel nicht „The Death Leopards“, sondern schlicht Def Leppard. Denn 1) ist das so offensichtlich, dass ich mich gerade ein bißchen schäme, das hier als große Enthüllung zu präsentieren und 2) spielt die Handlung in den 80ern, da wurde Def Leppard (zumindest laut Wikipedia) noch von irgendwem gehört. Jedenfalls, man kann davon ausgehen, dass Mitch die Lieblingsband seines Freundes nur vom Hörensagen kennt. Die Band trägt vordergründig zur Charakterisierung des besagten Freundes bei, im Grunde aber noch wesentlich gezielter zu der von Mitch. Aus der falschen Weitergabe des Bandnamens („The Death Leopards“) könnte man also schlussfolgern – zusammen mit einigen anderen Aussagen – dass Mitch sich praktisch nicht für Musik interessiert. Eine halbversteckte Aussage, die noch geradeso unter meine Musikkenntnisse fällt, praktisch aber schon Nerdwissen ist und der Roman ohnehin ein wenig Vorwissen verlangende Popliteratur. Zumindest was die Zitatesuche angeht, wie immer schon. Weiterlesen »

I Am Legend oder die Feigheit Hollywoods

30. April 2009 | was über filme

Es fällt schwer, die ersten beiden Drittel von I Am Legend nicht zu mögen. Umso leichter fällt es aber, das letzte Drittel zu verdammen – und gut wie gerne für alles verantwortlich zu machen, was im modernen Hollywoodkino nicht stimmt. An dieser Stelle sei eine ausdrückliche Spoilerwarnung ausgesprochen – zur Kinofassung und zur alternativen Fassung.

I Am Legend / Bild von MovieGod.de
(I Am Legend / Bild von MovieGod.de)
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Jura Soyfer – Die Theaterstücke, erster Blick

29. April 2009 | notizen

Meine Damen und Herren! Wie aus einem Füllhorn – wie aus einem Füllhorn, oder um bildlich zu sprechen: Wie aus einem Füllhorn. Händeklatschen. Jawohl. Das astorische Füllhorn hat lauter getönt als das rohköstlerische Fagott. (Astoria)

Der typische Student der Wiener Theater-, Film- und Medienwissenschaft verbringt einen Großteil seines Studiums in nur zwei Hörsälen – einer davon ist der Jura-Soyfer-Saal in der Hofburg. Als mich Kollege Grundtner vor vier Jahren erkundungstechnisch durchs Institut führte, habe ich nur „Jura Säufer Saal“ verstanden und gelacht. Was weiß denn ich wer Jura Soyfer war? Und viel mehr als mal den Wikipedia-Artikel über Soyfer – wie auch über Joseph Schreyvogel, den Namenspatron des zweiten Institutshörsaals – durchzulesen, hab ich seitdem nicht fertig gebracht. Mit meinem Unwissen war und bin ich aber nicht allein, wie man so hört. Obwohl Soyfers Texte in zig Sprachen übersetzt wurden, ist er heute nicht unbedingt der allgemein-bekannteste Autor. Praktisch kennt ihn fast niemand. Mein komplettes Unwissen änderte sich dann mit diesem, meinem wohl letzten Semester. Wurde auch mal Zeit. Bildet überdies eine schöne thematische Klammer des Studiums, was man auch als Anekdote zum Beispiel in Blogeinträgen verwenden kann.

Denn, wie ich in der aktuellen Vorlesung/Übung über sein Leben und Werk gelernt habe: Jura Soyfer besitzt. Alles. Vier seiner fünf Theaterstücke – Der Weltuntergang, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, Astoria, Vineta (Die versunkene Stadt) - habe ich mittlerweile gelesen und weiß auch ungefähr, in welche Richtung sich mein für Juni geplanter Abschlussaufsatz entwickeln wird. Denn was mich so beeindruckt hat: Soyfer schreibt erstaunlich visuell, scheint stets darum bemüht, die Bühne und ihre (Un-)Möglichkeiten auszunutzen. Sei es die Rückreise in der Zeit im Lechner Edi oder die versunkene Stadt, in der die Zeit still steht in Vineta. Was mich mehr als einmal überrascht hat – sowohl sprachlich, als auch von der Geschichte insgesamt – das war der unglaublich direkte, unkomplizierte Humor. Der ergibt in Verbindung mit den teils ernsten Hintergründen von Soyfers Geschichten eine ganz eigene, unwirkliche Atmosphäre, die zum Ende hin immer in eine Tragödie oder eine Komödie kippen kann. Selten so gerne Theatertexte gelesen.
Soyfers Protagonisten sind immer auf der Reise und auf der Suche – meist nach einer Verbesserung ihrer oder allgmeiner Umstände. Sie betreten dabei immer ein Terrain, auf dem sie sich nicht auskennen und/oder mit ihren Wünschen gegen übergroße Wände laufen. Unverstandenheit ist ein ganz großes, wiederkehrendes Motiv innerhalb dieser Reisen – wie auch Krieg, Armut und Bürokratie. Ich finds erstaunlich, wie viele kleine und weniger kleine Ideen und Anspielungen Soyfer unterbringt und bei aller erzählerischer Vielfalt insgesamt nicht seine Richtung verliert. Letztlich ist es sein Stil, nicht nur der sprachliche, der mich so beeindruckt hat.

Neulich unterhielt ich mich mit dem Buchhändler meines Vertrauens. Wir sprachen über die Soyfer-Werkausgabe, die nun auch in vier Einzelbänden erhältlich ist. Die alte Ausgabe, sagte er, dieses riesige, unhandliche Ding sei ja eine haptische Katastrophe gewesen. Gut also die Aufteilung von 2002.
Dann fügte er hinzu: Auf der anderen Seite dürfe man eigentlich froh sein, dass heute überhaupt noch etwas von Soyfers Texten erhalten ist.
Soyfer starb 1939 im KZ Buchenwald, mit 26.

Wieder eine Nacht mit Lesen verbracht

15. April 2009 | notizen

Eine Inzestgeschichte! Jetzt mal ehrlich, da schippt der in seiner ellenlangen Erzählung Geheimnis auf Geheimnis und was ist am Ende der Schlüssel zu allem? Eine Inzestgeschichte. Das ist in etwa so originell wie ein Telefonstreich im Radio. Dabei hab ich das Buch, knapp sechshundert Seiten, von denen es ohne Probleme hundert weniger hätten sein können, nicht nur wirklich gern gelesen, ich hab diesen „wahren Schmöker“ nahezu „verschlungen“ – um vor der Buchrückensprache anno 2003 den Hut zu ziehen. Fraglos ein Roman, den ich auch gerne weiter empfehlen würde, wäre ich nicht sowieso schon der letzte, der ihn gelesen hätte. Die Geschichte aber ist großartig, wunderbar erzählt, viele Ebenen und am Ende doch erstaunlich wenig Redundantes für so viel Epos. Auch ist das alles nicht eindeutig zuzuordnen, genretechnisch, anfangs schon gar nicht, bewegt sich im guten Sinne zwischen allen Stühlen und ist obendrein gelungen geschrieben, sprachlich, ganz eigener Humor, auch die Informationsvergabe, das kann auch nicht jeder, nichts vergessen, alles fein. Kurz gesagt, der Roman hat alles. Und weil er eben alles hat, hat er auch eine Inzestgeschichte. Weiterlesen »

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